Was sich mit der 150V-Grenze ändert: die Reihenschaltung von Modulen
Der SmartSolar 150/35 ist der einzige Regler der Victron-Reihe in unserem Sortiment, der bis zu 150V PV-Eingang akzeptiert, während der BlueSolar 75/15 bei 75V und der SmartSolar 100/20 bei 100V endet. Diese höhere Spannung ändert die Art der Verkabelung einer Anlage: Sie erlaubt es, mehrere Module in Reihe (String) statt parallel zu montieren. Der durch die Kabel fließende Strom ist dann bei gleicher Leistung geringer, was die Leitungsverluste über eine lange Strecke zwischen Modulen und Regler senkt und einen dünneren Kabelquerschnitt erlaubt.
In der Praxis verwaltet der Regler bis zu 500W Module bei einem 12V-System, 1000W bei 24V, 1500W bei 36V und 2000W bei 48V. Das ist ein deutlicher Sprung gegenüber dem SmartSolar 100/20 (290W bei 12V, 1160W bei 48V) und weit vor dem BlueSolar 75/15, der bei 220W bei 12V endet. Dieser Leistungssprung zielt auf Anlagen, die über einen 100V-Regler hinauswachsen: mehrere Module verteilt auf einem Van-Dach, eine Boot-Installation, oder ein abgelegener Standort, an dem die Module weit vom Batteriepark entfernt liegen.
Der MPPT-Wirkungsgrad und der Verschattungsalgorithmus
Der SmartSolar 150/35 teilt sich seinen MPPT-Tracking-Algorithmus mit dem Rest der Victron-Reihe, mit einem Wirkungsgrad, der bis zu 98% erreichen kann. Seine Technologie sucht kontinuierlich den maximalen Leistungspunkt der Module: Der Hersteller gibt bis zu 30% mehr geerntete Energie an als bei einem einfachen PWM-Regler, und bis zu 10% mehr als bei einem langsameren MPPT-Gerät, wobei sich der Abstand besonders bei wechselndem oder teilweise bewölktem Himmel vergrößert.
Ein Verschattungs-Trackingalgorithmus ist eingebaut: Statt sich auf den ersten angetroffenen Leistungspeak zu verriegeln, eine klassische Falle generischer MPPT-Geräte bei teilweise verschatteten Modulen, tastet er die gesamte Leistungskurve ab, um das wahre Maximum zu finden. Das ist ein wirklich nützlicher Mechanismus, sobald eine Anlage wiederkehrende Teilverschattung erfährt: ein Mast, ein Dachaufbau auf einem Van, der Aufbau eines Boots.
Batteriekompatibilität und Spannungsbereiche
Der Regler ist mit Blei-Batterien (Gel, AGM, offen) und Lithium LiFePO4 kompatibel, über 8 vorprogrammierte Ladealgorithmen sowie ein vollständig anpassbares Profil. Er deckt den breitesten Systemspannungsbereich der drei Victron-Regler in unserem Sortiment ab: 12V, 24V und 48V werden bei der ersten Inbetriebnahme automatisch erkannt, dazu 36V per Software-Konfiguration verfügbar, was beim SmartSolar 100/20 und beim BlueSolar 75/15 fehlt.
Wie beim Rest der Reihe wendet die werkseitige Lithium-Voreinstellung eine Absorptionszeit von 2h an, länger als der tatsächliche Bedarf einer generischen LFP-Batterie, die ihre Absorptionsschwelle schneller erreicht: Es empfiehlt sich, sie manuell über die App zu verkürzen. Auch die automatische Spannungserkennung verriegelt sich nach der ersten Installation, ein Punkt, den man kennen sollte, bevor man das Gerät auf ein System mit anderer Spannung umzieht.
Integriertes Bluetooth und Überwachung über VictronConnect
Bluetooth ist serienmäßig integriert, genau wie beim SmartSolar 100/20: kein Dongle nötig, um auf die App VictronConnect zuzugreifen. Diese zeigt den Ertrag in Echtzeit an, Spannung und Strom sowohl modul- als auch batterieseitig, und speichert einen 30-Tage-Verlauf, der direkt vom Smartphone aus einsehbar ist, ganz ohne Internetverbindung, da die Verbindung rein lokal über Bluetooth läuft.
Mehrere an dieselbe Batterie angeschlossene Victron-Regler können ihre Ladephasen untereinander per Bluetooth synchronisieren, damit nicht ein Regler in der Absorptionsphase bleibt, während ein anderer bereits auf Float umgeschaltet hat. Ein kabelgebundener VE.Direct-Anschluss bleibt für die Einbindung in ein größeres Victron-System verfügbar (Cerbo GX, Fernüberwachung über das VRM-Portal). Am Gerät selbst ist kein physisches Display vorhanden: Ohne Smartphone in der Nähe geben nur die Status-LEDs (Bulk, Absorption, Float) eine grobe Auskunft über den Betrieb.
Der wahre Punkt der Vorsicht: die einzuhaltende Spannungsmarge
Der SmartSolar 150/35 gibt 150V als maximale Eingangsspannung an, doch diese Grenze wird vom Gerät nicht aktiv geschützt: Oberhalb dieser Grenze kann die Elektronik des Reglers dauerhaft beschädigt werden, ohne einen Abschaltmechanismus, der sie zuverlässig davor bewahrt. Das ist ein Merkmal, das die gesamte Victron-MPPT-Reihe dieser Spannungsklasse teilt, das aber beim 150/35 konkret relevanter wird: Es ist genau das Modell, das gewählt wird, um sich dieser Grenze mit einer Reihenschaltung zu nähern.
Der technische Punkt, den man vor dem Kauf kennen sollte: Die Leerlaufspannung (Voc) der Module steigt bei Kälte, mitunter spürbar an einem Wintermorgen. Eine Modulkette, die bei Standardtemperatur knapp an den 150V dimensioniert ist, kann diese Grenze bei einem Kälteeinbruch also überschreiten. Die empfohlene Sicherheitsmarge besteht darin, die Leerlaufspannung unter den kältesten realistischen Bedingungen des Installationsorts zu berechnen und eine Reserve unter 150V zu behalten, statt genau auf diese Grenze zu zielen.
Schutzfunktionen und Zuverlässigkeit über die Zeit
Der Regler integriert die Standardschutzfunktionen der Victron-Reihe: Verpolungsschutz sowohl am PV-Eingang als auch an der Batterie, Überhitzungsschutz, sowie eine Sperre des Rückstroms, der die Batterie nachts in Richtung der Module entladen würde. Sein Ruhestromverbrauch bleibt sehr niedrig, unter 35 mA bei 12V und unter 20 mA bei 48V, ein bemerkenswerter Punkt für ein Gerät, das dauerhaft angeschlossen bleibt, auch wenn die Module nichts produzieren.
Sein angegebener Betriebsbereich reicht von -30 °C bis +60 °C, mit voller Ladeleistung garantiert bis 40 °C. Das Gehäuse mit Schutzart IP43 übersteht den üblichen Einsatz in Wohnmobil, Boot oder an einem abgelegenen Standort gut, braucht aber weiterhin Schutz vor direkter Spritzwasserbelastung. Die Victron-MPPT-Reihe genießt einen etablierten Ruf für Zuverlässigkeit im Off-Grid-Bereich, gestützt auf eine 5-jährige Herstellergarantie und eine langjährige Präsenz in diesem Markt. Für dieses Modell wurde in den konsultierten amerikanischen und europäischen Sicherheitsdatenbanken kein Produktrückruf gefunden.
Gegenüber dem BlueSolar 75/15 und dem SmartSolar 100/20 bereits im Sortiment
Der SmartSolar 150/35 rundet die Reihe der bereits im Sortiment vorhandenen Victron-Regler nach oben ab. Seine Positionierung ist klar: Er zielt auf Anlagen, die über einen 100V-Regler hinauswachsen, insbesondere sobald Reihenschaltung oder die Entfernung zwischen Modulen und Regler ins Spiel kommen.
| Kriterium | SmartSolar 150/35 | SmartSolar 100/20 | BlueSolar 75/15 |
|---|---|---|---|
| Max. PV-Spannung | 150V | 100V | 75V |
| Ladestrom | 35A | 20A | 15A |
| Module in Reihe | Ja | Nein | Nein |
| Kompatible Systeme | 12/24/36/48V | 12/24/48V | 12/24V |
| Integriertes Bluetooth | Ja | Ja | Nein (optionaler Dongle) |
| Gewicht | 1,25 kg | 0,65 kg | 0,6 kg |
Gegenüber dem SmartSolar 100/20 liegt der Unterschied nicht in der Qualität des MPPT-Trackings, die in der gesamten Reihe identisch ist, sondern in der Eingangskapazität und der Möglichkeit zur Reihenschaltung. Gegenüber dem BlueSolar 75/15 kommt das integrierte Bluetooth hinzu, das der 100/20 bereits hat. Für eine kleine Anlage mit ein oder zwei parallel verschalteten Modulen bleiben der 100/20 oder der 75/15 völlig ausreichend und günstiger; der 150/35 lohnt sich, sobald die Anlage über diese Größenordnung hinausgeht.
Preis und Verfügbarkeit
Der festgestellte Preis liegt je nach Händler meist zwischen 190€ und 210€, über dem SmartSolar 100/20 (zwischen 90€ und 110€), passend zum Sprung in der Leistungsklasse (35A gegenüber 20A, 150V gegenüber 100V) und der zusätzlichen 36V-Unterstützung. Er ist der teuerste der drei Victron-Regler in unserem Sortiment, weit vor PWM-Reglern oder günstigen MPPT-Geräten aus China. Für dieses Modell wurde in den konsultierten amerikanischen und europäischen Sicherheitsdatenbanken kein Produktrückruf gefunden.
Für wen sich der 150/35 eignet, und für wen nicht
Der SmartSolar 150/35 eignet sich für eine Anlage, die über einen 100V-Regler hinauswächst: mehrere in Reihe zu verschaltende Module, eine erhebliche Entfernung zwischen Modulen und Batteriepark, oder ein System, das zwischen 12V, 24V, 36V und 48V flexibel bleiben muss. Das ist eine stimmige Wahl für einen Van mit mehreren verteilten Modulen, ein Boot, oder einen abgelegenen Standort mit einem Technikraum weit von den Modulen entfernt.
Für eine kleine Anlage mit ein oder zwei Modulen nahe am Batteriepark lohnt er sich nicht: Der günstigere SmartSolar 100/20 deckt diesen Bedarf bereits mit demselben integrierten Bluetooth ab. Ein knappes Budget ohne Bedarf an Fernüberwachung führt eher zum BlueSolar 75/15 oder einem Regler eines anderen Herstellers mit Display, wie dem bereits im Sortiment vorhandenen Renogy Rover 20A. Eine 12V- oder 24V-Anlage, die über 35A Ladestrom hinausgeht, führt eher zum Modell 150/45 derselben Reihe, das für mehr Strom ausgelegt ist.


