Die angegebenen 35 W im Vergleich zur real verfügbaren Leistung
Wie bei jedem Solarmodul entspricht die auf dem BigBlue P35 angegebene Leistung von 35 W einem genormten Wert (1000 W/m² Einstrahlung, 25 °C Zelltemperatur, Standardlichtspektrum), ein nützlicher Vergleichsmaßstab zwischen Modulen, der im Freien aber nie exakt erreicht wird. Der Hersteller weist in seiner eigenen Dokumentation darauf hin, dass die Lücke zwischen Nennwert und Realität vor allem durch die Erwärmung der Zellen in praller Sonne entsteht, dazu kommen Einfallswinkel und Bewölkung.
Bei diesigem Himmel oder ungünstigem Winkel sinkt die verfügbare Leistung meist auf 15 bis 20 W, gegenüber den angegebenen 35 W. Diese Lücke ist für dieses Modulformat nichts Ungewöhnliches: Das BigBlue 28W, der kleine Bruder des P35 im Katalog, kommt in der auf dieser Seite veröffentlichten Einschätzung bei praller Mittagssonne auf lediglich 10,5 W von den angegebenen 28 W, also 37,5 % des Nennwerts, der schwächste Wert eines Vergleichs von vier Modulen. Das P35 startet hier mit einem echten strukturellen Vorteil: Seine Zellen erreichen 25,4 % Effizienz, der beste Wert eines direkten Vergleichs mit dem eigenen Vorgänger (≈24 %), dem Jackery SolarSaga 40W Mini (≈23 %) und dem Choetech SC006 (≈20 %), was den als Wärme verlorenen Energieanteil bei gleicher Zellfläche mechanisch begrenzt.
Das Modul bringt einen zweiten nützlichen Mechanismus mit: eine doppelte Parallelschaltung statt einer Reihenschaltung der Zellsegmente. Fällt ein Teil des Moduls in den Schatten (ein Ast, eine daraufgelegte Tasche, eine einzelne Wolke), produziert der Rest konkret weiter, statt dass die Gesamtleistung des ganzen Moduls einbricht, eine klassische Schwäche in Reihe verschalteter Module.
Gewicht und Packmaß im gefalteten Zustand
Das BigBlue P35 wiegt laut Hersteller 0,7 kg und faltet sich auf 21x12,3x4,8 cm zusammen, kaum größer als ein Taschenbuch. Aufgeklappt misst es 60,3x42 cm. Ein integrierter Tragegriff, zwei Karabiner und ein elastisches Band liegen bei und erlauben es, das Modul direkt an Rucksack oder Zelt zu befestigen, ohne zusätzliches Zubehör kaufen zu müssen.
Im eigenen Katalog bleibt das Gewicht in derselben Größenordnung wie beim BigBlue 28W (0,68 kg), obwohl dieses Modul weniger leistungsstark und deutlich weniger wasserdicht ist: Die wenigen zusätzlichen Gramm des P35 erkaufen 7 W mehr Leistung, einen zusätzlichen Schnellladeanschluss und einen deutlichen Sprung bei der Wasserdichtigkeit (siehe weiter unten). Gegenüber Modulen vergleichbarer Leistung wird der Abstand deutlich: Das Jackery SolarSaga 40W Mini wiegt ≈1,2 kg und das Choetech SC006 ≈1,55 kg, also rund 70 % beziehungsweise mehr als das Doppelte des Gewichts des P35 bei ähnlicher Nennleistung.
Drei Anschlüsse, nur einer wirklich schnell
Das P35 verteilt seine Leistung auf drei Anschlüsse: einen USB-A-Anschluss mit Quick Charge bei 18 W, einen ersten USB-C-Anschluss mit 25 W Power Delivery und PPS (Programmable Power Supply, das Spannung und Strom für ein schnelleres, sichereres Laden anpasst), und einen zweiten USB-C-Anschluss, der bei 5V/3A gedeckelt ist, also bestenfalls 15 W, ohne PD oder PPS. Von den drei Anschlüssen profitiert also nur einer wirklich von einem Schnellladeprotokoll: Der zweite USB-C-Anschluss bleibt ein Nebenausgang für ein zweitrangiges Gerät.
Wichtig zu wissen vor dem Kauf, vom Hersteller selbst bestätigt: Der erste USB-C-Anschluss (PD 25 W) ist nicht mit Apple-Geräten kompatibel. Für ein iPhone oder iPad muss der USB-A-Anschluss oder der zweite USB-C-Anschluss genutzt werden, beide langsamer.
Eine einfache Rechnung, die in den Verkaufsunterlagen fehlt, lohnt sich: Die drei Anschlüsse ergeben zusammen 58 W (18+25+15), weit über den 35 W, die das Modul tatsächlich bestenfalls liefert. Werden drei anspruchsvolle Geräte gleichzeitig angeschlossen, teilt sich zwangsläufig eine geringere Leistung als die Summe der einzelnen Höchstwerte auf, ohne dass BigBlue eine Rangfolge zwischen den Anschlüssen veröffentlicht.
IP68 für das Modul, aber nicht für die USB-Box
Das P35 trägt die Zertifizierung IP68, den höchsten Wert seines eigenen direkten Vergleichs: weit vor dem IP44 seines Vorgängers, dem BigBlue 28W, und vor den vagen Formulierungen ("wetterbeständig", "wasserabweisend") des Jackery SolarSaga 40W Mini und des Choetech SC006. Der Hersteller weist in seiner eigenen Dokumentation jedoch auf eine wichtige Einschränkung hin: Dieses IP68 gilt für die Modulfläche und die Zellen, nicht für die USB-Anschlussbox, die bei Regen geschützt bleiben muss.
Für dieses konkrete Modell wurde bislang keine unabhängige Bestätigung dieser IP68-Angabe im Regen gefunden, eine übliche Einschränkung bei einem erst kürzlich aktualisierten Produkt der Marke. Der Hersteller beschreibt außerdem einen verstärkten Aufhängepunkt mit einem Kern aus Fiberglas, der Rissen und Korrosion nach wiederholtem Falten widerstehen soll: ein von der Marke angegebenes Fertigungsmerkmal, das jedoch nicht unabhängig überprüft wurde.
Im Vergleich zum eigenen Vorgänger, dem BigBlue 28W
Das P35 folgt im Sortiment der Marke direkt auf das BigBlue 28W, mit höherer Nennleistung und einem deutlichen Sprung bei der Wasserdichtigkeit. Die folgende Tabelle listet die wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden Generationen.
| Kriterium | BigBlue 28W | BigBlue P35 |
|---|---|---|
| Angegebene Leistung | 28 W | 35 W |
| Zelleffizienz | ≈24 % (SunPower) | 25,4 % |
| Schnellladeanschluss | Keiner (2 USB-C + 1 USB-A, zusammen 5V/4,8A) | USB-C PD 25 W mit PPS |
| Wasserdichtigkeit | IP44 (nur Modulfläche) | IP68 (Modulfläche und Zellen) |
| Angegebenes Gewicht | 0,68 kg | 0,7 kg |
| Garantie | 2 Jahre | 2 Jahre |
Die auf dieser Seite veröffentlichte Einschätzung zum BigBlue 28W beziffert dessen reale Leistung bei praller Sonne auf 10 bis 14 W, also 37,5 % der Nennleistung im besten der verglichenen Fälle, der schwächste Wert eines Vergleichs von vier Modulen. Das P35 erbt nicht automatisch eine bessere Quote allein durch effizientere Zellen: Dieselbe Physik, die die Leistung im Außeneinsatz mindert (Wärme, Winkel, Bewölkung), betrifft beide Produkte. Eine höhere Zelleffizienz (25,4 % gegenüber ≈24 %) und eine doppelte Parallelschaltung, die dem 28W fehlt, sprechen auf diesem konkreten Feld dennoch für das P35.
Im Vergleich zur direkten Konkurrenz bei 35 bis 40 W
Im Vergleich zu zwei bereits erwähnten direkten Rivalen ähnlicher Leistung sticht das P35 mit der besten Zelleffizienz und der besten Wasserdichtigkeit der drei hervor, bleibt dabei aber eines der leichtesten.
| Kriterium | BigBlue P35 | Jackery SolarSaga 40W Mini | Choetech SC006 |
|---|---|---|---|
| Leistung | 35 W | 40 W | 36 W |
| Zelleffizienz | 25,4 % | ≈23 % | ≈20 % |
| Anschlüsse | 2 USB-C (davon PD 25 W) + USB-A 18 W | USB-A + USB-C | USB-C PD 20 W + USB-A 18 W |
| Wasserdichtigkeit | IP68 | Wetterbeständig (Wert nicht angegeben) | Wasserabweisend (Wert nicht angegeben) |
| Gewicht | 0,7 kg | ≈1,2 kg | ≈1,55 kg |
Das SolarSaga 40W Mini gewinnt knapp bei der reinen Leistung (40 W gegenüber 35 W), ein Vorsprung von 5 W, der ein rund 70 % höheres Gewicht und eine geringere Zelleffizienz in der Praxis nicht aufwiegt. Das Choetech SC006 bietet einen ordentlichen USB-C-PD-20-W-Anschluss, bleibt aber das schwerste der drei und weist die geringste Zelleffizienz des Vergleichs auf, ohne einen bezifferten Wasserdichtigkeitswert. Keiner der beiden Rivalen veröffentlicht eine formelle IP-Zertifizierung vergleichbar mit dem IP68 des P35.
Verarbeitung, Garantie und Ruf der Marke
BigBlue vertreibt seit mehreren Jahren mobile Solarladegeräte, und das 28W bleibt eine etablierte Referenz im eigenen Sortiment, mit einer soliden Bilanz im Katalog dieser Seite: Die für dieses Modell veröffentlichte Einschätzung meldet keinen Produktrückruf, mit lediglich zwei isolierten Ausfällen nach etwa 3 Jahren intensiver Nutzung. Das P35 übernimmt dieselbe zweijährige Herstellergarantie.
Für das P35 wurde bislang kein Rückruf gefunden, ein im Sortiment der Marke noch junges Modell, was die verfügbare Erfahrungsbasis im Vergleich zu einem länger verkauften Produkt wie dem 28W zwangsläufig begrenzt. Der mit einem Fiberglaskern verstärkte Aufhängepunkt (siehe oben) ist die einzige vom Hersteller hervorgehobene Fertigungsverbesserung über Wasserdichtigkeit und Leistung hinaus.
Für wen sich das P35 wirklich eignet
Das P35 richtet sich in erster Linie an Wandern, Bikepacking und leichtes Reisen im Wohnmobil: ein Modul, das ohne nachzudenken in eine Rucksacktasche passt und tagsüber ein Smartphone oder eine Powerbank auflädt. Ohne eingebauten Akku muss es zwingend mit einer Powerbank kombiniert werden, um diese Energie nach Sonnenuntergang tatsächlich zu nutzen, wie jedes mobile Solarmodul dieses Formats.
Wer vor allem ein iPhone am schnellsten Anschluss laden möchte, muss differenzieren: Genau dieser Anschluss (USB-C PD 25 W) ist nicht Apple-kompatibel, es bleiben nur der USB-A-Anschluss oder der zweite USB-C-Anschluss, beide langsamer. Wer vor allem auf reine Leistung statt Gewicht setzt, sollte weiterhin das Jackery SolarSaga 40W Mini in Betracht ziehen, auf Kosten eines merklich schwereren Moduls. Und für einen stationären Einsatz im Wohnmobil oder Van, wo die insgesamt verfügbare Leistung mehr zählt als das Gewicht, passt ein Modul mit 100 bis 200 W besser als ein leichtes Begleitmodul wie das P35.
Preis und Verfügbarkeit
In Deutschland liegt das BigBlue P35 zum Zeitpunkt dieser Einschätzung bei rund 79,99€, erhältlich über den auf der Produktseite verlinkten Partnerhändler. Das sind rund 10€ mehr als beim BigBlue 28W (69,99€), für 7 W mehr angegebene Leistung, einen zusätzlichen Schnellladeanschluss und einen deutlichen Sprung bei der Wasserdichtigkeit.
Gegenüber den beiden bereits genannten direkten Rivalen behauptet sich die Positionierung des P35 gut: Ein etwas höherer Preis als die günstigste Option seiner Klasse steht einem klaren Vorsprung bei Zelleffizienz und Wasserdichtigkeit gegenüber.



