Powerbank oder Solarpanel: eine falsch gestellte Frage
Die Frage kommt vor jeder Trekkingtour wieder auf: Powerbank, faltbares Solarpanel oder beides einpacken? Nach zehn Jahren, in denen wir dieses Material im Feld getestet haben, lautet die ehrliche Antwort, dass es keine universell beste Wahl gibt, sondern nur die beste Wahl für Ihre konkrete Tour.
Eine Powerbank speichert eine feste, bekannte Energiemenge: Was sie beim Start enthält, ist alles, was Sie bekommen werden. Ein faltbares Solarpanel hingegen speichert nichts (abgesehen von Ausnahmen): Es wandelt das gerade verfügbare Licht in Strom um, entweder direkt für ein Gerät oder zum Laden einer Powerbank. Das eine ist ein Vorrat, das andere eine Quelle. Diese beiden Rollen zu verwechseln, ist der erste Planungsfehler.
Drei konkrete Kriterien helfen bei der Entscheidung: die Dauer der Tour, der tatsächliche Zugang zur Sonne auf Ihrer Route und das Gewicht, das Sie zusätzlich tragen möchten. Die folgenden Abschnitte gehen auf jedes Kriterium ein, mit konkreten Zahlen zu echtem Material.
Erstes Kriterium: wie viele Tage ohne Steckdose?
Eine Powerbank hat eine feste Kapazität, angegeben in mAh oder Wh (unser Leitfaden zur Umrechnung mAh/Wh erklärt die Rechnung). Um mehr Tage abzudecken, gibt es nur zwei Optionen: eine größere Powerbank mitnehmen oder sie während der Tour wieder aufladen.
- Wochenende oder 2 bis 4 Tage: Eine Powerbank allein deckt den Bedarf fast immer. Ein Smartphone verbraucht etwa 16 Wh pro vollständiger Ladung; eine Powerbank mit 10.000 mAh (etwa 38 Wh nutzbar) liefert bereits 2 bis 3 Ladungen, völlig ausreichend ohne eine einzige Stunde Sonne.
- 5 bis 10 Tage: die Grauzone. Eine Powerbank allein wird schwer, wenn Sie wirklich Sicherheitsreserve wollen (GPS, Stirnlampe, Kamera zusätzlich zum Handy), funktioniert aber ohne Panel noch gut bei moderatem Elektronikverbrauch.
- Mehr als eine Woche, autarke Tour ohne elektrische Versorgung: Hier verändert ein Solarpanel die Rechnung, da es erlaubt, Tag für Tag Energie nachzuladen, statt von Anfang an Milliamperestunden in den Rucksack zu stapeln.
Zweites Kriterium: wie sieht Ihre Tour in puncto Sonne wirklich aus?
Ein faltbares Solarpanel produziert nur das, was der Himmel ihm gibt, und die reale Leistung im Feld liegt deutlich unter der auf der Verpackung angegebenen Nominalleistung. Bei voller Sonne und korrekter Ausrichtung sind etwa 50 bis 65 % der angegebenen Leistung als nutzbare Ausgangsleistung realistisch; bei bedecktem Himmel oder falscher Ausrichtung sinkt die Leistung weiter, teils um ein weiteres Drittel bis die Hälfte. Das Photovoltaic Geographical Information System (PVGIS) der Europäischen Kommission, das die real verfügbare Sonneneinstrahlung je nach Ort und Jahreszeit modelliert, bestätigt diese große Lücke zwischen theoretischer Sonneneinstrahlung und nutzbarer Leistung im Feld.
Stellen Sie sich vor der Entscheidung diese Fragen zu Ihrer Route:
- Offenes Gelände (Grate, Almen, Wüste, Küste) oder dichter Wald? Ein am Rucksack befestigtes Panel produziert unter geschlossenem Blätterdach fast nichts.
- Welche Jahreszeit und welche geografische Breite? Eine Sommertour im Mittelmeerraum oder im Hochgebirge erhält deutlich mehr Einstrahlung als eine Herbsttour in nördlichen oder gemäßigten Regionen.
- Wie viele Wanderstunden bei Tageslicht außerhalb des Zelts? Ein am Rucksack befestigtes Panel produziert während des Gehens, anders als das Laden nur im Lager, das oft auf wenige Stunden am Ende des Tages begrenzt ist.
Ohne zumindest einen Teil dieser Bedingungen wird ein Solarpanel zu totem Gewicht. In diesem Fall das Gewichtsbudget besser in eine Powerbank mit größerer Kapazität investieren.
Drittes Kriterium: wie viel Gewicht sind Sie bereit zu tragen?
Bei mehrtägigem Trekking wird häufig die Regel genannt, das gesamte beladene Gepäck, Wasser und Verpflegung inklusive, unter etwa 20 % des eigenen Körpergewichts zu halten (Fédération française de la randonnée pédestre, der französische Wanderverband). Innerhalb dieses bereits engen Budgets sollte der Posten Energie marginal bleiben, als Richtwert gelten 300 bis 500 g für die gesamte Ladeausrüstung bei einer einwöchigen Tour.
Zwei reale, ultraleichte Beispiele zur Einordnung:
- Eine Powerbank mit 10.000 mAh in Carbonfaser wiegt nur etwa 150 g (zum Beispiel die Nitecore NB10000), bei rund 38 Wh nutzbar, genug für 2 bis 3 Smartphone Ladungen.
- Ein faltbares 12 W Panel mit flexiblen CIGS Zellen wiegt etwa 240 g (zum Beispiel das Sunslice Fusion Flex), zusammenklappbar auf A4 Format, was selbst für Ultraleicht Ausrüstung vertretbar bleibt.
Zum Vergleich, eine Verdopplung der Kapazität einer klassischen Powerbank (von 10.000 auf 20.000 mAh) fügt grob 150 bis 180 g zusätzlich hinzu. Ein leichtes 240 g Panel hingegen kann potenziell die Energie mehrerer Ladungen an jedem sonnigen Tag liefern, ohne im Laufe der Tour jemals schwerer zu werden.
Die konkrete Rechnung: erzeugte Energie gegen verbrauchte Energie
Nehmen wir zwei reale Beispiele zur Veranschaulichung, mit einem realistischen mittleren Wirkungsgrad von 55 % bei voller Sonne (im oben genannten Rahmen).
| Ausrüstung | Angegebene Leistung / Kapazität | Gewicht | Reale Leistung oder Reserve |
|---|---|---|---|
| Faltbares 12 W Panel (Sunslice Fusion Flex) | 12 W nominal | 240 g | ~6,5 W nutzbar bei voller Sonne, also ~30 bis 35 Wh an einem sonnigen Wandertag (5 bis 6 h Produktion) |
| Faltbares 21 W Panel (Allpowers SP001) | 21 W nominal | 610 g | ~11,5 W nutzbar bei voller Sonne, also ~55 bis 65 Wh am selben Tag |
| Powerbank 10.000 mAh (Nitecore NB10000) | ~38 Wh nutzbar | 150 g | Feste Reserve, unabhängig vom Wetter |
| Powerbank 20.000 mAh 65 W (INIU) | ~74 Wh nutzbar | 324 g | Feste Reserve, lädt auch ein leichtes Notebook schnell |
Mit diesen Zahlen deckt ein 240 g Panel, das an einem sonnigen Tag 30 bis 35 Wh produziert, allein und unbegrenzt den Bedarf eines Smartphones (~16 Wh pro Ladung) plus eine Uhr oder Kopfhörer. Für dieselbe Autonomie über zehn Tage ohne einen einzigen Sonnenstrahl bräuchte man etwa 160 Wh Powerbank Kapazität, also über 600 g Akku allein. Dieser Umschlagpunkt, etwa eine volle Woche Trekking mit ordentlichem Sonnenzugang, ist es, der die Entscheidung zum Solarpanel statt zur riesigen Powerbank kippen lässt.
Drei Tourprofile, drei unterschiedliche Antworten
Wochenende oder kurze Tour (1 bis 4 Tage), unsicheres Wetter
Eine Powerbank allein, leicht und zuverlässig. Eine 10.000 mAh Einheit (~150 g) deckt ein Smartphone und wenige kleine Geräte ab, ohne von einer einzigen Stunde Sonnenschein abhängig zu sein. Maximale Einfachheit, nichts auszurichten, nichts am Rucksack zu befestigen.
Ein bis zwei Wochen Tour, offenes Gelände und ordentliche Sonne (Grate, Hochgebirge im Hochsommer, Wüste, Küste)
Die Kombination aus einem leichten faltbaren Panel (12 bis 21 W), während des Gehens am Rucksack befestigt, plus einer kleinen Puffer Powerbank (10.000 mAh) zum Speichern des Überschusses und Laden über Nacht. Das ist das effizienteste Verhältnis von Gewicht zu Autonomie auf lange Sicht.
Tour durch dichten Wald, nordisches Klima, Herbst oder Winter
Hier verliert ein Solarpanel fast seinen gesamten Nutzen: lieber auf eine Powerbank mit größerer Kapazität setzen (20.000 mAh) und den Elektronikverbrauch senken (Flugmodus, reduzierte Bildschirmhelligkeit), statt ein Panel zu schleppen, das kaum etwas produzieren wird.
Die Gewinnerkombination: warum beide oft zusammen funktionieren
Sobald eine Tour länger als eine Woche dauert und einen ordentlichen Sonnenzugang bietet, lautet die eigentliche Frage nicht mehr 'Powerbank oder Panel', sondern 'Panel und Powerbank, in welchem Verhältnis'. Das Panel produziert unregelmäßig, je nach Wetter und Wanderstunden bei Tageslicht; die Powerbank gleicht diese Schwankungen aus, indem sie den Überschuss vom Mittag speichert und ihn abends am Lagerplatz wieder abgibt, wenn das Handy als Taschenlampe oder GPS dient.
Um die Akkurechnung Gerät für Gerät zu vertiefen, erklärt unser Leitfaden zu mAh und Wh, wie viele Ladungen jede Powerbank Größe je nach Gerät liefert (Smartphone, GPS, Kamera, Drohne).
Die schnelle Entscheidungstabelle
| Ihre Tour | Empfohlene Lösung |
|---|---|
| 1 bis 4 Tage, egal welches Wetter | Powerbank allein, leicht (10.000 mAh) |
| 5 bis 10 Tage, ordentliche Sonne | Powerbank allein mit größerer Kapazität (20.000 mAh), Panel optional |
| Mehr als eine Woche, offenes Gelände und gute Sonne | Leichtes faltbares Panel (12 bis 21 W) + kleine Puffer Powerbank |
| Dichter Wald, bedecktes Klima, Herbst/Winter | Powerbank allein, maximale Kapazität innerhalb Ihres Gewichtsbudgets |
Was Sie sich merken sollten
- Eine Powerbank speichert eine feste, zuverlässige Energiemenge; ein Solarpanel produziert eine variable Menge, abhängig von der realen Sonneneinstrahlung auf Ihrer Route.
- Für 1 bis 4 Tage reicht eine leichte Powerbank (10.000 mAh, ~150 g) fast immer, ohne Abhängigkeit vom Himmel.
- Ab einer Woche, mit echtem Sonnenzugang, wird ein leichtes faltbares Panel (12 bis 21 W) mit kleiner Powerbank leichter als eine riesige Powerbank.
- Im dichten Wald oder bei bedecktem Klima das Panel weglassen und alles auf die Powerbank Kapazität setzen.
- Halten Sie Ihr gesamtes Gewichtsbudget ein (etwa 20 % des Körpergewichts für den gesamten Rucksack): Der Posten Energie sollte marginal bleiben, 300 bis 500 g reichen völlig aus.



