Ein Ladegerät, das auf Zylinderzellen verzichtet, um sich ganz auf AA/AAA zu konzentrieren
Der Xtar-Katalog umfasst bereits mehrere Ladegeräte mit vier Steckplätzen, die sowohl eine AA-Zelle als auch einen zylindrischen 18650- oder 21700-Akku aufnehmen können. Der L4 Pro geht den umgekehrten Weg: Er konzentriert sich vollständig auf die Formate AA und AAA, sowohl bei NiMH mit 1,2 V als auch bei reguliertem Li-Ion mit 1,5 V, einer Chemie, die in Kameras, Fernbedienungen und Bluetooth-Zubehör zunehmend verbreitet ist. Diese Fokussierung ist keine reine Marketingentscheidung: Sie erlaubt ein einfacheres Gehäuse, einen kompakteren Kontaktmechanismus und einen Preis deutlich unter dem der vielseitigeren Ladegeräte der Marke.
Der L4 Pro folgt auf den einfachen L4, der sich mit reinen LED-Anzeigen statt eines LCD-Displays begnügte: Der Wechsel zum Display ist die wichtigste Neuerung dieser Pro-Version, noch vor den weiter unten beschriebenen Regenerationsfunktionen.
Zwei Chemien, vier Steckplätze, eine Erkennung, die nie das falsche Profil wählt
Jeder Steckplatz arbeitet unabhängig von den drei anderen: Man kann gleichzeitig zwei teilentladene NiMH-Akkus, eine frische Li-Ion-Zelle mit 1,5 V einlegen und den vierten Steckplatz leer lassen, ohne dass einer die Ladung des anderen beeinflusst. Das Ladegerät erkennt selbstständig die Chemie jedes eingelegten Akkus und wechselt zum passenden Ladeprofil, ohne dass ein Eingriff oder eine Einstellung nötig wäre.
Diese wirkliche Unabhängigkeit ist auf diesem Segment keine Selbstverständlichkeit: Der GP ReCyko AR02 zum Beispiel lädt seine Akkus paarweise oder als Vierergruppe ohne individuelle Unterscheidung, was dazu zwingt, Akkus mit ähnlichem Ladezustand zu kombinieren, um ein gleichmäßiges Ergebnis zu erhalten. Der L4 Pro kennt diese Einschränkung nicht, ein echtes Argument gegenüber einem Einsteigergerät, auch wenn beide denselben AA/AAA-Rahmen teilen.
Ein fester Strom von 500 mA, aber eine Präzision, die hält, was sie verspricht
Der L4 Pro liefert einen konstanten Strom von 500 mA pro Steckplatz, egal ob nur einer oder alle vier belegt sind: Anders als der Xtar X4 (bis zu 2 A bei zwei Akkus) oder der VC4SL (regelbar von 0,25 bis 3 A) beschleunigt hier nichts, wenn nur ein einziger Akku geladen wird, und es wird keine manuelle Einstellung angeboten. Der Preis dieser Einfachheit ist eine langsamere, dafür aber gleichmäßige und vorhersehbare Ladung.
Bei NiMH-Akkus mit 2450 mAh liegt die wiederhergestellte Kapazität im Schnitt bei 2424 mAh, ein Wert, der praktisch identisch mit dem eines als Referenz genutzten Analyse-Ladegeräts ausfällt: Der L4 Pro schmälert die reale Kapazität der Akkus also nicht, obwohl kein Zahlenwert zur eigenen Kontrolle angezeigt wird. Die Ladeabschaltung erfolgt bei einer Spannung von 1,45 V ± 0,1 V für NiMH, mit einem Abschaltstrom von maximal 100 mA: Schwellenwerte, die den üblichen Branchenpraktiken entsprechen.
| Chemie und Kapazität | Angegebene Dauer |
|---|---|
| Li-Ion 1,5 V Xtar, 4150 mWh | 2 Std. 54 Min. |
| NiMH 1,2 V Xtar, 2500 mAh | 6 Stunden |
Diese Werte gelten für hochkapazitive Xtar-Akkus, die gleichzeitig auf allen vier Steckplätzen geladen werden. In der Praxis kann ein älterer NiMH-Akku eine volle Ladung in etwas über 3 Std. 30 erreichen, ein Satz frischer Xtar-Akkus mit 2600 mAh in etwas über fünf Stunden: Der Unterschied liegt am Zustand und an der realen Kapazität jedes einzelnen Akkus, der Ladestrom bleibt dabei stets bei 500 mA fixiert.
Eine Ladung, die kühl bleibt, der unauffälligste Vorteil des L4 Pro
Die markeneigene CVSA-Technologie (Constant Voltage and Stable Algorithm) von Xtar teilt die Ladung in drei Phasen auf, statt von Anfang bis Ende einen konstanten Strom vorzugeben, mit dem erklärten Ziel, die Erwärmung der NiMH-Zellen zu begrenzen. Bei einer vollen Ladung mit 500 mA übersteigt die Akkutemperatur 29 °C bis 31 °C bei einem Raum mit 24 °C nicht, kaum 5 bis 7 °C über der Raumtemperatur.
Das ist deutlich weniger, als viele Schnellladegeräte ihren Zellen zumuten, und es ist ein Punkt, der für die Langlebigkeit eines regelmäßig zyklierten Vorrats an NiMH-Akkus wirklich zählt: Eine Zelle, die sich kaum erwärmt, altert besser als eine, die sich bei jeder Ladung stark erwärmt, auch wenn sich der Vorteil nicht sofort zeigt.
Entladen, Refresh und Reaktivierung bei 0 V: die eigentliche Spezialität des L4 Pro
Über die einfache Ladung hinaus bietet der L4 Pro einen Entlade-Modus für die schnelle Wartung und einen Refresh-Modus, der mehrere Entlade-Lade-Zyklen aneinanderreiht, um den Memory-Effekt bei NiMH-Akkus abzumildern. Bei einem Satz von vier rund zehn Jahre alten NiMH-Akkus steigt die wiederhergestellte Kapazität im Schnitt von 1847 auf 1910 mAh nach einem vollständigen Refresh-Zyklus, ein Gewinn von etwa 3,4 %, real, aber bescheiden: Refresh verschafft noch funktionstüchtigen Akkus etwas neue Kraft, es macht aus einem müden Akku aber keinen neuen.
Der vollständige Zyklus braucht Zeit: rund 36 Stunden insgesamt für einen NiMH-Akku, wobei allein die Entladephase bereits knapp 6 Stunden bei etwa 333 mA in Anspruch nimmt. Refresh startet man also am Vorabend eines Tages, an dem der Akku nicht gebraucht wird, nicht kurz vor dem Weggehen.
Ein wichtiger Vorbehalt: Beide Funktionen gelten nur für NiMH-Akkus. Regulierte Li-Ion-Zellen mit 1,5 V erhalten nur eine Standardladung, ohne Entladen oder Refresh. Die Mikrostrom-Aktivierungstechnologie wiederum gilt für NiMH-Akkus, die auf 0 V gefallen sind und die die meisten handelsüblichen Ladegeräte als tot erkennen und schlicht nicht laden.
Ein Display, das informiert, ohne je eine Zahl zu nennen
Das hintergrundbeleuchtete LCD-Display des L4 Pro zeigt für jeden Steckplatz den aktuellen Modus (Charge, Discharge, Refresh), die erkannte Chemie (Ni-MH oder Li-Ion 1,5 V), ein Akkusymbol, dessen Füllstand mit dem Ladefortschritt steigt, und schließlich einen Done-Status am Ende des Zyklus oder einen Err-Code bei einem Problem. Ein einziger Knopf genügt, um zwischen den vier Steckplätzen zu wechseln: Das ist besser ablesbar als eine einfache zweifarbige Kontrollleuchte und reicht aus, um den Zustand von vier Akkus auf einen Blick zu erfassen.
Was das Display dagegen nie tut, ist irgendetwas zu beziffern: weder Spannung noch Strom noch Kapazität in mAh, anders als beim Xtar VC4SL oder beim Nitecore UMS4, die alle drei Werte je Steckplatz anzeigen, beim VC4SL sogar den Innenwiderstand. Der L4 Pro läuft vollständig automatisch, ohne jede manuelle Strom- oder Moduseinstellung: Das vereinfacht die Bedienung, lässt einen wissbegierigen Nutzer aber ohne genaue Verlaufsdaten zurück.
Vollständige Schutzfunktionen und 2 Jahre Garantie, bei einem noch jungen Produkt
Der L4 Pro vereint alle Schutzfunktionen, die man von einem unbeaufsichtigt betriebenen Ladegerät erwartet: Überladung, Überstrom, Überspannung, Kurzschluss, Verpolungsschutz und einen sanften Start des Ladestroms. Dieser letzte Schutz begrenzt zusammen mit der bereits erwähnten Wärmeregelung das Risiko eines Strom- oder Wärmespitze im Moment des Einlegens eines Akkus. Das Gerät ist CE-, RoHS- und FCC-zertifiziert.
Das Gehäuse misst 102 x 80 x 27,5 mm bei 87 g ohne Kabel, ein etwas großzügigeres Format als die kompaktesten AA/AAA-Ladegeräte von Xtar, ohne dabei sperrig zu wirken. Der Hersteller gibt eine Garantie von 2 Jahren an, eine Dauer, die mehrere Ladegeräte desselben Katalogs, allen voran der VC4SL, gar nicht erst nennen, und die damit die beste Garantiedauer des Segments erreicht.
Der einzige wirkliche Vorbehalt: Der L4 Pro ist ein junges Produkt, ohne mehrjährige Erfahrungswerte zur Langzeitzuverlässigkeit. Zum jetzigen Zeitpunkt zeigt sich kein strukturelles Problem, doch das Alter des Modells erlaubt es noch nicht, sein Verhalten über wenige Monate Nutzung hinaus zu beurteilen.
USB-C überall, Steckdose nirgends
Der L4 Pro wird ausschließlich über USB-C mit 5 V/2 A versorgt, über ein mitgeliefertes 74 cm langes Kabel. Anders als sein Format vermuten lässt, wird er nie direkt an eine Steckdose angeschlossen: Er muss mit einem USB-Netzteil, einem Computer, einer Powerbank oder sogar einem bereits vorhandenen Handy-Ladegerät verbunden werden.
Das ist ein echter Flexibilitätsgewinn für alle, die unterwegs sind oder keine freie Steckdose in der Nähe des Schreibtischs haben, aber auch eine häufige Quelle der Enttäuschung: Der Karton enthält kein Netzteil, nur das Kabel. Wer noch kein passendes USB-Ladegerät besitzt, muss sich vor der ersten Nutzung eines besorgen, ein zusätzlicher Aufwand und Kosten, die der angegebene Preis des L4 Pro nicht vermuten lässt.
Im Vergleich zu den Xtar-Geschwistern, zu Nitecore und zu AA/AAA-Spezialisten
Bei sieben Akkuladegeräten im Katalog lohnt sich der Vergleich nicht nur innerhalb der Marke. Die folgende Tabelle stellt den L4 Pro einer vielseitigen Alternative (Nitecore UMS4), einer minimalistischen Alternative (GP ReCyko AR02) und einer hochwertigen, aber ebenfalls auf AA/AAA beschränkten Alternative (Panasonic BQ-CC65) gegenüber.
| Kriterium | Xtar L4 Pro | Nitecore UMS4 | GP ReCyko AR02 | Panasonic BQ-CC65 |
|---|---|---|---|---|
| Unterstützte Formate | Nur AA/AAA | 10440 bis 26650, plus AA/AAA | Nur AA/AAA | Nur AA/AAA |
| Unterstützte Chemien | NiMH/NiCd + reguliertes Li-Ion 1,5 V | Li-Ion, IMR, LiFePO4, NiMH/NiCd | Nur NiMH | Nur NiMH |
| Unabhängige Steckplätze | Ja, 4 | Ja, 4 | Nein, paarweise oder alle 4 | Ja, 1 bis 4 |
| Display | LCD ohne Zahlenwert | Vollständiges LCD (V, A, mAh, Zustand) | Keines, einfache Anzeige | LCD 3 Zoll (V, mAh, Wh) |
| Regeneration | Entladen, Refresh (NiMH), Reaktivierung 0 V | Kapazitätstest, Innenwiderstand, Regeneration | Keine | Refresh (Entladen, dann Laden) |
| Stromversorgung | USB-C 5 V/2 A, Kabel im Lieferumfang | USB-C, Quick Charge für volle Leistung nötig | Direkt an der Steckdose | Direkt an der Steckdose 100-240 V |
| Beobachteter Preis | ≈ 16 € | ≈ 34 € | ≈ 10 € | ≈ 53 € |
Diese Übersicht fasst die Position des L4 Pro gut zusammen: Er kann weder mit der Vielseitigkeit des Nitecore UMS4 noch mit der Anzeigetiefe des Panasonic BQ-CC65 mithalten, schlägt aber den GP ReCyko AR02 deutlich bei der Unabhängigkeit der Steckplätze und der Bandbreite der unterstützten Chemien, und das für kaum mehr Geld. Gegenüber den eigenen, universelleren Xtar-Geschwistern (VC4, VC4SL, VC8, VP4 Plus, X4) ist die Spezialisierung auf AA/AAA nur für jene ein echter Nachteil, die bereits zylindrische 18650- oder 21700-Akkus besitzen: Bei einer rein auf AA/AAA beschränkten Nutzung bedeutet sie vor allem ein einfacheres Gehäuse und einen niedrigeren Preis, keine schlechter gemachte Ladung.
Für wen sich der L4 Pro eignet
Der L4 Pro richtet sich zuerst an alle, die im Alltag ausschließlich AA- und AAA-Akkus nutzen, ob klassisches NiMH oder reguliertes Li-Ion mit 1,5 V für anspruchsvolle Kameras oder Zubehör, und die ein einfaches, automatisches Ladegerät wollen, das dank Refresh die Lebensdauer eines Akkuvorrats verlängert, statt ihn bei der ersten Kapazitätsschwäche wegzuwerfen.
Weniger geeignet ist er für alle, die auch zylindrische 18650- oder 21700-Akkus für eine Taschenlampe oder eine E-Zigarette besitzen: Ein zweites Ladegerät wird ohnehin nötig, dann lohnt sich der direkte Blick auf einen Xtar VC4SL oder einen Nitecore UMS4, die beide Bedürfnisse gleichzeitig abdecken. Ebenfalls weniger geeignet ist er für alle, die den Zustand ihrer Akkus im Zeitverlauf genau verfolgen wollen: Ohne jeden Zahlenwert auf dem Display ist eine solche Kontrolle mit diesem Modell schlicht nicht möglich, anders als beim Panasonic BQ-CC65 oder beim VC4SL. Zwischen diesen beiden Profilen nimmt der L4 Pro einen stimmigen Platz ein: ein ernst zu nehmendes AA/AAA-Ladegerät, günstiger als ein Display-Spezialist, leistungsfähiger als ein Einsteigermodell.



