90 W je USB-C-Anschluss: eine reale Zahl, unter zwei Bedingungen
Das Xiaomi 90W HyperCharge hält die Zahl, die ihm seinen Namen gibt: Jeder der beiden USB-C-Anschlüsse kann bei alleiniger Nutzung bis zu 90 W liefern, auf einer Spannungsstufe von 20 V bei 4,5 A. Das ist ein echtes technisches Maximum, keine aufgerundete Zahl, doch zwei Bedingungen müssen erfüllt sein, um es zu erreichen.
Die erste betrifft das Kabel: Diese 90-W-Stufe basiert auf dem PPS-Protokoll (Programmable Power Supply), das eine variable Spannung zwischen 3,6 V und 20 V aushandelt. Ohne ein zertifiziertes 6-A-Kabel, oder mit einem Gerät ohne PPS-Unterstützung, fällt die Ausgabe auf die feste Spannungsstufe des klassischen PD zurück, begrenzt auf 20 V und 3,25 A, also 65 W. Das USB-C-Kabel liegt nicht bei: Für die volle auf einem einzelnen Anschluss angegebene Leistung ist das offizielle 6-A-Kabel von Xiaomi oder ein gleichwertiges zertifiziertes Kabel eines Drittanbieters nötig.
Die zweite Bedingung hängt vom angeschlossenen Gerät ab. Ein Xiaomi Pad 6S Pro erreicht eine vollständige Ladung in 57 Minuten, mit einem Spitzenwert nahe 80 W, ein angesichts der Akkukapazität mit der angegebenen Stufe stimmiger Wert. Ein Samsung Galaxy S22 Ultra, ein Gerät eines anderen Herstellers, lädt in 56 Minuten von 5 auf 100 % bei einem Maximum von etwa 38 W: ein Ergebnis, das vor allem die eigene Ladegrenze dieses Telefons widerspiegelt und nicht eine Grenze des Ladegeräts, und das zugleich eine echte Kompatibilität über das Xiaomi-Ökosystem hinaus bestätigt.
Ein Punkt zum Beobachten: das Verhalten bei fixer Dauerlast
Ein technischer Vorbehalt verdient Erwähnung, bevor man die 90-W-Zahl als unter allen Umständen gesichert betrachtet. Unter einer fixen Last nahe dem Nennmaximum, dauerhaft gehalten, kann die Ausgabe am USB-C-Anschluss nach wenigen Minuten abbrechen, statt sich auf einem reduzierten Niveau zu stabilisieren. Das ist ein abrupteres Verhalten als die schrittweise Absenkung, die mehrere konkurrierende GaN-Ladegeräte ähnlicher Leistung nach etwa 30 Minuten zeigen, statt hart abzuschalten.
Diese Nuance taucht auf keinem offiziellen Datenblatt des Produkts auf, das nur die Spitzenzahl zeigt. Sie gehört auf die Liste der Punkte, die vor der Erwartung eines durchgehend gehaltenen 90-W-Werts zu kennen sind.
67 W, dann 15 W: eine feste Verteilungstabelle statt einer Aushandlung
Sobald ein zweites oder drittes Gerät an die Steckdose kommt, folgt die verfügbare Leistung einer vom Hersteller festgelegten Tabelle statt einer in Echtzeit nach dem tatsächlichen Bedarf jedes Geräts berechneten Verteilung.
| Konfiguration | Verteilung | Gesamt |
|---|---|---|
| 1 Anschluss (USB-C allein) | 90 W | 90 W |
| 2 Anschlüsse (USB-C + USB-C, oder USB-C + USB-A) | 67 W + 18 W | 85 W |
| 3 Anschlüsse (alle aktiv) | 67 W + 15 W geteilt | 82 W |
Die Gesamtsumme bleibt gut: 82 von 90 W bei drei angeschlossenen Geräten, also 91 % des theoretischen Maximums erhalten. Der störendere Punkt liegt in der Verteilung selbst: Bei allen drei aktiven Anschlüssen teilen sich die beiden sekundären Geräte nur 15 W, ein knappes Budget etwa für ein Smartphone und eine Smartwatch, die gleichzeitig mit dem Laptop am Hauptanschluss angeschlossen sind. Zum Vergleich geben andere Mehrport-Ladegeräte ähnlicher Leistung 24 bis 40 W für ihre sekundären Anschlüsse frei, sobald der Hauptanschluss ausgelastet ist.
Der USB-C-Hauptanschluss wird also klar bevorzugt, eine Logik, die für alle passt, die vor allem einen Laptop mit absoluter Priorität laden, weniger geeignet für alle, die die Ladung wirklich gleichmäßig auf drei Geräte verteilen möchten.
Herstellereigenes Protokoll, PD/PPS und Quick Charge: breite Kompatibilität
Das Ladegerät vereint drei Familien von Schnellladeprotokollen: das herstellereigene Xiaomi-Protokoll (vorbehalten für HyperCharge-kompatible Smartphones von Xiaomi, Redmi und POCO, die dann spezifische Ladestufen aushandeln können), USB Power Delivery mit PPS für variable Spannung, sowie Quick Charge, älter, aber noch auf einem Teil der Android-Geräte vertreten. Diese Kombination deckt einen großen Teil der aktuellen USB-C-Geräte ab, über das eigene Ökosystem des Herstellers hinaus.
Die Ladung eines Samsung Galaxy S22 Ultra mit einer zur eigenen Obergrenze dieses Telefons stimmigen Leistung bestätigt diese markenübergreifende Kompatibilität: Das Ladegerät handelt PPS korrekt mit einem Gerät aus, das keine Verbindung zu Xiaomi hat. Das herstellereigene Protokoll bringt dagegen nur bei Xiaomi-Geräten einen Zusatznutzen, die es explizit erkennen: Bei allen anderen Geräten bleiben PD, PPS und QC die einzigen verfügbaren Hebel, was für diese Produktkategorie dem Standard entspricht.
132 Gramm: das kompakteste Format seiner Leistungsklasse
Mit 132 g bei 74,8 x 55,5 x 30 mm ist das Xiaomi 90W HyperCharge das leichteste der hier verglichenen GaN-Mehrport-Ladegeräte vergleichbarer Leistung. Die GaN-Technologie (Galliumnitrid) erklärt diese Kompaktheit: Sie gibt weniger Wärme ab als ein klassisches Ladegerät auf Siliziumbasis, was ein kleineres Gehäuse ohne Lüfter oder voluminösen Kühlkörper erlaubt.
| Modell | Xiaomi 90W HyperCharge | Anker 140W GaN | Anker Prime 160W | Belkin BoostCharge 67W |
|---|---|---|---|---|
| Leistung | 90 W | 140 W | 160 W | 67 W |
| Gewicht | 132 g | ≈ 295 g | 220 g | 156 g |
| Technologie | GaN | GaN | GaN | Silizium |
Das Gehäuse arbeitet laut Datenblatt des Herstellers in einem Bereich von -10 °C bis +40 °C, eine breite Spanne, die sowohl winterlichen Einsatz als auch eine der Wärme ausgesetzte Tasche abdeckt. Es akzeptiert zudem jede Netzspannung weltweit (100 bis 240 V), ein Vorteil für internationale Reisen ohne separaten Spannungsadapter.
UL94-V0 und vier Schutzfunktionen: eine solide Standardbasis
Das Gehäuse wird aus flammhemmendem Material der Klasse UL94-V0 angegeben, einer präzisen Brandschutznorm statt eines vagen Marketingarguments: Sie bezeichnet einen selbstverlöschenden Kunststoff, der nach Entfernen der Wärmequelle schnell aufhört zu brennen. Der Hersteller kombiniert dies mit intelligenter Temperaturkontrolle und vier elektrischen Schutzfunktionen: gegen Überspannung, Überhitzung, Überstrom und Kurzschluss, eine standardmäßige, aber vollständige Liste für diese Produktkategorie.
Die interne Schaltung eines verwandten Modells derselben Reihe (des MDY-18-EU, einer Zweiport-Version derselben GaN-Familie von Xiaomi) nutzt einen Navitas-Steuerchip zusammen mit Kondensatoren etablierter Marken (Koshin, CapXon) und eine mit Vergussmasse verstärkte Baugruppe, eine solide Konstruktion für dieses Preissegment. Das garantiert nicht, dass die Dreiport-Einheit exakt dieselbe Platine nutzt, fügt sich aber in ein einheitliches Ingenieursniveau dieser Generation von GaN-Ladegeräten des Herstellers ein, in Europa unter der Herstellerbezeichnung MDY-19-EK vertrieben.
Für dieses Ladegerät oder die GaN-Netzladegeräte der Marke insgesamt liegt bislang kein Sicherheitsrückruf vor. Ein gesonderter Vorbehalt für das allgemeine Vertrauen in den Hersteller ist dennoch erwähnenswert: Ein Powerbank-Modell derselben Marke (33 W, 20.000 mAh, ohne technischen Bezug zu diesem Ladegerät) wurde 2025 wegen Überhitzungsgefahr zurückgerufen. Der Risikomechanismus eines eingebauten Lithium-Akkus hat nichts mit dem eines passiven Netzadapters wie diesem gemeinsam, doch der Vorfall bleibt ein Kontextelement zur Qualitätskontrolle des Herstellers.
Sechs Monate Herstellergarantie, die kürzeste dieses Vergleichs
Der Hersteller gibt für seine Ladegeräte weltweit eine Standardgarantie von 6 Monaten an, deutlich kürzer als die 18 bis 24 Monate mehrerer direkter Konkurrenten bei vergleichbaren Produkten. Von allen hier genannten GaN-Mehrport-Ladegeräten ist dies die kürzeste Herstellerzusage.
Diese Nuance zählt je nach Absatzmarkt unterschiedlich: Außerhalb der Europäischen Union ist ein gleichwertiger automatischer Schutz von 2 Jahren nicht überall gegeben, was die tatsächlich vom Hersteller angegebene Garantiedauer dort entscheidender macht.
Im Vergleich zum Anker 140W GaN, dem Prime 100W und dem Belkin BoostCharge 67W
Das Xiaomi 90W HyperCharge nimmt eine Zwischenposition gegenüber drei bereits auf dieser Seite getesteten Mehrport-Ladegeräten ein.
| Kriterium | Xiaomi 90W HyperCharge | Anker 140W GaN | Anker Prime 100W | Belkin BoostCharge 67W |
|---|---|---|---|---|
| Leistung (ein Anschluss) | 90 W | 140 W | 100 W | 67 W |
| Anschlüsse | 2 USB-C + 1 USB-A | 4 Anschlüsse | 2 USB-C + 1 USB-A | 3 USB-C |
| Sekundärverteilung veröffentlicht | Ja (67 + 15 W bei 3 Anschlüssen) | Ja (65+45+12+12 W bei 4 Anschlüssen) | Nicht veröffentlicht | Ja (25+20+20 W bei 3 Anschlüssen) |
| Protokolle | Herstellereigen, PD/PPS, QC | PD/PPS | PD/PPS | PD 3.1/3.0, PPS, SFC 2.0 |
| Herstellergarantie | 6 Monate | 18 Monate | Nicht angegeben | 24 Monate |
Das Xiaomi hebt sich durch die breiteste Protokollkompatibilität (herstellereigenes Protokoll inklusive) und ein deutlich geringeres Gewicht ab, teilt jedoch mit dem Anker Prime 100W eine weniger großzügige Sekundärverteilung als das Anker 140W GaN oder das Belkin, die beide auf ihren nicht priorisierten Anschlüssen mehr freigeben. Bei der Herstellergarantie übertrifft nur das Belkin den Branchenstandard deutlich; das Xiaomi liegt am entgegengesetzten Ende, unter allen drei direkten Konkurrenten.
Für wen sich dieses Ladegerät eignet, und für wen weniger
Dieses Ladegerät passt besonders für alle, die die Ladung eines einzelnen prioritären Geräts, Laptop oder Smartphone, auf einem leichten, kompakten Block bündeln wollen, der sich überallhin mitnehmen lässt: 132 g bei potenziell 90 W an einem Anschluss bleiben in dieser Leistungsklasse eine seltene Kombination. Die breite Protokollkompatibilität (herstellereigenes Protokoll, PD/PPS, QC) deckt die große Mehrheit aktueller USB-C-Smartphones und -Laptops ab, über das Xiaomi-Ökosystem hinaus.
Weniger gut eignet es sich für alle, die regelmäßig drei Geräte parallel laden und dabei eine großzügige Verteilung auf alle erwarten: Die 15 W, die sich die beiden sekundären Anschlüsse bei voller Auslastung teilen, bleiben der einschränkendste Punkt dieses Ladegeräts gegenüber Konkurrenten, die auf ihren nicht priorisierten Anschlüssen mehr freigeben. Wer gezielt einen sehr anspruchsvollen Laptop über längere durchgehende Ladezeiten, mehr als eine Stunde bei voller Leistung, betreiben will, sollte zudem den Vorbehalt zur Dauerlast im Hinterkopf behalten, bevor er dieses Gerät zum einzigen Schreibtisch-Ladegerät macht.


