Was die angegebenen 20000mAh wirklich bedeuten
RAVPower gibt für diese Powerbank 20000 mAh an und geht damit weiter als die meisten Marken in dieser Preisklasse, indem die genaue Zellspannung im eigenen Datenblatt genannt wird: 3,65 V. Daraus ergibt sich eine gespeicherte Energie von 73 Wh (20000 mAh x 3,65 V). Viele Wettbewerber nennen nur die mAh, eine Einheit, die allein nichts darüber aussagt, wie viel Energie eine Batterie tatsächlich enthält: zwei Powerbanks mit „20000 mAh" können je nach Zellspannung unterschiedlich viel Energie speichern.
Diese 73 Wh entsprechen der in der Zelle gespeicherten Energie, nicht der Energie, die tatsächlich bei einem angeschlossenen Gerät ankommt. Dazwischen liegt die Umwandlungselektronik, die die Zellspannung je nach Anschluss und Gerät in 5 V, 9 V, 12 V oder 20 V umwandelt und dabei bei jedem Schritt einen Teil der Energie als Wärme verliert. Für diese genaue Referenz gibt es keine unabhängige Messung dieses Verlusts: einen Wert für die tatsächlich nutzbare Energie zu veröffentlichen würde bedeuten, ihn zu erfinden, was dieser Beitrag nicht tut. Nachprüfbar ist dagegen, dass 73 Wh bequem unter der Grenze von 100 Wh liegen, die die meisten Fluggesellschaften für im Kabinengepäck mitgeführte Batterien ansetzen. Diese Grenze erklärt auch, warum sich die meisten heute verkauften Powerbanks, unabhängig von der Marke, um 20000 mAh gruppieren: darüber hinaus überschreitet die tatsächlich gespeicherte Energie unter Berücksichtigung der realen Zellspannung leichter die 100-Wh-Marke, was Flugreisen erschweren würde.
70 W in der Theorie, deutlich weniger sobald mehrere Anschlüsse arbeiten
Der auf der Verpackung hervorgehobene Wert von 70 W steht nur an einem einzeln genutzten USB-C-Anschluss zur Verfügung. Sobald ein zweiter Anschluss dazukommt, setzt das Datenblatt des Herstellers selbst deutlich niedrigere Grenzen, bis hinunter zu nur 18 W, wenn beide USB-A-Anschlüsse gleichzeitig arbeiten.
In der Praxis lässt das gleichzeitige Laden eines Laptops an einem USB-C-Anschluss und eines Smartphones am anderen USB-C-Anschluss die für den Laptop verfügbare Leistung deutlich unter die auf der Verpackung gezeigten 70 W sinken: Das Datenblatt des Herstellers begrenzt genau dieses Szenario auf gemeinsam genutzte 65 W. Das ist keine Besonderheit dieser Referenz: Fast jede Powerbank mit mehreren Anschlüssen teilt eine begrenzte Gesamtleistung zwischen ihren aktiven Ausgängen auf, sobald mehrere gleichzeitig genutzt werden. RAVPower hat eher das Verdienst, seine Stufen genau zu veröffentlichen, statt Käufer raten zu lassen. Der eigentliche Kritikpunkt ist also nicht die Leistungsteilung selbst, ein physikalisches Merkmal der gesamten Kategorie, sondern der Abstand zwischen den groß aufgedruckten „70 W" auf der Verpackung und der Realität bei gleichzeitiger Nutzung mehrerer Geräte, eine Nuance, die die Verpackung nie erklärt. Für einen realistischen Einsatz, etwa einen Laptop an einem Anschluss und ein Smartphone am anderen, rechnet man besser mit geteilten zweistelligen Watt-Werten als mit dem isolierten Spitzenwert von 70 W.
Vier Anschlüsse, ein echtes Plus in einer Kategorie, die oft bei drei aufhört
Die Anschlussseite bündelt vier aktive Anschlüsse: zwei USB-C (Type-C1 und Type-C2) und zwei USB-A (USB-A1 und USB-A2), dazu ein LED-Display, das den verbleibenden Ladestand in Prozent sowie ein Ladesymbol anzeigt, und einen einzelnen Knopf zum Einschalten. Ein Kabel von USB-C auf USB-C liegt bei; ein Netzteil nicht.
- Type-C1 und Type-C2: Eingang und Ausgang, jeweils bis zu 70 W einzeln genutzt
- USB-A1 und USB-A2: nur Ausgang, jeweils bis zu 18 W mit Schnellladung
- LED-Display: verbleibender Ladestand in Prozent und ein Aktivitätssymbol
- Einzelner Knopf: schaltet Display und Ausgänge ein
Vier aktive Anschlüsse bleiben in dieser Preisklasse ein echtes Unterscheidungsmerkmal: Mehrere direkte Wettbewerber, darunter die Anker 737 und die INIU 20000mAh 65W, hören bei drei Ausgängen auf (zwei USB-C und ein USB-A). Ein zusätzlicher USB-A-Ausgang ändert für einen Laptop wenig, zählt aber, sobald mehrere kleine Geräte gleichzeitig geladen werden müssen: Smartphone, Kopfhörer, Smartwatch und E-Book-Reader lassen sich so gleichzeitig ohne Adapter oder Verteiler laden, ein häufiger Fall in der Familie oder auf Geschäftsreise.
Die Powerbank selbst laden: das Versprechen von drei Stunden
RAVPower gibt eine vollständige Ladung von 0 auf 100% in rund drei Stunden an, wenn die Powerbank selbst über ein 70-W-USB-C-Power-Delivery-Ladegerät versorgt wird. Dieser Wert wurde für diese genaue Referenz nicht unabhängig bestätigt. Angesichts der angegebenen Kapazität bleibt er aber plausibel: 73 Wh in drei Stunden zu laden entspricht einer durchschnittlichen Leistung von rund 24 W über den gesamten Ladezyklus, deutlich unter dem Eingangs-Spitzenwert von 70 W, was zur üblichen Verlangsamung der letzten Prozente einer Lithium-Ionen-Ladung passt.
Da kein Ladegerät beiliegt, setzt das Erreichen dieser Geschwindigkeit bereits den Besitz eines USB-C-Power-Delivery-Ladegeräts mit mindestens 70 W voraus: Ein gewöhnliches Smartphone-Ladegerät, begrenzt auf 20 oder 30 W, verlängert diese Zeit spürbar.
Ein Format, das für 73 Wh angemessen bleibt
Mit 360 g bei 180 x 50 x 48 mm ergibt sich für diese Powerbank eine Energiedichte von rund 200 Wh pro Kilogramm, Gehäuse und Elektronik eingerechnet, ein solides Verhältnis für eine Li-Ion-Zelle in einem Polycarbonat-Gehäuse. Zum internen Vergleich: Das 30000-mAh-Modell derselben Marke, ein anderes Gerät mit anderem Display und anderer Form, wiegt knapp 540 g. Die hier beschriebene 20000-mAh-Version bleibt in einem deutlich handlicheren Format, näher an einem großen Smartphone-Akku als an einem Ziegelstein.
Das Gehäuse folgt der gewohnten Optik des Herstellers: schwarzes Gehäuse, matte Oberfläche, Logo auf der Oberseite eingeprägt. Knopf und Display sitzen auf derselben Seite wie die Anschlüsse, sodass sich der Ladestand ablesen lässt, ohne die Powerbank in der Hand umzudrehen. Eine Tasche oder Hülle liegt nicht bei.
Unter demselben Namen, drei sehr unterschiedliche Powerbanks
Die Online-Suche nach dieser Powerbank birgt eine häufige Falle: RAVPower hat den Produktnamen „PD Pioneer 20000mAh" für mindestens drei unterschiedliche Konfigurationen verwendet, mit Leistungswerten und Anschlusszahlen, die nichts miteinander zu tun haben.
Diese Verwechslung setzt sich sogar innerhalb einer einzigen Referenz fort: Mehrere regionale Händler geben für ein ansonsten identisch aussehendes RP-PB208-Gehäuse 48 W oder 50 W an, obwohl die auf der offiziellen Website der Marke verkaufte und hier besprochene Version mit 70 W angegeben ist. Es lässt sich nicht bestätigen, ob dieser Unterschied auf eine tatsächliche regionale Hardware-Variante zurückgeht oder schlicht auf einen Fehler im Produktdatenblatt, was bei einer Marke mit seit 2021 zersplittertem Händlernetz naheliegender ist. Im Zweifel gilt in diesem Beitrag der von RAVPower selbst für die Referenz RP-PB208 Pro veröffentlichte Wert: 70 W. Eine vierte Variante namens RP-PB208 Ultra ist zuletzt bei einigen Händlern am Golf aufgetaucht, mit einer angegebenen Spitzenleistung von 100 W bei gleichzeitiger Beibehaltung der Angabe „70 W" für die übliche bidirektionale Ladung: ein weiterer Name in der Reihe, der nicht mit dem hier besprochenen Modell zu verwechseln ist.
2021: die Verbannung, die den Kurs der Marke veränderte
2018 wechselt Sunvalley Group, das Unternehmen hinter RAVPower sowie den Marken TaoTronics, VAVA, HooToo, Anjou und USpicy, den Eigentümer: Der chinesische Industriekonzern Guangdong SACA Precision Manufacturing übernimmt die Kontrolle für umgerechnet rund 1,5 Milliarden Yuan. Drei Jahre später, im Frühjahr und Sommer 2021, erlebt die Marke einen für westliche Käufer weit sichtbareren Wendepunkt: Amazon verbannt die Verkäuferkonten von RAVPower, zusammen mit denen von Aukey, Mpow, VAVA, TaoTronics und Choetech, im Rahmen einer Bereinigung, die am Ende mehr als 600 mit China verbundene Marken und über 3000 Verkäuferkonten trifft. Als Grund wird die Manipulation von Kundenbewertungen genannt, durch finanzielle Anreize und Gutscheine im Austausch für positive Kommentare.
Diese Verbannung bedeutet nicht das Ende des Unternehmens. RAVPower entwickelt auch nach 2021 weiter neue Produkte, darunter die in diesem Beitrag besprochene Referenz, die die Marke selbst Anfang 2024 vorstellt. Was sich dauerhaft ändert, ist der Vertriebsweg: Beraubt ihrer langjährigen Amazon-Präsenz in weiten Teilen der Welt, weicht die Marke auf ihre eigene Website und auf regionale Händler aus, ein Wandel, der sich auf mehreren europäischen Märkten bis heute nicht vollständig vollzogen hat.
Wo sie 2026 wirklich erhältlich ist: die sechs Märkte im Überblick
Die Marke ist nicht überall auf die gleiche Weise verschwunden. Hier die für diese genaue Referenz festgestellte Lage, Markt für Markt.
| Markt | Lage |
|---|---|
| Frankreich | Kein aktives Angebot bei großen allgemeinen Händlern gefunden; die eigene französischsprachige Website der Marke ist heute aufgegeben. |
| Vereinigtes Königreich | Die Marke unterhält einen allgemeinen Markenauftritt für andere Referenzen; diese genaue Powerbank wurde dort nicht gefunden. |
| Deutschland | Ein Markenauftritt besteht auch hier für andere RAVPower-Produkte; diese genaue Referenz erscheint dort nicht. |
| Italien | Kein aktives Angebot bei großen allgemeinen Händlern gefunden. |
| Spanien | Kein aktives Angebot bei großen allgemeinen Händlern gefunden. |
| USA | Die offizielle Website des Herstellers führt die Referenz, zeigt sie aber als ausverkauft an und nennt trotzdem ein Lieferfenster. |
Die einzigen aktiven Verkaufsstellen für diese genaue Referenz finden sich bei regionalen Händlern am Golf und in der Türkei, außerhalb der sechs von dieser Seite abgedeckten Märkte. Eine Bestellung aus einem dieser sechs Märkte bedeutet also einen Import, mit den damit verbundenen Lieferzeiten, möglichen Zollgebühren und Unsicherheiten bei der Garantie.
Garantie und Kundendienst: das eigentliche Risiko
Mehrere Händlerangebote zu dieser Referenz nennen eine Garantie von 18 Monaten. Diese Dauer wird von keiner eigenen Garantieseite für dieses Modell auf der Website des Herstellers bestätigt oder widerlegt, die stattdessen auf eine allgemeine, für das gesamte Sortiment geltende Regelung verweist.
Die Garantieabwicklung der Marke ist seit 2021 unregelmäßig: Manche Ausfälle nach etwa einem Jahr Nutzung werden nicht übernommen, andere ohne Weiteres. Dieser Gegensatz passt zu einer Marke, die ihr Servicenetz nach dem teilweisen Rückzug von großen Plattformen verkleinert, statt es aufzugeben. Nachprüfbar ist dagegen das Fehlen eines lokalen Kundendienstes auf den fünf von dieser Seite abgedeckten europäischen Märkten: Wer auf ein Problem stößt, muss sich auf den direkten Kontakt mit dem Online-Support des Herstellers statt mit einem lokalen Ansprechpartner einstellen. Wer sich trotzdem für diese Referenz entscheidet, sollte den Kaufbeleg aufbewahren und eine Zahlungsmethode mit Käuferschutz bevorzugen, da ein einfacher lokaler Rechtsweg im Streitfall fehlt.
Im Vergleich zur Anker 737 und zur INIU 65W
Für einen vergleichbaren Bedarf, also große Kapazität und genug Leistung für einen Laptop, bieten sich zwei Alternativen an: die Anker 737 Power Bank und die INIU 20000mAh 65W.
| Kriterium | RAVPower PD Pioneer 70W | Anker 737 Power Bank | INIU 20000mAh 65W |
|---|---|---|---|
| Kapazität | 20000 mAh (73 Wh) | 24000 mAh (86,4 Wh) | 20000 mAh |
| Spitzenleistung (1 Anschluss) | 70 W | 140 W | 65 W |
| Anschlüsse | 2x USB-C + 2x USB-A | 2x USB-C + 1x USB-A | 2x USB-C + 1x USB-A |
| Display | LED (Prozent) | OLED (detaillierte Prozentanzeige) | LED (Prozent) |
| Verfügbarkeit 2026 | Sehr eingeschränkt außerhalb der Herstellerseite | Breit bei großen Händlern | Breit bei großen Händlern |
Auf dem Papier hält die RAVPower mit: Sie bietet einen Anschluss mehr als beide Rivalinnen, bei einer Spitzenleistung zwischen den beiden. Die Anker 737 geht bei der Leistung deutlich weiter (140 W gegenüber 70 W) und trägt ein detaillierteres OLED-Display; die INIU setzt auf ein kompakteres Format bei ähnlicher Leistung. Keine der beiden trägt RAVPowers Vorgeschichte einer Plattform-Verbannung oder dessen Vertriebsschwierigkeiten, was beide deutlich einfacher kaufbar und garantiefähig macht. Die Preislage der drei Referenzen liegt auf dem Papier nahe beieinander, doch für einen Käufer auf den von dieser Seite abgedeckten Märkten zählt praktisch nur der Verfügbarkeitsvergleich: Eine günstigere Powerbank, die man nicht kaufen kann, ist faktisch keine Option.
Für wen sie noch infrage kommt, und warum die meisten woanders schauen sollten
Rein nach Datenblatt beurteilt, verdient sich diese Powerbank ihren Platz unter den leistungsfähigen Powerbanks: vier Anschlüsse, 70 W Spitzenleistung, eine mit der echten Zellspannung angegebene Kapazität. Sie kann für einen Käufer infrage kommen, der sie bereits bei einem regionalen Händler vorrätig findet oder ein Exemplar von einem Markt mitbringt, auf dem sie noch vertrieben wird, und der die damit verbundene Unsicherheit bei der Garantie in Kauf nimmt. Diese Rechnung ändert sich vor allem für einen Käufer, der bereits auf einem Markt lebt, auf dem die Marke noch vertrieben wird, oder der bereits eine Beziehung zu einem regionalen Händler hat: In diesem konkreten Fall bleibt die technische Ausstattung ein solides Argument.
Für die große Mehrheit der Käufer auf dem französischen, italienischen, spanischen, britischen und deutschen Markt sollte sich die Frage in dieser Form gar nicht erst stellen: Das Produkt ist über einen normalen Kaufweg mit lokaler Garantie und erreichbarem Kundendienst schlicht nicht zugänglich. Angesichts einer Marke, die wegen Bewertungsmanipulation von einer großen Plattform verbannt wurde, deren Vertrieb auf den meisten europäischen Märkten eingebrochen ist und deren eigene offizielle Website diese genaue Referenz als ausverkauft zeigt, empfiehlt sich aus Vorsicht der Griff zu einer ebenso leistungsfähigen, aber tatsächlich verfügbaren Alternative wie der Anker 737 oder der INIU 20000mAh 65W.


