Die Powerbank-Funktion: 18 W auf dem Papier, weniger in der Praxis
Die Olantern Classic 2 Pro ist mehr als eine Laterne: Ihr Akku mit 40,32 Wh versorgt auch zwei Ausgänge, USB-C und USB-A, die bis zu 18 W liefern sollen, um bei Stromausfall oder auf dem Zeltplatz fernab einer Steckdose ein Handy oder ein kleines Zubehörteil zu laden. Das Prinzip funktioniert tatsächlich, doch die 18-W-Grenze ist nicht bei jedem angeschlossenen Gerät garantiert.
Beide Ports bieten eine adaptive Spannung in drei Stufen, 5 V, 9 V und 12 V, jede mit einem eigenen Maximalstrom. Die vollen 18 W werden nur auf der 12-V-Stufe erreicht. Die meisten aktuellen USB-C-Smartphones handeln ihre Ladung jedoch mit 5, 9, 15 oder 20 V nach dem USB-Power-Delivery-Standard aus, selten mit festen 12 V. In der Praxis pendelt sich ein gewöhnliches Smartphone an der Olantern meist bei 5 V und 1,5 A ein, also rund 7,5 W, weit unter der auf dem Datenblatt genannten Grenze.
| Spannung | Maximalstrom | Leistung |
|---|---|---|
| 5 V | bis 2,4 A | 12 W |
| 9 V | bis 2 A | 18 W |
| 12 V | bis 1,5 A | 18 W |
Das ist kein verstecktes Problem, sondern dieselbe Logik wie bei den meisten Schnelllade-Ports mit festen Stufen, die voraussetzen, dass das angeschlossene Gerät weiß, wie es die richtige Spannung anfordert. Ein kleiner USB-Ventilator, eine Stirnlampe oder ein 12-V-Zubehörteil nutzen das voll aus. Ein Smartphone begnügt sich meist mit einer deutlich langsameren Ladung, als das Datenblatt vermuten lässt.
Das Ergebnis bleibt trotzdem nützlich: Ein Smartphone unter 50 % Ladestand ist am Port der Olantern in rund anderthalb Stunden wieder voll. Das reicht, um bis zum nächsten Morgen ohne mitgeführte Powerbank durchzukommen, ersetzt aber keine schnelle, dedizierte Powerbank für den intensiven Alltagsgebrauch.
300 Lumen angegeben, 20 Minuten gehalten
Der Drehregler der Olantern Classic 2 Pro deckt den gesamten Helligkeitsbereich in einer einzigen, durchgehenden Bewegung ab, ohne Rasterung oder feste Stufen. Vom Minimum aus steigt das orangefarbene Licht von 10 auf 130 Lumen, danach wechselt die Laterne auf ihre Warmweiß-LEDs und steigt weiter bis auf 300 Lumen. Nichts markiert den Wechsel zwischen den beiden Farbtönen physisch, was beim ersten Griff zur Laterne überraschen kann.
Die angegebenen Werte werden gehalten und in den ersten Sekunden nach dem Einschalten sogar leicht überschritten: 134 Lumen auf einer mit 130 angegebenen Orange-Stufe, 142 Lumen auf der ebenfalls mit 130 angegebenen unteren Warmweiß-Stufe, und 318 Lumen auf dem mit 300 angegebenen Warmweiß-Maximum. Die beiden Farbtöne sind klar unterscheidbar: rund 1850 K mit einem Farbwiedergabeindex von etwa 90 für Orange, rund 3000 K mit einem Index von etwa 82 für Warmweiß.
Das Maximum von 300 Lumen ist dagegen keine dauerhaft gehaltene Stufe. Es hält nur 20 Minuten, bevor die Laterne automatisch auf 200 Lumen für 8 Stunden zurückschaltet, danach auf 150 Lumen für 16 Stunden 40 Minuten. Das ist eine bewusste Entscheidung für Wärme- und Energiemanagement, doch das Datenblatt stellt diese drei Stufen als einen einzigen "hohen" Modus dar, ohne das kenntlich zu machen.
Die Reichweite ist nicht das Argument dieser Laterne, die eher auf 360° Rundumlicht als auf Distanz ausgelegt ist: rund 10,5 Meter im Maximum auf der Orange-Stufe und knapp 14 Meter auf Warmweiß im Maximum, Werte, die zu einer Zeltplatz-Laterne passen und nicht zu einem Signal über große Distanz.
Laufzeit: oben unter der Angabe, unten deutlich darüber
Der Abstand zwischen Angabe und Wirklichkeit verläuft je nach Stufe nicht in dieselbe Richtung, und das ist die nützlichste Erkenntnis dieser Einschätzung. Auf den beiden helleren Stufen fällt die Laufzeit bis zu 10 % der Anfangshelligkeit, der Standard-Maßstab der Taschenlampenbranche, deutlich unter die Herstellerangabe. Auf der sparsamsten Stufe ist es umgekehrt: Die Laufzeit geht weit darüber hinaus.
| Stufe | Angegebene Laufzeit | Tatsächliche Laufzeit | Verhältnis |
|---|---|---|---|
| Orange, 130 lm | 23 Std. | 14 Std. 01 | 61 % der Angabe |
| Warmweiß, 300 lm (Stufen zusammen) | 25 Std. | 17 Std. 56 | 72 % der Angabe |
| Orange, 10 lm | 180 Std. | 276 Std. | 153 % der Angabe |
Der Mechanismus ist nachvollziehbar. Die 10-%-Schwelle bezieht sich auf eine hohe Anfangshelligkeit: Bei Warmweiß entspricht das 30 Lumen, ein Niveau, das die Laterne recht schnell unterschreitet, sobald der Akku zur Hälfte entladen ist. Auf der sparsamsten Stufe dagegen sind 10 % von 10 Lumen ein kaum wahrnehmbarer Lichtschein, sodass die Laterne weit über diese theoretische Schwelle hinaus nützlich bleibt und die an dieser Stelle vorsichtige Herstellerangabe deutlich übertroffen wird.
Für den gewöhnlichen Campingeinsatz dreht das den üblichen Rat etwas um: Auf die sparsamste Stufe für mehrere Nächte zu setzen, lohnt sich noch mehr, als das Datenblatt vermuten lässt, während volle 23 Stunden auf der komfortablen 130-Lumen-Stufe zu erwarten optimistisch wäre.
Laden: 4 Stunden per Kabel, mehr als doppelt so lange per Magnethalterung
Eine volle Ladung per USB-C-Kabel dauert rund 4 Stunden mit einem Netzteil, das die benötigten 18 W liefern kann. Das ist ein solides Tempo für 40,32 Wh, passend zur angegebenen Eingangsleistung, und ein Wert, der auf jedem Datenblatt gleich wiederkehrt.
Eine Magnetladehalterung liegt zusätzlich bei, eine praktische Alternative, wenn der USB-C-Port bereits belegt oder schwer zugänglich ist, sobald die Laterne aufgestellt ist. Der Komfort kostet allerdings Zeit: Eine volle Ladung über die Magnethalterung dauert etwa 10 Stunden, mehr als doppelt so lange wie per Kabel. Olight nennt das selbst in seiner Dokumentation, ohne es in der Werbung in den Vordergrund zu stellen.
Eine LED-Anzeige am Sockel zeigt den Ladezustand auf einen Blick: rot während des Ladens, grün ab 95 %. Ein Kabeldetail sollte man vor dem Kauf kennen: Ein USB-A-auf-USB-C-Kabel erreicht nicht dieselbe Ladegeschwindigkeit wie ein echtes USB-C-auf-USB-C-Kabel, der Unterschied liegt an der Leistungsaushandlung, die nur Letzteres richtig durchführen kann.
Die Anleitung nennt zudem eine Lagergrenze, die man einhalten sollte: Eine Temperatur über 60 °C, etwa im Auto im Hochsommer, wird für den eingebauten Akku nicht empfohlen. Eine einfache, aber nützliche Vorsichtsmaßnahme für eine Laterne, die im Kofferraum oder in der Campingtasche mitreisen soll.
Nicht mit der Smart-Version verwechseln
Drei Laternen tragen bei Olight inzwischen einen sehr ähnlichen Namen, und wer sie verwechselt, kauft die falsche. Diese Einschätzung bezieht sich auf die ursprüngliche Olantern Classic 2 Pro (EAN 6972378126177), die ausschließlich über ihren Drehregler gesteuert wird, ohne Bluetooth oder App. Zwei weitere Versionen existieren und teilen nicht dieselben Eigenschaften.
| Version | Classic 2 Pro (diese Einschätzung) | Classic 2 Lite | Classic 2 Pro Smart |
|---|---|---|---|
| Stromquelle | Eingebauter Akku, 11.200 mAh | 4 AA-Batterien | Eingebauter Akku |
| Powerbank-Funktion | Ja, 18 W | Nein | Ja |
| Steuerung | Nur Drehregler | Nur Drehregler | Drehregler und Olight-App |
| Angegebene Mindestlaufzeit | 180 Std. | 105 Std. | 180 Std. |
Die nach der hier vorgestellten Version erschienene Smart-Variante fügt eine Bluetooth-Steuerung über die Olight-App hinzu: Akkustand in Echtzeit, Timer, ein Schlafmodus, der die Laterne nach 3 Stunden ohne Bedienung ausschaltet, wenn er aktiviert ist, und Fernumschaltung der Farbtemperatur. Sie wird zu einem Preis angeboten, der sehr nah an der ursprünglichen Version liegt, was sie zu einer naheliegenden Alternative für alle macht, denen diese Fernsteuerung wichtig ist.
Ein Marktsignal deutet in dieselbe Richtung: Mindestens ein Fachhändler stuft die ursprüngliche Version in Grau bereits als ausgelaufen ein, was auf einen schrittweisen Wechsel zur Smart-Linie hindeutet. Vor dem Kauf lohnt sich ein Blick auf den vollständigen Produktnamen, auf der Verpackung wie in der Händlerbeschreibung: kein "Smart" im Namen, wenn die reine Drehreglerversion gewünscht ist, oder gerade dieser Zusatz, wenn die App-Steuerung ein Kriterium ist.
Verarbeitung: viel Metall, ein Akku, den man nie wechseln wird
Die Verarbeitung ist der Punkt, in dem sich alle Angaben einig sind: ein Stahlrahmen, eine 2 mm starke Polycarbonat-Kuppel, Torx-Schrauben statt Kunststoffclips, und ein kupferfarbenes Gehäuse, das an keiner Naht knarzt oder nachgibt. Unter der Kuppel vereint der orangefarbene Teil drei senkrechte Röhren und vier einzelne Lichtpunkte, während der Warmweiß-Teil 16 LEDs aufreiht, zwei tatsächlich getrennte optische Baugruppen statt eines einzigen gefilterten LED-Feldes.
Der eingebaute Akku verbindet vier parallel geschaltete 18650-Zellen zu insgesamt 11.200 mAh bei 3,6 V. Dieses Zellenformat gehört zu den am stärksten standardisierten am Markt und wird in zahlreichen Taschenlampen, auch bei Olight selbst, als austauschbares Bauteil verwendet. Hier ist es fest verlötet und verklebt: Ein Austausch ist nicht möglich, und die gesamte Lebensdauer der Laterne folgt der ihres Akkus, ohne Ausweg, sobald dessen Ladezyklen aufgebraucht sind.
Ein Sicherheitsrückruf betrifft die Olantern Classic 2 Pro bislang nicht; der einzige Rückruf der Marke betrifft zwei völlig andere Taschenlampen, die Warrior Mini und die M2R Pro, die 2022 wegen der Gefahr eines versehentlichen Einschaltens in der Tasche zurückgerufen wurden, ein anderes Produkt ohne Bezug zu der hier besprochenen Laterne.
Gewicht und Größe: der Preis eines echten Metallgehäuses
Auf der Waage liegt die Olantern Classic 2 Pro je nach Exemplar zwischen 748 und 757 Gramm, bei einem Sockeldurchmesser von 124 mm und einer Höhe von 186 mm. Bezogen auf die 40,32 Wh des Akkus ergibt das eine Energiedichte von rund 53 Wh pro Kilogramm, ein schwacher Wert für eine eigenständige Energiereserve: Eine dedizierte Powerbank ähnlicher Größe, wie die Anker A1695, kommt auf über 150 Wh pro Kilogramm.
Der Vergleich führt jedoch in die Irre, wenn man ihn wörtlich nimmt. Fast das gesamte Gewicht dient der eigentlichen Aufgabe des Geräts: ein vollständiger Metallrahmen, eine durch einen Bügel geschützte Kuppel, ein oberer Griff und ein Aufhängering, gedacht, um die Laterne am Zeltvordach oder an einem Ast einzuhängen. Das ist keine Powerbank, die nebenbei eine Lampe bekommen hat, sondern umgekehrt.
Wer vor allem eine leichte, einsteckbare Energiereserve sucht, für den bleibt dieses Gewicht ein echter Nachteil. Wer eine robuste Laterne sucht, die diesen Dienst nebenbei leistet, für den ist es voll gerechtfertigt.
Im Vergleich zu anderen Multifunktionsgeräten derselben Kategorie
Gegenüber einer klassischen Laterne mit AA-Batterien, wie der Classic 2 Lite derselben Reihe, kostet die Olantern Classic 2 Pro beim Kauf deutlich mehr, spart aber das Batteriebudget und bringt die Powerbank-Funktion mit. Gegenüber einer dedizierten Powerbank vergleichbarer Kapazität dagegen verliert sie bei fast allen Kriterien, die eine gute Powerbank ausmachen: weniger Wattstunden pro Euro, kein Statusdisplay, ein deutlich höheres Gewicht für die am Ausgang tatsächlich verfügbare Energie.
| Gerät | Olantern Classic 2 Pro | Nitecore LR70 | Nitecore NWL30 |
|---|---|---|---|
| Vereinte Funktionen | Laterne + Powerbank | Taschenlampe + Laterne + Powerbank | Baustellenleuchte + Powerbank + Mückenschutz |
| Akkukapazität | 11.200 mAh | 10.000 mAh | 18.000 mAh |
| Schwerpunkt | Retro-Stil, Metallverarbeitung | Vielseitigkeit, hohe Lichtleistung | Vielseitigkeit, Baustelleneinsatz |
Die beiden Nitecore-Geräte setzen auf rohe Vielseitigkeit und eine deutlich höhere Lichtleistung in einem eher zweckmäßigen Gehäuse. Die Olantern kehrt diese Priorität um: weniger Spitzen-Lumen, dafür ein warmes, regelbares Licht für Atmosphäre, in einem Gehäuse, das eher auf einen Tisch gehört als in eine Werkzeugtasche.
Gegenüber zweckmäßigeren Lampenlaternen mit schlichterer Verarbeitung fällt das Lumen-Preis-Verhältnis der Olantern zurück: Mehrere konkurrierende Modelle ohne Retro-Optik liefern mehr Lumen pro ausgegebenem Euro und setzen auf vom Nutzer austauschbare Batterien oder Akkus. Dieser Abstand ist real, vergleicht aber zwei unterschiedliche Kauflogiken: Die eine sucht das günstigste Licht, die andere ein fertiges Objekt auf dem Tisch, das ebenso gut leuchtet wie es dekoriert.
Die eigentliche Position der Olantern Classic 2 Pro ist somit weder die einer möglichst günstigen Notfalllaterne noch die einer leistungsstarken Powerbank: Es ist ein robustes Ambiente-Objekt, das nebenbei ein Handy retten kann, und genau an dieser Kombination sollte man es messen.
Für wen sie sich eignet, für wen nicht
Die Olantern Classic 2 Pro eignet sich zuerst für alle, die eine echte Ambiente-Laterne wollen, die auf ihrer sparsamsten Stufe mehrere Campingnächte durchhält, und die es zu schätzen wissen, nebenbei auch ein Handy retten zu können, ohne ein zusätzliches Zubehörteil einzupacken. Sie eignet sich ebenso für den Notfalleinsatz zu Hause, in einer Schublade für Stromausfälle, oder als Nachttischlampe dank ihrer sehr feinen Regelung nach unten.
Sie eignet sich auch für alle, die einen Drehregler einer App vorziehen: kein Koppeln, keine Updates, kein Konto anzulegen, nur eine physische Handbewegung, um das Licht einzustellen. Das ist eine bewusste Entscheidung, die man später nicht bereuen sollte, wenn man von der Smart-Version erfährt.
Weniger geeignet ist sie für alle, die vor allem eine leistungsstarke Powerbank für die tägliche Handyladung suchen: Das Verhältnis von Wattstunden zu Euro und zu Gramm ist schlechter als bei einer dedizierten Powerbank, und die 18-W-Grenze gilt nur unter bestimmten Bedingungen. Weniger geeignet ist sie auch für alle, die eine Fernsteuerung per App brauchen, besser bedient durch die Smart-Version, für alle, die möglichst viele Lumen pro Euro suchen, besser bedient durch eine zweckmäßigere Lampenlaterne mit austauschbaren Batterien, und für alle, die den Akku in einigen Jahren lieber selbst wechseln möchten, was der verklebte und verlötete Aufbau der Olantern niemals erlauben wird.



