40 W real: 30 W für den Haupttreiber, 10 W für den Hochtöner, nicht zwei Hochtöner
Das vereinfachte Datenblatt, das auf vielen Produktseiten weiterhin kursiert, beschreibt die Charge 5 als mit zwei Hochtönern ausgestattet, mit einer Leistungsaufteilung von 30 W plus 2 x 5 W. Die offizielle Herstellerdokumentation nennt eine andere Konfiguration: einen einzelnen länglichen Haupttreiber (52 x 90 mm) für Mitten und Bässe, einen einzelnen Hochtöner mit 20 mm Durchmesser für die Höhen, und zwei seitliche Passivmembranen, die den Bass verstärken, ohne eigene elektrische Leistung zu verbrauchen. Die tatsächliche Leistungsaufteilung beträgt 30 W für den Haupttreiber und 10 W für den Hochtöner, zusammen 40 W.
Die beiden Passivmembranen erklären einen Teil des weichen Bassklangs bei moderater Lautstärke: Es handelt sich um nicht motorisierte Membranen, die auf den vom Haupttreiber erzeugten Luftdruck reagieren, eine bei kompakten Lautsprechern übliche Technik, um den Bass zu erweitern, ohne einen zusätzlichen Verstärker einzubauen. Ihr mechanischer Hub bleibt jedoch begrenzt, was beim weiter unten beschriebenen Verhalten bei sehr hoher Lautstärke eine Rolle spielt.
92,3 dB in 1 Meter Entfernung, ein hoher Schalldruck für die Größe
Der Schalldruck in 1 Meter Entfernung erreicht bei Rosa Rauschen und neutraler Entzerrung 92,3 dB. Das liegt über einem direkten Konkurrenten ähnlicher Größe (rund 91,3 dB) und über der kompakteren Variante derselben Marke (rund 89,3 dB). Bei maximaler Lautstärke steigt der Pegel auf etwa 93 bis 94 dB, doch die Verzerrung wird ab rund 60 % der verfügbaren Lautstärke deutlich hörbar: Unterhalb dieser Schwelle bleibt das Signal sauber.
Ein zusammengesetztes Bewertungssystem, das mehrere Hörkriterien (Klangfarbe, Dynamik, Räumlichkeit, Lautstärke, Artefakte) gewichtet statt nur den reinen Pegel, weist der Charge 5 einen deutlich niedrigeren Leistungs-Teilwert zu als einem deutlich größeren Konkurrenten (rund 3 kg gegenüber 960 g). Dieses Ergebnis, das den weiter oben genannten 92 bis 94 dB scheinbar widerspricht, erklärt sich durch die unterschiedliche Natur der beiden Ansätze: Der eine liest einen reinen Schalldruckpegel in festem Abstand ab, der andere setzt sich aus einem gewichteten Wert über mehrere Hörkriterien zusammen, die sich nicht auf die maximale Lautstärke beschränken. Beide Ergebnisse sind real, messen aber nicht dasselbe.
Eine Abstimmung ohne Bassanhebung bei niedriger Lautstärke, eine bewusste Entscheidung
Bei niedriger Lautstärke (unter rund 25 % des verfügbaren Bereichs) treten die Bässe der Charge 5 zurück, ohne die automatische Loudness-Anhebung, die manche konkurrierenden Lautsprecher einsetzen, um die geringere Empfindlichkeit des Ohrs für tiefe Frequenzen bei niedrigem Pegel auszugleichen. Das ist kein Fertigungsmangel, sondern eine bewusste Abstimmung: Eine stabile, wenig verzerrte Kurve wird einer Loudness-Korrektur vorgezogen, die den Bass bei niedriger Lautstärke künstlich hätte aufblähen können, auf Kosten von mehr Verzerrung.
Umgekehrt nehmen oberhalb von rund 60 % der Lautstärke die Verzerrung zu, und die Bässe hören auf, mit dem Pegel weiter anzusteigen. Der plausibelste Mechanismus dafür ist der begrenzte mechanische Hub der beiden Passivmembranen: Ab einer bestimmten Schwelle können sie dem elektrischen Signal nicht mehr verzerrungsfrei folgen, unabhängig davon, wie viel elektrische Leistung noch zur Verfügung steht. Diese physikalische Grenze ist den meisten kompakten Lautsprechern mit Passivmembranen gemeinsam und kein Merkmal, das nur für dieses Modell gilt.
20 Stunden angegeben, eher 12 bis 19 Stunden bei anhaltender Lautstärke
JBL gibt bis zu 20 Stunden Laufzeit an. Bei fester, anhaltender Lautstärke (durchgehend 75 dB SPL) sinkt die Laufzeit auf rund 17 Stunden und 12 Minuten. Bei anderen mittleren bis hohen Lautstärken (zwischen einem Drittel und der Hälfte des verfügbaren Bereichs) liegt sie eher zwischen 12 und 19 Stunden, je nach Audioinhalt. Ein vereinzelter Wert liegt bei über 24 Stunden: Er liegt deutlich über den übrigen verfügbaren Zahlen und gilt nicht als repräsentativ.
| Lautstärkebedingung | Laufzeit |
|---|---|
| 75 dB SPL fest (anhaltende Lautstärke) | ≈17 h 12 |
| Etwa ein Drittel bis die Hälfte der Lautstärke | 14 bis 16 h |
| Hohe Lautstärke | >15 h |
| Vom Hersteller angegeben | Bis zu 20 h |
Die Differenz zwischen der Angabe und der Laufzeit bei anhaltender Lautstärke, in der Größenordnung von 15 bis 40 %, liegt im Rahmen des Üblichen: Die Laufzeit jedes Bluetooth-Lautsprechers hängt stark von der Hörlautstärke ab, und der beworbene Wert entspricht fast immer dem günstigsten Szenario.
Eine saubere, aber eher langsame Ladezeit, rund 4 Stunden für 27 Wh
Die offizielle Herstellerdokumentation gibt eine vollständige Ladezeit von rund 4 Stunden an, bei einer auf 15 W (5 V / 3 A) begrenzten Eingangsleistung über den USB-C-Anschluss. Eine vollständige Ladung von 0 auf 100 % dauert in der Praxis rund 3 Stunden und 30 Minuten. Für nur 27 Wh Akkukapazität ist das eher langsam im Vergleich zu aktuellen externen Akkus, die oft 20 W oder mehr akzeptieren: Die Charge 5 unterstützt kein anerkanntes Schnellladeprotokoll, weder Power Delivery noch Quick Charge über ihre eigenen 15 W hinaus.
Die Powerbank-Funktion: eher ein Notbehelf als eine echte Energiereserve
Der USB-A-Anschluss für die Aufladung externer Geräte liefert maximal 10 W (5 V / 2 A). Von den 27 Wh des Akkus lässt sich bei einem üblichen USB-Wirkungsgrad von rund 80 bis 85 % tatsächlich eine Energiemenge von etwa 22 bis 23 Wh übertragen. Ein aktuelles Smartphone hat je nach Modell meist zwischen 11 und 20 Wh: Die Charge 5 erlaubt es also, es einmal vollständig aufzuladen, je nach Gerät manchmal etwas mehr, aber nicht mehrfach hintereinander, wie es der Begriff Powerbank vermuten lassen könnte. Diese Zahl beruht auf einer Berechnung anhand der bekannten Akkudaten und eines typischen Wirkungsgrads, nicht auf einer tatsächlichen Zählung der durchgeführten Ladevorgänge.
PartyBoost: ein herstellereigenes Ökosystem am Ende seiner Generation
Mit der PartyBoost-Funktion lassen sich mehrere kompatible JBL-Lautsprecher koppeln, als Stereopaar (maximal zwei Lautsprecher) oder im Party-Modus (mehrere Lautsprecher auf demselben Mono-Signal). Sie bleibt herstellerspezifisch: Eine Kompatibilität mit generischen Bluetooth-Lautsprechern ist nicht vorgesehen, und die ältere Connect+-Generation wird von PartyBoost nicht erkannt. Der Hersteller widmet den bei PartyBoost oder Connect+ auftretenden Aussetzern und Klangverzerrungen eine eigene Support-Seite, ein Hinweis darauf, dass das Thema häufig genug auftritt, um ein offizielles Verfahren zu rechtfertigen. Die Charge 5 unterstützt nur den Bluetooth-Codec SBC, ohne aptX: In einem stark ausgelasteten Funkumfeld (mehrere gleichzeitige Bluetooth-Verbindungen, Störungen im 2,4 GHz-Band) ist das ein plausibler technischer Faktor für Aussetzer.
Neuere JBL-Modelle, darunter die Nachfolgerin Charge 6, wechseln zu Auracast, einem offenen Bluetooth-Standard, der PartyBoost nach und nach ablöst. Die Charge 5 gehört damit zur letzten JBL-Generation, die auf diesem herstellereigenen Ökosystem aufbaut.
Ein USB-C-Anschluss ohne Abdeckung, aber kein verbreiteter Fertigungsmangel
Der USB-C-Ladeanschluss liegt offen, ohne Klappe oder Schutzabdeckung, anders als der USB-A-Anschluss, der eine besitzt. Die IP67-Zertifizierung (Untertauchen bis 1 Meter für 30 Minuten, vollständiger Schutz gegen Staub) beschreibt das neue, geschlossene Gerät, nicht sein Verhalten nach einem Stoß oder Sturz: Das ist ein Ausgangszustand, keine Garantie über die Zeit nach einem Aufprall.
Bislang betrifft weder eine verbreitete Ausfallursache noch ein Rückruf die Charge 5. Das allmähliche Aufblähen eines Lithium-Ionen-Akkus bleibt, wie bei jedem Gerät dieser Art, eine mögliche Alterungserscheinung auf lange Sicht, ohne dass Zahlen vorliegen, um deren Häufigkeit bei diesem konkreten Modell einzuschätzen.
Im Vergleich zur JBL Flip 6, der kleinen Schwester der Reihe
Innerhalb der JBL-Reihe selbst trifft die Charge 5 direkt auf die Flip 6, ein kompakteres Format derselben Familie.
| Kriterium | Charge 5 | Flip 6 |
|---|---|---|
| Gewicht | 960 g | 544 g |
| Angegebene Leistung | 40 W | 30 W |
| Angegebene Laufzeit | 20 h | 12 h |
| Laufzeit bei 75 dB SPL fest | ≈17 h 12 | ≈9 h 25 |
| Ladezeit | 4 h | 2 h 30 |
| Powerbank-Funktion | Ja, USB-A 10 W | Nein |
Bei deutlich höherem Gewicht und größeren Abmessungen bietet die Charge 5 eine höhere Leistung und eine höhere Laufzeit sowie eine Powerbank-Funktion, die der Flip 6 fehlt. Die Flip 6 bleibt die passendere Wahl für den täglichen Transport, wenn jedes Gramm zählt.
Im Vergleich zur Xtreme 3 und zur Konkurrenz: ein klar umrissener Platz
Innerhalb der JBL-Reihe selbst besitzt die größere und schwerere Xtreme 3 einen Akku mit anderer Spannung (7,26 V gegenüber 3,6 V bei der Charge 5): Ihre Kapazität von 5000 mAh entspricht etwa 36 bis 37 Wh, gegenüber 27 Wh bei der Charge 5. Die reinen mAh-Werte beider Modelle zu vergleichen, ergibt ohne Berücksichtigung dieses Spannungsunterschieds keinen Sinn. Die angegebene Laufzeit der Xtreme 3 (15 h) liegt trotz größerer Wh-Kapazität sogar unter der der Charge 5 (20 h), da die höhere Schallleistung der Xtreme 3 mehr Energie verbraucht.
Im Vergleich zu Konkurrenten anderer Marken bewegt sich die Charge 5 in einer Gewichts- und Leistungsspanne nahe dem Anker Soundcore Motion+ (1050 g, 30 W, 12 h angegeben) und dem Ultimate Ears Megaboom 3 (18 h angegeben, Ladezeit 2 h 45). Der Sony SRS-XG300, in einer ganz anderen Größenklasse (60 W, rund 3 kg), bleibt ein Produkt einer anderen Gewichtsklasse und kein direkter Konkurrent im Format.
Für wen sie geeignet ist, für wen nicht
Sie eignet sich für alle, die einen robusten, lautstarken tragbaren Lautsprecher für draußen suchen (Terrasse, Strand, Camping), ihn mit anderen PartyBoost-kompatiblen JBL-Lautsprechern koppeln möchten und es zu schätzen wissen, gelegentlich ein leeres Smartphone retten zu können.
Sie eignet sich nicht für alle, die vor allem einen echten, vielseitigen externen Akku suchen (der einzelne USB-A-Anschluss mit 10 W bleibt bescheiden im Vergleich zu dedizierten Akkus), noch für alle, die beim täglichen Transport auf Leichtigkeit setzen, wofür ein kompakteres Format wie die Flip 6 besser geeignet ist.
