78 Minuten für eine vollständige Ladung, nicht „etwa 1 Stunde“
Die offizielle Dokumentation des Herstellers enthält selbst einen Widerspruch: Eine Marketing-Überschrift verspricht eine vollständige Ladung „in einer Stunde“, während die detaillierte Spezifikationstabelle 1,3 Stunden angibt, also 78 Minuten. Die detaillierte Angabe ist der Wert, der der gemessenen Realität am nächsten kommt: 78 Minuten, bei zwei Gelegenheiten gestoppt, gegenüber einer einzigen abweichenden Messung von 110 Minuten. Eine plausible Erklärung für die verkürzte Marketingaussage: Eine kombinierte Ladung aus Netzstrom und zwei gleichzeitig angeschlossenen Solarmodulen wurde ebenfalls mit „knapp 1 Stunde“ gestoppt, ein anderes Szenario als die reine Netzladung.
Die Ladung über die Zigarettenanzünderbuchse eines Fahrzeugs dagegen dauert ab leerem Akku etwa 6 Stunden, ein auf zwei Kontinenten übereinstimmender Wert.
200 W Solareingang: doppelt so viel wie beim Vorgängermodell
Die maximal akzeptierte Solarleistung beträgt 200 W über einen DC8020-Anschluss (Spannungsbereich 16 bis 60 V), gegenüber 100 W beim Vorgängermodell. Ein einzelnes Modul mit 100 oder 200 W lässt sich direkt anschließen; für zwei gleichzeitige Module mit 100 W ist ein separat erhältlicher Y-Adapter nötig. Eine Solarladung mit zwei Modulen à 100 W wurde unter guten Bedingungen je nach Messung mit etwa 2,8 bis 3,5 Stunden gestoppt. Wie stets bei der Solareingabe hängt die tatsächlich von einem Modul gelieferte Leistung stark von der realen Sonneneinstrahlung ab und bleibt in der Regel unter der Nennleistung.
1000 W Spitzenleistung angegeben, doch die Schutzschaltung greift vorher ein
Bei einem resistiven Heizgerät mit 800 W stieg die Ausgangsleistung nur auf knapp über 700 W, bevor der Überlastschutz die Stromversorgung unterbrach, nach 41 Sekunden Betrieb im unteren Leistungsbereich. Ein Gerät mit 800 W liegt bereits über der angegebenen Dauerleistung von 500 W: Diese Abschaltung ist also teilweise eine normale Schutzreaktion gegen eine anhaltende Überlast. Dennoch bleibt die tatsächlich beobachtete Abschaltschwelle von etwa 700 W unter den angegebenen 1000 W Spitzenleistung, und keine unabhängige Messung bestätigt, dass dieser Spitzenwert an einem eigens dafür konzipierten Testgerät tatsächlich erreicht wird.
512 Wh angegeben: zwischen 460 und 498 Wh abgegeben, je nach Messung
Es gibt zwei unabhängige Messungen der tatsächlich abgegebenen Kapazität, je eine pro Kontinent, und sie stimmen nicht vollständig überein: 498 Wh der angegebenen 512 Wh (97 %) bei einer in Europa gemessenen Dauerentladung, gegenüber 460 Wh (89,84 %) bei einer vollständigen Entladung mit einem Halogenheizstrahler in Asien. Keine der beiden Messungen konnte durch eine dritte unabhängige Quelle bestätigt werden.
Ein als leise gemessener Betrieb, mit einem qualitativen Vorbehalt
Der Geräuschpegel wurde in der psychoakustischen Einheit Sone gemessen, die die wahrgenommene Störung besser abbildet als ein reiner Dezibelwert: 0,5 Sone bei 100 W Last, 1,7 Sone bei Netzladung und 2,1 Sone bei voller Last von 500 W. Eine ergänzende Messung in Dezibel ergibt weniger als 28 dB bei 200 W, allerdings ohne vergleichbare Messung bei voller Last. Diese gemessenen Werte passen zu einem insgesamt unauffälligen Betrieb.
Ein Vorbehalt bleibt jedoch bestehen: Eine qualitative Rückmeldung beschreibt den Lüfter unter Last als laut, während eine andere ihn als sehr leise beschreibt, ohne dass ein Messwert diesen Widerspruch auflöst. Das Gerät bietet keinen eigenen leisen Modus.
Die USV-Umschaltzeit von 10 ms: ein bislang nicht überprüftes Versprechen
Der Hersteller bewirbt eine USV-Funktion mit einer angegebenen Umschaltzeit von 10 ms, insbesondere für IT-Notfallausrüstung und medizinische Anwendungen wie ein CPAP-Gerät. Die Umschaltung wird als unauffällig wahrgenommen: Ein Router und eine Internet-Box blieben während eines tatsächlichen Stromausfalls online. Keine dieser Beobachtungen beruht jedoch auf einer instrumentierten Messung der Umschaltzeit selbst: Es handelt sich um eine visuelle Feststellung („es ist nicht ausgefallen“), nicht um eine Zeitmessung. Bislang wurde keine unabhängige, zahlenmäßig belegte Messung der tatsächlichen Umschaltzeit gefunden, ebenso wenig wie eine Rückmeldung zu empfindlicherer Ausrüstung als einem haushaltsüblichen Router.
Zwei konkrete Bedienungsmängel, die man vor dem Kauf kennen sollte
Die Anzeige für den Netzausgang bleibt auch dann leuchten, wenn der Überlastschutz die Stromversorgung bereits unterbrochen hat, ohne ein klares Signal dafür, dass angeschlossene Geräte tatsächlich nicht mehr versorgt werden. Dieses Verhalten wurde bei einem Test mit einem Heizgerät beobachtet, das die Schutzschaltung auslöste.
Ein weiterer gemeldeter Fall zeigt das Display bei 0 W Ausgangsleistung, obwohl ein Notebook tatsächlich geladen wurde, was darauf hindeutet, dass das Gerät sehr geringe entnommene Leistungen nicht korrekt erkennt oder anzeigt.
6000 Zyklen bei 70 %: eine durch den Schwellenwert aufgeblähte Zahl, nicht durch die Chemie
Der Hersteller gibt 6000 Zyklen bei 70 % Restkapazität an, ein Wert deutlich über den anderswo in der Branche für hochwertiges LiFePO4 üblicherweise genannten 3000 bis 4000 Zyklen bei 80 %. Der methodische Punkt dabei: Der gewählte Schwellenwert für das Lebensdauerende (70 %) ist großzügiger als der übliche Standard (80 %), was die anzeigbare Zyklenzahl bei gleicher Zellqualität rein rechnerisch erhöht. Die beiden Angaben sind also ohne Normierung auf denselben Schwellenwert nicht direkt vergleichbar. Andere LiFePO4-Modelle desselben Herstellers geben mit demselben Schwellenwert von 70 % ähnliche oder höhere Werte an, was bestätigt, dass es sich um eine markenweite Kommunikationsentscheidung handelt und nicht um eine isolierte Leistung dieses einen Modells.
Da das Produkt erst seit 11 Monaten existiert, konnte kein unabhängiger Alterungstest diese Zahl bestätigen oder widerlegen: Eine Batterie 6000 Zyklen lang zu be- und entladen dauert selbst bei beschleunigtem Zyklustest mehrere Jahre.
Im Vergleich zum Vorgängermodell: echte, gemessene Fortschritte
| Kriterium | Explorer 500 v2 | Explorer 500 (Vorgänger) |
|---|---|---|
| Chemie | LiFePO4 | NMC |
| Gewicht | 5,7 kg | 6,4 kg |
| Vollständige Netzladung | 78 min | 7 bis 8 h |
| Max. Solareingang | 200 W | 100 W |
| USB-C-Anschlüsse | 2, mit Power Delivery | Keine |
Diese Fortschritte sind auf beiden Seiten gemessen (insbesondere Gewicht und Ladegeschwindigkeit), nicht nur vom Hersteller angegeben. Ein Vorbehalt für den weiteren Verlauf dieses Vergleichs: Fast alle online gefundenen Vergleiche mit der direkten Konkurrenz verwechseln in Wirklichkeit dieses Vorgängermodell mit der aktuellen Version, was jeden unkritisch übernommenen Vergleich verfälscht. Zudem wurde bislang keine verlässliche und methodisch saubere Messung gefunden, die die Explorer 500 v2 nach demselben Protokoll mit direkten Konkurrenten vergleicht.
Für wen sie geeignet ist, für wen nicht
Geeignet ist sie für alle, die eine leichte und schnell ladende Station für Camping oder leichte mobile Nutzung suchen, mit Geräten, die unterhalb der Dauerleistung von 500 W bleiben.
Nicht geeignet ist sie für alle, die regelmäßig die Spitzenleistung von 1000 W mit leistungsstarken resistiven Geräten beanspruchen wollen, sowie für alle, die einen kritischen medizinischen Notfalleinsatz auf Basis der USV-Funktion planen, deren tatsächliche Umschaltzeit bislang durch keine unabhängige Messung bestätigt ist.
