6500+ Zyklen oder 4000+: Der Hersteller widerspricht sich selbst
Fossibot gibt je nach aufgerufener Seite zwei unterschiedliche Werte an. Die Produktseite des F3600 Pro nennt sowohl in der Spezifikationstabelle als auch im Beschreibungstext 6500 Zyklen oder mehr. Ein offizieller Blogartikel, der den F2400 mit dem F3600 Pro vergleicht, nennt dagegen 4000 Zyklen oder mehr, in einer allgemeinen Formulierung zu den LiFePO4-Akkus der Marke, die für dieses konkrete Modell nicht spezifisch zu sein scheint. Die offizielle FAQ des F3600 Pro wiederum nennt keine Zyklenzahl.
Auch der mit diesem Wert verknüpfte Kapazitätserhalt-Schwellenwert schwankt je nach Seite: 50 % der ursprünglichen Kapazität auf einer offiziellen Seite, 80 % an anderer Stelle. Um 6500 reale Zyklen zu überprüfen, wären mehrere Jahre täglicher Nutzung nötig, ein Erfahrungswert, der für dieses im September 2024 eingeführte Modell noch nicht existiert. Der Wert von 6500 Zyklen wird hier als die Angabe der eigenen Produktseite des F3600 Pro übernommen, die am spezifischsten ist und am häufigsten aufgegriffen wird, bleibt aber eine nicht unabhängig geprüfte Herstellerangabe, mit einem Erhalt-Schwellenwert, den Fossibot selbst nicht einheitlich festlegt.
Leistung und Netzladung: die beiden Werte, die ihr Versprechen halten
Das ist der stabilste Punkt in diesem Dossier: Im realen Betrieb erreicht die Dauerleistung 3640 W, leicht über der Angabe von 3600 W, ohne Unterbrechung oder thermische Drosselung. Ein 2200-W-Winkelschleifer wird ebenfalls problemlos versorgt, bei Teillast.
Die Ladezeit am Netzanschluss mit 2200 W liegt bei 2,1 Stunden, also 2:10 h, und entspricht damit der Herstellerangabe von etwa 2 Stunden. Die kombinierte Ladezeit des F3600 Pro mit dem Erweiterungsmodul FB3840 liegt bei 4,3 Stunden bei derselben Eingangsleistung, ein stimmiger Wert, da sich die Kapazität bei gleicher Eingangsleistung verdoppelt. Ein Dauertest bei kontinuierlicher Last über einen längeren Zeitraum, mit Temperaturaufzeichnung oder möglicher Abschaltung, wurde nicht gefunden.
2000 W Solarleistung angegeben, nie bei Volllast überprüft
Der Solareingang ist mit bis zu 2000 W angegeben, verteilt auf 2 MPPT-Eingänge. Keine unabhängige Quelle hat diese Obergrenze jedoch unter realen Bedingungen überprüft, da zum Testzeitpunkt keine tatsächlich angeschlossenen Solarmodule mit 2000 W zur Verfügung standen. Die tatsächlich verfügbaren Leistungswerte liegen deutlich darunter: eine vollständige Aufladung in unter 9 Stunden mit 400 W Solarmodulen im Sommer und rund 200 W im November bei sehr schwacher Sonneneinstrahlung.
In beiden Fällen wird die erzielte Leistung durch das Wetter oder die Größe der verfügbaren Solarmodul-Anlage begrenzt, nicht durch eine nachgewiesene Grenze des Geräts. Die Obergrenze von 2000 W bleibt damit bis heute eine Herstellerangabe, die zwar nicht widerlegt, aber auch nicht unabhängig bei einer Leistung nahe dem angegebenen Maximum überprüft wurde.
USV-Umschaltung in 10 ms: ein Versprechen, keine unabhängige Messung
Der USV-Modus verspricht eine Umschaltzeit von unter 10 ms, bei einer auf 2500 W begrenzten Last an den dafür vorgesehenen Steckdosen (also nicht die volle Leistung von 3600 W im USV-Modus). Keine unabhängige und instrumentierte Messung dieser Umschaltzeit wurde gefunden. Die ausführlichste Geschichte, die dazu kursiert, eine simulierte 48-Stunden-Stromunterbrechung mit Kühlschrank und angeschlossenen Geräten, stammt aus einem Text, der wortgleich auf zwei verschiedenen Affiliate-Websites wiedergefunden wurde, ohne Angabe der Testdauer oder des verwendeten Messgeräts: Er wird hier als Werbeinhalt eingestuft und nicht als unabhängiger Erfahrungsbericht.
Der Wert von 10 ms, der online weit verbreitet ist, bleibt eine unverändert übernommene Herstellerangabe, die nie von einem Dritten mit Messnachweis überprüft wurde.
Geräuschpegel ungemessen, App anfällig für Verbindungsabbrüche
Keine Dezibel-Messung, bei irgendeinem Abstand, wurde für dieses Modell gefunden. Der wahrgenommene Geräuschpegel schwankt stark je nach Ladeleistung: Bei maximal 2200 W Ladeleistung ist er deutlich hörbar, bereits ab 400 W wird er spürbar. Der Auslöseschwellenwert der Lüfter liegt laut Handbuch zwischen 55 und 65 °C an den Kühlrippen.
Auf der Softwareseite deckt die Steuerungs-App (BrightEMS, WLAN und Bluetooth) die wesentlichen Funktionen ab: Prozentanzeige, Ein/Aus, Ladeplanung. Fossibot hat eine offizielle Mitteilung veröffentlicht, in der Verbindungsprobleme der App eingeräumt werden, ohne dass die genauen betroffenen Modelle und die Lösung im Detail zugänglich sind. Ein unabhängiges Indiz für dieselbe Reibung: Ein Drittentwickler hat ein alternatives, lokales Bluetooth-Steuerungstool für ein ähnliches Modell der Reihe veröffentlicht, motiviert durch als zu häufig empfundene Sitzungsabbrüche in der offiziellen App.
24 Monate oder 5 Jahre: zwei angegebene Garantien, keine geklärt
Zwei offizielle Seiten widersprechen sich in diesem Punkt. Die Produktseite des F3600 Pro gibt ausdrücklich eine Garantie von 5 Jahren (60 Monaten) an. Die allgemeine Garantie-Richtlinie der Website nennt dagegen eine Standarddauer von 24 Monaten für alle Fossibot-Produkte, ohne Unterscheidung nach Produktreihe. Keine der beiden Seiten gibt an, welche im Streitfall Vorrang hat.
Die Garantie deckt zudem nur Käufe über Fossibot-eigene Kanäle oder autorisierte Händler ab, eine Bedingung, die beim Kauf nicht immer klar hervorgehoben wird. Bei einem Gerät dieses Preises bleibt es die einzige Möglichkeit, den Zweifel auszuräumen, sich die geltende Garantiedauer vor der Bestellung schriftlich bestätigen zu lassen.
| Angabe | Produktseite F3600 Pro | Allgemeine Website-Seite |
|---|---|---|
| Garantie | 5 Jahre (60 Monate) | 24 Monate |
| Angegebene Zyklen | 6500+ Zyklen | 4000+ Zyklen (allgemeiner Text) |
42 kg mit Rollen: spürbare Reibung, sobald der Boden uneben wird
Zwei Rollen und ein Teleskopgriff ermöglichen es, das Gerät zu bewegen, ohne es zu tragen, allerdings nur unter guten Bedingungen. Auf hartem, ebenem Untergrund (Garage, Terrasse, Weg) bleibt das Bewegen allein machbar. Auf unebenem Gelände (Gras, Kies, Sand) wird der nötige Kraftaufwand deutlich größer, und die Rollen verschmutzen schnell. Mit montiertem Erweiterungsmodul FB3840, das die Gesamtmasse auf über 79 kg bringt, wird dringend empfohlen, zu zweit zu sein, um das Gerät zu bewegen.
Das ist kein Konstruktionsfehler: Es ist der logische Preis für eine Kapazität dieser Größenordnung, und die Rollen erweisen auf geeigneten Oberflächen gute Dienste. Aber das Versprechen einer leicht transportierbaren Station hält nicht mehr stand, sobald das Gelände schwieriger wird.
Das Erweiterungsmodul FB3840 existiert wirklich und verhält sich wie angekündigt
Das Zusatzmodul FB3840, das für den Ausbau auf 11520 Wh nötig ist, wird tatsächlich bei mehreren Händlern verkauft, zu einem je nach aktuellen Aktionen sehr unterschiedlichen Preis (in der Größenordnung von 1000 bis 1450 € je nach Zeitraum). Es verfügt über einen eigenen, unabhängigen Solareingang mit bis zu 200 W und wiegt allein 37 kg.
Kombiniert mit dem F3600 Pro erreicht die Gesamtkapazität 6530 Wh von angegebenen 7680 Wh, also 85 %, ein Verhältnis, das mit dem der Einzeleinheit übereinstimmt (siehe weiter unten), bei einer kombinierten Ladezeit von 4,3 Stunden mit 2200 W. Die Erweiterung ist also nicht nur ein Werbeversprechen: Sie verhält sich in der Praxis wie angekündigt.
Tatsächlich verfügbare Kapazität: rund 87 % der Angabe
Die tatsächlich verfügbare Kapazität, zu unterscheiden von einem Umwandlungswirkungsgrad, erreicht 3360 Wh von angegebenen 3840 Wh beim F3600 Pro allein, also 87 %, und 6530 Wh von angegebenen 7680 Wh für die Gesamteinheit mit dem Modul FB3840, also 85 %. Diese beiden nahen und zueinander stimmigen Verhältnisse schließen die Annahme eines vereinzelten Fehlers an einem einzelnen Exemplar aus: Der Abstand zwischen Nennkapazität und tatsächlich nutzbarer Kapazität, Sicherheitsmarge des BMS eingeschlossen, findet sich bei beiden Konfigurationen identisch wieder.
Eine Messung des Rundum-Wirkungsgrads (beim Laden verbrauchte Energie im Verhältnis zur beim Entladen abgegebenen Energie) wurde hingegen bei keiner Ausgangsleistung gefunden. Dieser Punkt bleibt ein Bereich ohne unabhängige Daten.
Kein Rückruf bekannt, gemischter Kundendienst, Katalogpreis selten gezahlt
Kein Rückruf und keine Sicherheitswarnung mit Bezug auf Fossibot wurde gefunden, weder für dieses Modell noch für den Rest der Marke. Diese Recherche konnte die europäischen Produktsicherheits-Datenbanken jedoch nicht direkt abfragen, mangels automatisiertem Zugriff: Das festgestellte Fehlen ist keine vollständige Garantie für Vollständigkeit.
Der Kundendienst hinterlässt ein gemischtes Bild, ohne einen klaren Faktor, der vorhersagen ließe, welche Erfahrung welchen Käufer erwartet: Fällen von schnellem Austausch (zwei Wochen) stehen Reparaturfälle von über zwei Monaten gegenüber, mit einem Support, der teils schwer erreichbar ist. Das ist ein reales Risiko, keine bloße Vermutung.
Preislich liegt der ausgewiesene Katalogpreis bei rund 1700 €, in der Praxis aber selten der tatsächlich gezahlte Preis: Nahezu permanente Rabattcodes, die nicht miteinander kombinierbar, aber fast immer verfügbar sind, senken den tatsächlich beobachteten Preis je nach Zeitraum auf 1270 bis 1550 €. Das tatsächliche Preis-Leistungs-Verhältnis des Geräts bemisst sich an diesem effektiven Preis, nicht am ursprünglichen Etikett.
