Was die angegebenen 74 Wh wirklich wert sind
Das Datenblatt der INIU 20.000 mAh 65 W nennt 74 Wh, eine Zahl, die sich aus 20.000 mAh multipliziert mit einer Zellspannung von 3,7 V ergibt. Eine direkte Messung der Zellen liefert einen etwas niedrigeren Wert von rund 72 Wh, die Differenz liegt in der üblichen Spanne zwischen einer gerundeten Umrechnung und der tatsächlichen Elektrochemie. Für den Alltag zählt eine dritte, niedrigere Zahl: die Energie, die tatsächlich aus den USB-Anschlüssen kommt, sobald die Umwandlungselektronik berücksichtigt wird.
Diese tatsächlich verfügbare Energie von rund 62 Wh bleibt unabhängig vom gewählten Ausgangsspannungspegel konstant (5 V, 9 V, 12 V, 15 V oder 20 V): Nur die Stromstärke passt sich an, die insgesamt gelieferte Energie bleibt gleich. Das ist eher ein Zeichen von Seriosität als ein Mangel, denn der gesamte Unterschied zwischen 74 Wh und 62 Wh erklärt sich durch den normalen Wirkungsgrad eines Aufwärtswandlers dieser Baugröße, nicht durch eine geschönte Angabe auf dem Datenblatt. Auf konkrete Anwendungen umgerechnet, reicht diese Reserve für etwa 3 bis 4 vollständige Smartphone-Ladungen, eine nahezu vollständige Ladung eines leichten Laptops oder eine vollständige Ladung einer Steam Deck mit noch etwas Reserve für ein Smartphone.
Das kompakteste Format seiner 65-W-Klasse
Auf der Waage bringt die INIU 20.000 mAh 65 W rund 323 g auf ein Gehäuse von etwa 110 x 71 x 29 mm. Zum Vergleich: Die eigene große Schwester, die INIU 25.000 mAh 100 W, wiegt 475 g bei einem längeren und vor allem deutlich dickeren Gehäuse (149 x 73 x 34 mm): 5.000 mAh mehr Kapazität und 35 W mehr Leistung kosten knapp 150 g und 5 mm zusätzliche Dicke.
Dieses kompakte Format passt in eine Jackentasche oder die vordere Hosentasche, ohne den Stoff zu spannen, ein Format, das weder die 25.000 mAh 100 W derselben Marke noch die leistungsstärkeren Konkurrentinnen dieses Vergleichs bei 20.000 mAh erreichen. Der logische Gegenwert für dieses Format ist eine niedrigere Leistungsobergrenze als bei diesen Konkurrentinnen, die in den folgenden Abschnitten behandelt wird.
Was der Hauptanschluss wirklich leistet
Der USB-C1-Anschluss dient gleichzeitig als Ein- und Ausgang und liefert bis zu 65 W über mehrere Spannungsprofile, bis zu 20 V/3,25 A. Allein an einem Laptop betrieben, hält er sein Versprechen über sein eigentliches Zielsegment hinaus: An einem MacBook Pro 14 Zoll mit M2-Chip, eigentlich für ein deutlich leistungsstärkeres Netzteil ausgelegt, bringt er den Akku von 0 auf 87 %, bevor er stoppt. An einem Ultrabook, das näher an der eigentlichen Zielgruppe liegt, gewinnt ein ASUS Zenbook in 30 Minuten aus dem leeren Zustand 38 % hinzu, und ein Samsung Galaxy S23+ absolviert eine vollständige Ladung in etwas mehr als einer Stunde.
| Anschluss | Spannungsprofile | Max. Leistung |
|---|---|---|
| USB-C1 (Ein-/Ausgang) | 5 V/3 A, 9 V/3 A, 12 V/3 A, 15 V/3 A, 20 V/3,25 A | 65 W |
| USB-C2 (Ausgang) | 5 V/3 A, 9 V/3 A, 12 V/3 A | 36 W |
| USB-A (Ausgang) | 5 V/3 A, 9 V/2 A, 12 V/1,5 A | 18 W |
Dieses Ergebnis an einem anspruchsvolleren Laptop als dem eigentlichen Zielsegment zeigt, dass die 65-W-Grenze weit über reine MacBook-Air-Klasse-Ultrabooks hinaus nützlich bleibt, solange das Gerät ein Standard-USB-Power-Delivery-Profil aushandelt, ergänzt durch PPS und Quick Charge für Smartphones. Die Grenze zeigt sich bei den anspruchsvollsten 14- oder 16-Zoll-Laptops, deren Originalnetzteil 96 W oder sogar 140 W übersteigt: Diese Geräte nehmen die Ladung zwar an, jedoch langsamer als mit ihrem eigenen Netzteil.
Die Leistungsaufteilung zwischen den 3 Anschlüssen
Die drei Anschlüsse addieren sich nicht: USB-C1 (65 W), USB-C2 (36 W) und USB-A (18 W) teilen sich ein gemeinsames Leistungsbudget, statt drei unabhängige Budgets zu bilden. Laden ein Laptop und ein Smartphone gleichzeitig an den beiden USB-C-Anschlüssen, pendelt sich die Aufteilung bei etwa 45 W für den Laptop und 20 W für das Smartphone ein, zusammen rund 65 W: Diese Summe entspricht der Obergrenze des allein genutzten Hauptanschlusses, nicht der Addition der drei auf dem Gehäuse angegebenen Grenzwerte, die auf dem Papier 119 W ergäbe.
| Konfiguration | USB-C1 | USB-C2 | USB-A |
|---|---|---|---|
| Anschluss einzeln genutzt (Obergrenze) | 65 W | 36 W | 18 W |
| Laptop + Smartphone (2 Anschlüsse aktiv) | ≈ 45 W | ≈ 20 W | inaktiv |
Diese Aufteilung ist für ein Gehäuse dieser Größe nichts Ungewöhnliches: Sie spiegelt die Gesamtleistung wider, die die interne Elektronik tatsächlich liefern kann, statt einer unabhängigen Ladung je Anschluss. Bei zwei gleichzeitig genutzten Geräten, Laptop und Smartphone, bleibt die Geschwindigkeit nahe an dem, was jeder Anschluss allein liefern würde. Erst bei drei gleichzeitig angeschlossenen Geräten würde sich das Budget je Anschluss am stärksten verringern, ein Fall, der für ein auf einen leichten Laptop mit Smartphone ausgelegtes 65-W-Format eher die Ausnahme bleibt.
Die Powerbank selbst aufladen: die reale Dauer
Am Eingang akzeptiert der USB-C1-Anschluss bis zu 45 W, genug, um die 20.000 mAh mit einem passenden Ladegerät in etwas über einer Stunde vollständig zu füllen. Diese vollständige Aufladung dauert je nach verwendetem Ladegerät und Ausgangsladezustand zwischen 1:15 und 1:42 Stunden; das Datenblatt nennt vorsichtshalber 2 Stunden, was zu einem schwächeren Ladegerät als 45 W oder einer Messung passt, die die stets langsamere Endphase der Ladung einer Lithiumzelle mit einschließt.
Die vom Hersteller beworbene Pass-Through-Funktion, die die Powerbank auflädt und gleichzeitig ein angeschlossenes Gerät mit Strom versorgt, funktioniert über den USB-C1-Anschluss. Sie ist praktisch, um die Powerbank und einen Laptop nachts über eine einzige Steckdose zu laden, allerdings auf Kosten einer etwas langsameren Aufladung der Powerbank selbst, solange das angeschlossene Gerät parallel Strom zieht.
Der Reibungspunkt: das mitgelieferte Kabel und das fehlende feste Kabel
In der Verpackung liegt ein USB-C-Kabel, doch es fällt kurz aus, eher gedacht, um die Powerbank mit einem nahen Ladegerät zu verbinden, als einen weiter entfernt auf einem Schreibtisch stehenden Laptop zu versorgen. Anders als bei manchen anderen Modellen der Reihe, die ein einziehbares Kabel in eine Trageschlaufe integrieren, besitzt diese Version kein fest am Gehäuse angebrachtes Kabel: Jedes Kabel bleibt ein separates Zubehörteil, das eigenständig mitgeführt oder ersetzt wird.
Eine weitere Besonderheit dieses Modells: Es kann seinen Ausgang bei sehr geringer Stromabnahme automatisch abschalten, ein bei modernen Powerbanks übliches Schutzverhalten, das aber bei kleinem Zubehör (Ohrhörer, Smartwatch) überraschen kann, dessen Stromaufnahme unter der Auslöseschwelle bleibt. Weder kabelloses Laden noch eine magnetische Haltefunktion sind bei diesem Modell vorgesehen, passend zu seiner Ausrichtung auf kabelgebundenes Laden mit hoher Leistung.
Eine verbesserungswürdige Nebenfunktion: die Prozentanzeige
Das LCD-Display zeigt den verbleibenden Ladestand in Schritten von 1 % an, eine für den Alltag unterwegs ausreichende Genauigkeit. Mehr bietet es allerdings nicht: Weder Spannung noch Stromstärke erscheinen während des Ladevorgangs, anders als bei höherpreisigen Modellen der Marke mit einem detaillierteren Display. Auch das Ablesen des Prozentwerts bei Tageslicht erfordert ein Neigen des Gehäuses, da das Display bei direkter Sonneneinstrahlung an Kontrast verliert.
Ein Blitzsymbol leuchtet während des Schnellladens auf dem Display auf, ein einfaches Zeichen, das bestätigt, dass der Anschluss tatsächlich ein beschleunigtes Ladeprofil aushandelt und nicht nur einfache 5 W liefert. Das ist eine nützliche, aber untergeordnete Funktion, die das Fehlen genauerer Angaben zur tatsächlich fließenden Leistung nicht ausgleicht.
Ein besonderer Einsatzbereich: der Begleiter für leichte Laptops
Der Bereich, in dem die INIU 20.000 mAh 65 W ihren eigentlichen Platz findet, ist die Begleitung eines leichten Laptops und eines Smartphones, unterwegs oder im Homeoffice fernab einer Steckdose. Ein MacBook Air, eine Steam Deck oder ein kleines Windows-Ultrabook nutzen die verfügbaren 65 W voll aus, mit einer zusätzlichen Laufzeit von mehreren Stunden Büroarbeit oder mehreren mobilen Spielsitzungen.
Für die anspruchsvollsten 14- oder 16-Zoll-Laptops mit einem Originalnetzteil ab 96 W bietet die Marke selbst zwei eigene Modelle in ihrer Reihe an, eines mit 100 W und eines mit 140 W, schwerer, aber besser auf diesen speziellen Bedarf zugeschnitten. Diese 65-W-Version für den regelmäßigen Einsatz mit einem solchen Gerät zu wählen, würde bedeuten, auf einen Teil der Ladegeschwindigkeit zu verzichten, die das Originalnetzteil sonst bieten würde.
Im Vergleich zur direkten Konkurrenz bei 20.000 mAh
Bei 20.000 mAh gibt es zwei Konkurrenzprofile: solche, die mit 100 W oder mehr auf die anspruchsvollsten Laptops zielen, auf Kosten eines deutlich höheren Gewichts, und solche, die wie diese INIU die Leistung niedriger ansetzen, um kompakt zu bleiben.
| Kriterium | INIU 65 W | Ugreen Nexode 145 W | Baseus Blade 100 W |
|---|---|---|---|
| Kapazität | 20.000 mAh | 20.000 mAh | 20.000 mAh |
| Hauptanschluss | 65 W | 145 W | 100 W |
| Gewicht | 323 g | 450 g | 506 g |
| Garantie | 3 Jahre | 18 Monate | 18 Monate |
In diesem Vergleich liegt die INIU beim Gewicht und bei der Garantiedauer deutlich vorn, gibt aber gegenüber ihren beiden Konkurrentinnen 35 bis 80 W an Spitzenleistung ab. Die Wahl hängt also vom Einsatzzweck ab: Ein Laptop mit einem Bedarf von 96 W oder mehr rechtfertigt das höhere Gewicht der Ugreen oder der Baseus, während ein gemischter Einsatz aus Smartphone und leichtem Laptop das kompaktere Format der INIU voll ausnutzt, ohne je die fehlende Leistung zu benötigen.
Zuverlässigkeit, Garantie und Kundenservice
INIU gewährt für dieses Modell 3 Jahre Garantie, deutlich mehr als die für diese Produktkategorie üblichen 12 bis 18 Monate, und wirbt mit zeitlich unbegrenztem technischem Support. Über die bereits genannten Punkte hinaus (kurzes Kabel, auf einen Prozentwert begrenztes Display) zeigt sich kein wiederkehrender Fabrikationsmangel an diesem Modell, und die verfügbare Kapazität zeigt nach mehreren Wochen täglicher Nutzung keinen nennenswerten Rückgang. Keine unabhängigen Daten dokumentieren dagegen bislang ihr Verhalten über mehrere Monate intensiver Nutzung hinaus.
Für wen sich diese Powerbank eignet, und für wen nicht
Diese INIU eignet sich für alle, die eine einzige Powerbank suchen, die mit einem Smartphone und einem leichten Laptop mithält, im kompaktesten 65-W-Format mit 20.000 mAh dieses Vergleichs. Ihr Gewicht von rund 323 g, die 3 Jahre Garantie und der niedrigere Preis gegenüber leistungsstärkeren Konkurrentinnen machen sie zu einer soliden Standardwahl für regelmäßige Reisen, einen Flug (sie bleibt unter der von den meisten Fluggesellschaften erlaubten 100-Wh-Kabinenschwelle) oder gelegentliches Homeoffice fernab einer Steckdose.
Weniger geeignet ist sie für alle, die bereits einen 14- oder 16-Zoll-Laptop mit einem Bedarf von 96 W oder mehr beim Schnellladen besitzen: Die fehlende Leistung macht sich bei jeder Ladung bemerkbar, und die markeneigenen Modelle mit 100 W oder 140 W erfüllen diesen speziellen Bedarf besser, allerdings mit höherem Gewicht. Das mitgelieferte, kurze Kabel lohnt sich außerdem durch ein längeres Kabel zu ergänzen, um bequem an einem Schreibtisch zu arbeiten.



