90W, drei Anschlüsse und ein Display: das Versprechen des kompakten Formats
Mit zwei unabhängigen USB-C-Anschlüssen mit jeweils bis zu 45W, einem zusätzlichen USB-A-Anschluss und einer eingebauten Spannungsanzeige richtet sich das INIU 90W KFZ-Ladegerät an eine klare Zielgruppe: alle, die mehrere Geräte mit voller Geschwindigkeit laden wollen, ohne mehrere Adapter mitzuführen, in einem Gehäuse, das fast vollständig in der 12V-Buchse verschwindet. Preislich liegt es unter den direkten Vergleichskandidaten ähnlicher Leistung in diesem Vergleich.
Das Gehäuse wird in die Zigarettenanzünder-Buchse des Fahrzeugs gesteckt und verteilt seine Leistung auf zwei USB-C-Anschlüsse, auf der Front mit C1 und C2 markiert (C1 trägt eine Prioritätskennzeichnung), sowie einen USB-A-Anschluss. Der Rest dieser Einschätzung zeigt, was jede dieser Zahlen tatsächlich bedeutet, sobald mehrere Geräte gleichzeitig angeschlossen sind.
45W angegeben, 48W an der Spitze: was ein USB-C-Anschluss wirklich liefert
Jeder USB-C-Anschluss basiert auf einem Power-Delivery-3.0-Controller, der neben den üblichen festen Stufen ein PPS-Profil (Programmable Power Supply) bis zu 11V bietet. In diesem PPS-Profil übertrifft die Kapazität des Anschlusses die angegebene Leistung leicht, mit einer Obergrenze nahe 48 bis 49W, wo das Datenblatt 45W angibt, eine seltene Abweichung in diese Richtung bei dieser Art von Produkt, wo die Angabe meist eher die Realität übertrifft als umgekehrt.
Die wichtige Nuance betrifft das feste PD-Profil ohne PPS: Dieses endet bei 12V/3A, also 36W. Ein Kabel oder Gerät, das PPS nicht aushandelt, oder das eine höhere Spannungsstufe benötigt (15V oder 20V, in der Tabelle dieses Anschlusses nicht vorhanden), bleibt daher auf diese 36W begrenzt statt auf die angegebenen 45W. Ein Hybrid-Tablet mit 65W handelte an diesem Anschluss ein festes 12V-Profil aus, mit einer stabilen Leistung nahe 32W über etwa zwanzig Minuten, was eher zu dieser 36W-Grenze passt als zu den angegebenen 45W.
Diese 45W-Grenze pro Anschluss ist daher keine universelle Garantie: Sie gibt die maximale Leistung an, die der Anschluss einem Gerät liefern kann, das sie korrekt aushandeln kann, nicht das automatische Ergebnis für jedes beliebige Kabel oder Gerät.
2x45W plus 18W: eine nicht immer dokumentierte Leistungsverteilung
Addiert man die Maximalwerte jedes Anschlusses, ergeben sich 108W: 45W für jeden USB-C-Anschluss plus 18W für den USB-A-Anschluss. Das Gehäuse ist dennoch nur mit insgesamt 90W angegeben, eine Differenz von 18W, die auf eine dynamische Leistungsverteilung hindeutet, sobald mehrere Anschlüsse gleichzeitig genutzt werden, ein bei dieser Art von Produkt üblicher Mechanismus, sobald die Summe der Anschlüsse die angegebene Gesamtleistung übersteigt.
Anders als beim Baseus 65W oder beim Anker 75W, die jeweils eine genaue Aufteilung bei zwei aktiven Anschlüssen veröffentlichen, nennt das INIU 90W keine offizielle Tabelle für seine Kombinationen aus zwei oder drei gleichzeitig aktiven Anschlüssen: Das Datenblatt nennt nur maximal 45W pro Anschluss bei doppelter Nutzung, ohne zu klären, was passiert, sobald der dritte, USB-A-Anschluss dazukommt. Das ist der größte Unsicherheitsfaktor dieses Ladegeräts auf dieser Achse.
In der Praxis läuft das gleichzeitige Laden zweier Smartphones an den beiden USB-C-Anschlüssen ohne spürbare Verlangsamung, und eine kombinierte Leistungsaufnahme von rund 56W zwischen zwei Geräten führte nur zu einer leichten Erwärmung des Gehäuses, ohne Anzeichen für eine aggressive thermische Drosselung. Der dritte, USB-A-Anschluss dient eher als Ergänzung für ein drittes Gerät (Kopfhörer, älteres Telefon) denn als vollwertiger Schnellladeanschluss: Seine 18W bleiben bescheiden neben den beiden symmetrischen 45W-USB-C-Anschlüssen, eine klarere Aufteilung als die Asymmetrie von 45W/18W beim Baseus 65W oder 45W/30W beim Anker 75W.
PD, QC und mehr: breite Kompatibilität am USB-A-Anschluss
Beide USB-C-Anschlüsse setzen auf Power Delivery 3.0, ergänzt durch den oben beschriebenen PPS-Modus, sowie Quick Charge 3.0 für Geräte, die PD nicht nativ aushandeln. Der USB-A-Anschluss geht deutlich weiter als die meisten Konkurrenten in diesem Vergleich: Neben QC 2.0 und 3.0 erkennt er AFC (Samsung), FCP und SCP (Huawei und Honor), die proprietäre Apple-Schnellladung mit 2,4A sowie den älteren Programmable-Efficiency-Standard. Nur VOOC (Oppo) und VFCP (Vivo und iQoo) bleiben außen vor, zwei proprietäre Standards mit geringer Verbreitung auf dem europäischen und nordamerikanischen Markt.
Diese breite Abdeckung am USB-A-Anschluss hebt das INIU 90W vom Anker 323 52W ab, der auf PowerIQ 3.0 ohne SCP oder Samsungs Super Fast Charging 2.0 beschränkt ist. Sie entspricht der des Baseus 65W, der ebenfalls AFC, FCP und SCP an beiden Anschlüssen abdeckt.
Eine Gemeinsamkeit mit den meisten KFZ-Ladegeräten auf dem Markt: Der Verpackung liegt kein Kabel bei. Ein gutes USB-C-auf-USB-C-Kabel, das die beteiligten PD- und PPS-Stufen unterstützt, bleibt notwendig, um sich den angegebenen 45W an den USB-C-Anschlüssen anzunähern.
26 Gramm für 90W: ein seltenes Verhältnis von Gewicht zu Leistung
Das Gehäuse wiegt 26 Gramm bei Abmessungen von 3,5 x 2,3 x 6cm, ein Format, das nach dem Einstecken fast vollständig im Umriss der Buchse verschwindet. Bezogen auf die Gesamtleistung von 90W ergibt dieses Gewicht ein Verhältnis von etwa 3,5W pro Gramm, deutlich über dem des Anker 323 52,5W (23 Gramm, etwa 2,3W pro Gramm) und weit über dem des Anker 75W (77 Gramm, unter 1W pro Gramm).
Dieses Ladegerät wirbt nicht mit GaN, anders als manche Konkurrenten, die diese Technologie hervorheben, um ihre Kompaktheit zu begründen: Das INIU 90W beansprucht in diesem Punkt nichts, was zwar ein nicht eingehaltenes Versprechen vermeidet, dem Gehäuse aber auch ein Marketingargument vorenthält, das seine tatsächliche Leichtigkeit sonst hätte tragen können.
Die Spannungsanzeige: nützlich, aber kein Wattmeter
Das eingebaute Display zeigt durchgehend die Batteriespannung des Fahrzeugs an, ein nützlicher Hinweis, um eine schwache Batterie zu erkennen, bevor sie zur Panne führt, besonders vor dem Winter oder nach längerem Stillstand des Fahrzeugs. Keiner der Anker-Lader in diesem Vergleich bietet diese Funktion, nur der Baseus 65W teilt sie.
Die deutlichste Grenze dieses Displays betrifft seinen Nutzen, sobald ein Gerät angeschlossen ist: Anders als beim Baseus 65W, dessen Display beim Laden zur Spannung und Stromstärke jedes Anschlusses wechselt, bleibt das Display des INIU 90W auf die Batteriespannung des Fahrzeugs fokussiert und zeigt nie die tatsächlich an ein angeschlossenes Gerät gelieferte Leistung an. Eine Leistungsanzeige in Watt statt eines einfachen Voltmeters hätte die Ladekontrolle greifbarer gemacht.
Verarbeitung und Garantie: 3 Jahre, aber eine markenweite Politik
Das Gehäuse nutzt ein feuerhemmendes UL94-V-0-Gehäuse, ein bei dieser Art von Produkt übliches Merkmal, um die Ausbreitung einer Flamme bei einem internen Defekt zu begrenzen. INIU gibt für dieses Ladegerät eine Garantie von 3 Jahren an, die längste in diesem Vergleich: Gegenüber der 30-tägigen Herstellergarantie der nächstgelegenen offiziellen Baseus-Reihe oder den 18 Monaten beim Anker 323 52W ist der Abstand deutlich.
Zur Historie der Marke: 2025 wurde von den US-Behörden ein Sicherheitsrückruf zu einem völlig anderen INIU-Produkt eröffnet: einer zwischen 2021 und 2022 verkauften 10.000-mAh-Powerbank, die nach mehreren Fällen von Überhitzung und Bränden mit leichten Verbrennungen zurückgerufen wurde. Dieser Rückruf betrifft eine Lithium-Ionen-Batteriezelle, eine Fehlerart, die auf dieses KFZ-Ladegerät nicht zutrifft, da es keine Speicherzelle enthält und lediglich die Fahrzeugspannung umwandelt. Für das gesamte Markensortiment bleibt es dennoch ein Punkt, den man kennen sollte.
Bei diesem konkreten Modell erlaubt die Neuheit des Produkts noch keinen langjährigen Einsatz: Bisher zeigt sich weder ein wiederkehrender Ausfall noch ein wiederholter Verarbeitungsfehler, eine Vorsichtsreserve und kein festgestellter Mangel.
Sicherheit: Standardschutz, kein modellspezifischer Vorfall
Das Ladegerät bietet den bei dieser Art von Produkt üblichen 6-fachen Schutz: gegen Überspannung, Überstrom, Überhitzung und Kurzschluss, mit unabhängiger Steuerung jedes Anschlusses. Eine kombinierte Leistungsaufnahme von rund 56W zwischen zwei Geräten führte nur zu einer leichten Erwärmung des Gehäuses, ohne Abschaltung oder hörbare Beeinträchtigung.
Zwei Einschränkungen: Es wird keine IP-Zertifizierung gegen Staub oder Wasser angegeben, eine bei fast allen KFZ-Ladegeräten dieser Bauform übliche und für den Innenraumeinsatz nebensächliche Lücke. Und anders als beim Baseus 65W, dessen CE- und FCC-Kennzeichnungen direkt auf der Platine erscheinen, liegen für das INIU 90W keine entsprechenden Angaben über die Verpackung und die Produktseite hinaus vor.
Kompatibel mit 12 bis 24V: Autos, Lkw und Nutzfahrzeuge
Das INIU 90W akzeptiert einen Eingangsbereich von 12 bis 24V, wodurch es sowohl mit gewöhnlichen Autos und Motorrädern als auch mit Lkw, Nutzfahrzeugen und ausgebauten Wohnmobilen mit 24V kompatibel ist. Diese breite Spanne erfüllt einen echten Bedarf: ein einziges Ladegerät für einen ganzen Fuhrpark privater oder gewerblicher Fahrzeuge, ohne bei jedem Fahrzeugwechsel die Kompatibilität zu prüfen.
Um auf die zuvor erwähnte Leistungsnuance zurückzukommen: Sie hängt vor allem vom ausgehandelten Ladeprofil ab (festes PD oder PPS), nicht so sehr von der Eingangsspannung des Fahrzeugs selbst: Ein Anschluss, der PPS aushandelt, kann seine volle Leistung sowohl bei 12V als auch bei 24V erreichen, sofern das angeschlossene Gerät dies unterstützt. Eine höhere Eingangsspannung, wie bei einem 24V-Netz, könnte dem internen Wandler wiederum mehr Spielraum geben, um eine höhere feste Stufe ohne Rückgriff auf PPS anzubieten, was erklären würde, warum die Produktdokumentation das volle Potenzial der Anschlüsse mit 24V verknüpft: Der Unterschied läge auf Ebene des Wandlers, nicht in einer künstlich auf 12V gesetzten Grenze.
Im Vergleich mit Baseus 65W, Anker 75W, Anker 323 und Ugreen 130W
Wie schlägt sich das INIU 90W im Vergleich mit den anderen bereits auf dieser Seite besprochenen KFZ-Ladegeräten?
| Kriterium | INIU 90W | Baseus 65W | Anker 75W | Anker 323 52W | Ugreen 130W |
|---|---|---|---|---|---|
| Gesamtleistung | 90W | 65W | 75W | 52,5W | 130W |
| Anschlüsse | 2xUSB-C 45W + USB-A 18W | USB-C + USB-A | Kabel USB-C + USB-C | USB-C 30W + USB-A 22,5W | 2xUSB-C + USB-A |
| Spannungsanzeige | Ja | Ja | Nein | Nein | Nein |
| Gewicht | 26g | 28 bis 29g | 77g | 23g | Nicht angegeben |
| Angegebene Garantie | 3 Jahre | 30 Tage | Hier nicht angegeben | 18 Monate | Hier nicht angegeben |
| Beobachteter Preis | 12,98€ | Hier nicht angegeben | Hier nicht angegeben | Hier nicht angegeben | Hier nicht angegeben |
Das INIU 90W vereint nach dem Ugreen 130W die höchste Gesamtleistung, eines der niedrigsten Gewichte in diesem Vergleich, eine nur mit dem Baseus 65W geteilte Spannungsanzeige und die längste Garantie der Gruppe. Seine relative Schwäche gegenüber dem Ugreen 130W liegt bei der angegebenen Leistung des Hauptanschlusses (45W gegenüber 100W), doch das Ugreen hält seine volle Leistung nur wenige Minuten, bevor sie spürbar absinkt, was diesen Abstand im Alltag relativiert.
Für wen sich dieses Ladegerät eignet, und für wen nicht
Das INIU 90W eignet sich zunächst für alle, die zwei aktuelle Smartphones gleichzeitig mit voller Geschwindigkeit laden wollen, plus ein drittes Gerät als Ergänzung, in einem Gehäuse, das kaum aus der Buchse herausragt. Die 3-jährige Garantie macht es zudem zu einer beruhigenden Wahl für alle, die es über mehrere Jahre ohne weiteres Nachdenken nutzen wollen. Für den gelegentlichen Einsatz mit einem einzigen Gerät und ein knapperes Budget bleibt der Anker 323 52W eine noch leichtere Option. Für ein fest im Gehäuse verbautes Kabel vermeidet der Anker 75W, ein separates mitführen zu müssen. Für ein anspruchsvolles Notebook im regelmäßigen Einsatz garantiert keiner der hier verglichenen Konkurrenten, INIU eingeschlossen, eine zuverlässige Ladung über 36W pro Anschluss ohne PPS-Aushandlung: Es lohnt sich, die genaue Gerätekompatibilität vor dem Kauf zu prüfen.



