Die reale Leistung, weit unter den angegebenen 100W
Wie bei jedem Solarpanel entspricht die aufgedruckte Leistung von 100W beim Nomad 100 einem genormten Wert (1000 W/m² Einstrahlung, 25 °C Zelltemperatur, genormtes Lichtspektrum), der im Außeneinsatz kaum je erreicht wird. In der Praxis hängt die Leistung vom Einfallswinkel, von der Bewölkung, von der Höhenlage und vor allem von der Temperatur des Panels selbst ab: oberhalb von 25 °C sinkt der Wirkungsgrad einer Siliziumzelle rein physikalisch, und ein dunkles Panel in praller Sonne erwärmt sich schnell weit über diese Schwelle hinaus.
Die für das Nomad 100 tatsächlich erzielten Werte liegen meist zwischen 50 und 80W, selten darüber. Ein konkreter Fall ergibt etwa 78W (knapp über 20V bei rund 3,8A), während ein anderer bei 55W an einem voll sonnigen Tag auf Meereshöhe endet, ein Wert, den Goal Zero selbst als normal bezeichnet, da die angegebenen 100W im Außeneinsatz nie erreicht werden. In der Höhe wie in der Wüste liegen mehrere Fälle sogar noch niedriger, zwischen 50 und 62W, da die Umgebungshitze den Gewinn einer direkteren Einstrahlung wieder auffrisst.
Zwei zusammengeschaltete Nomad 100 Panels, die die Auffangfläche verdoppeln, kommen zusammen nur auf etwa 80W, nie über 110W selbst bei voller Sonne, weit entfernt von den kombinierten 200W nominal. Ein Fall aus dem europäischen Markt nennt für ein einzelnes Panel unter als ideal eingeschätzten Sommerbedingungen eher rund 70W, ein Wert, der zu den übrigen genannten Fällen passt.
Diese Lücke zwischen Angabe und Realität ist für ein faltbares Panel dieses Formats nichts Ungewöhnliches: vergleichbare Lücken finden sich bei den meisten mobilen Panels ähnlicher Leistung, und diese Praxis bleibt in der gesamten Branche üblich. Die auf den meisten Panels des Marktes aufgedruckte Spitzenleistung folgt derselben genormten Konvention, nützlich um zwei Panels miteinander zu vergleichen, aber irreführend, wenn sie als Versprechen einer im Alltag tatsächlich verfügbaren Leistung verstanden wird. Auffälliger ist hier das Fehlen jeder offiziellen Kommunikation von Goal Zero zu dieser erwarteten Spanne beim Kauf, während ein direkter Konkurrent wie EcoFlow seine eigene reale Spanne inzwischen direkt in der technischen Dokumentation veröffentlicht.
Eine reibungslose Yeti Einbindung
Die eigentliche Stärke des Nomad 100 zeigt sich schon vor dem Aufklappen: das Ladekabel ist bereits im Panel integriert und endet im markeneigenen 8mm Stecker von Goal Zero, demselben, den sich alle vier Stationen der Yeti X Reihe teilen (500X, 1000X, 1500X, 3000X). Konkret bedeutet das, das Panel direkt ab Werk an die Station anzuschließen, ohne den passenden Adapter zu suchen oder ein Kabel separat zu bestellen, eine Reibung, die Besitzer von Panels mit gängigem MC4 Stecker gut kennen, da sie zunächst die Kompatibilität ihrer Station prüfen müssen.
Der ausklappbare Ständer auf der Rückseite des Panels erleichtert zusätzlich den Aufbau: er erlaubt die Ausrichtung zur Sonne, ohne das Panel gegen einen improvisierten Halt lehnen zu müssen. Zusammen mit den vier Aufhängeösen an den Ecken des Panels bietet er mehrere Aufbaumöglichkeiten je nach Gelände (Auflegen am Boden, Aufhängen an Fahrzeug oder Ast, Anlehnen an eine Wand).
Die Ladezeit einer Yeti, eine Spanne mit Spielraum
Goal Zero gibt für eine vollständige Aufladung einer Yeti 1000X mit einem Nomad 100 12 bis 24 Stunden an, eine schon breite Spanne, die die starke Schwankung der tatsächlich im Tagesverlauf gesammelten Leistung widerspiegelt. In der Praxis weichen mehrere Fälle deutlich von der unteren Grenze ab: ein Einsatz in den europäischen Bergen erforderte mehr als einen vollen Sonnentag für eine vollständige Ladung, und ein Einsatz im Wohnmobil setzt eine vollständige Ladung eher bei rund zwei vollen Sonnentagen an.
Diese Lücke erklärt sich direkt aus der real verfügbaren Leistung (50 bis 80W statt 100W) und aus der Zahl der tatsächlich nutzbaren Stunden direkter Sonneneinstrahlung an einem Tag, oft niedriger als die 8 bis 10 Stunden, die eine optimistische Rechnung annehmen könnte. Das Verketten zweier Nomad 100 über das dafür vorgesehene Kombinationskabel (siehe weiter unten) verkürzt diese Zeit durch Addition der Eingangsleistung, auf Kosten des doppelten Platzbedarfs.
Gewicht und Packmaß im gefalteten Zustand
Das Nomad 100 wiegt 4,6 kg bei einem Faltmaß von 52 x 39 x 5cm und faltet sich dank seiner integrierten Scharniere in vier Segmente. Ausgeklappt bedeckt es eine Fläche von 52 x 151cm, ein großzügiges Format, das einen eigenen Platz am Boden, auf einem Fahrzeugdach oder an einer Wand benötigt.
Im Vergleich zu diesen drei Panels liegt das Nomad 100 im unteren Gewichtsbereich der Gruppe: leichter als das Jackery SolarSaga 100W, etwas schwerer als das Bluetti PV120 oder das EcoFlow 110W, ein Unterschied von wenigen hundert Gramm, der am Transporterlebnis grundsätzlich nichts ändert. Das Faltmaß mit integriertem Griff und Aufhängeösen an allen vier Ecken erleichtert die Verstauung in einem Van oder Kofferraum; für eine Wanderung oder einen mehrtägigen Trekkingausflug im Rucksack bleibt es dagegen sperrig, wo jedes zusätzliche Gramm mehr zählt.
Nur ein Ausgang: der proprietäre 8mm Stecker
Das Nomad 100 bietet genau einen Ausgang: einen blauen proprietären 8mm Stecker (14 bis 22V, bis zu 5,56A), werkseitig mit rund 1,8m integriertem Kabel verkabelt, kürzer als bei manchen Aufbauten, bei denen Panel und Station weiter auseinanderliegen. Diese Wahl vereinfacht das Leben für alle, die bereits eine Yeti X besitzen (kein Kabel und kein Adapter zu kaufen), verschließt aber jede andere Nutzung vollständig: kein USB Ausgang, um ein Smartphone oder eine Powerbank direkt zu laden, und kein MC4 Anschluss, der einen Solarregler eines anderen Herstellers, eine andere Stationsmarke oder eine bestehende Festinstallation anschließen ließe.
| Kriterium | Goal Zero Nomad 100 | Jackery SolarSaga 100W | Bluetti PV120 | EcoFlow 110W |
|---|---|---|---|---|
| Stecker | Proprietär 8mm (Yeti) | Proprietär (Jackery) | MC4 | MC4 |
| Direkter USB Ausgang | Nein | Nein | Ja | Nein |
| Offenes Ökosystem (USB oder MC4) | Nein | Nein | Ja | Ja |
Das ist der prägendste Punkt dieser Einschätzung: von den vier vergleichbaren faltbaren Panels ist das Nomad 100 das einzige ohne USB Ausgang und ohne MC4 Anschluss. Ein Kombinationskabel erlaubt es, mehrere Nomad 100 zu verketten und ihre Eingangsleistung zu einer einzigen Station zu addieren, löst aber dieses geschlossene Ökosystem nach außen in keiner Weise.
Wetterschutz: die Unschärfe hinter "weatherproof"
Goal Zero beschreibt das Nomad 100 als wetterbeständig ("weatherproof"), eine Marketingformulierung, die auf dem eigenen Datenblatt des Herstellers keiner unabhängig überprüfbaren IP Schutzklasse entspricht. Die offizielle Dokumentation hält lediglich fest, dass die Stoffhülle, die die Zellen schützt, sich schneller abnutzen kann, wenn sie dauerhaft im Freien bleibt, ein ausdrücklicher Vorbehalt, der einer festen, dauerhaften Installation entgegensteht, selbst unter einem Dach.
Vier Ösen an den Ecken des Panels erlauben es, es aufzuhängen (an einem Fahrzeug, einem Ast, einem Seil), statt es auf den Boden zu legen, eine Befestigungsart, die den Kontakt mit Feuchtigkeit oder Sand begrenzt und den integrierten Ständer auf schwierigem Gelände sinnvoll ergänzt.
Ein Einzelfall aus sehr heißem tropischem Klima berichtet außerdem von einer sich lösenden Aufbewahrungstasche auf der Rückseite, wobei der Klebstoff der Hitze sichtbar nicht standhielt; dieser Fall bleibt isoliert und erlaubt keine allgemeine Regel, zeigt aber, dass die Hitzebeständigkeit des Produkts in extremen Klimazonen an ihre Grenzen stößt. Die Ösen und die Faltscharniere selbst weisen in den eingesehenen Fällen keine wiederkehrenden Ausfälle auf.
Mehrere Panels verketten: mehr Leistung, und ein Rückruf zum Merken
Das Nomad 100 lässt sich über ein 8mm auf HPP Kabel mit einem zweiten Panel verketten, oder in größerem Maßstab über einen 4x HPP auf 1x HPP+ Kombinator, der die Eingangsleistung mehrerer Nomad Panels zu einer einzigen Station addiert. Das ist ein echter Vorteil für alle, die mehr Leistung wollen, ohne das Ökosystem zu wechseln.
Wer eine Verkettung mehrerer Panels plant, sollte vor der Inbetriebnahme die Referenznummer seines Kombinationskabels prüfen, eine einfache und kostenlose Vorsichtsmaßnahme. Goal Zero bietet betroffenen Käufern einen kostenlosen Ersatz des zurückgerufenen Produkts an.
Verarbeitung, Garantie und Ruf der Marke
Goal Zero verkauft seit 2009 mobile Energielösungen und genießt einen etablierten Ruf beim nordamerikanischen Camping und Van Life Publikum, mit einer Herstellergarantie von 2 Jahren auf das Nomad 100, im Einklang mit dem Rest der Kategorie. Die allgemeine Verarbeitung (Rahmen, Nähte, Anschlüsse) wird in den eingesehenen Fällen meist als solide und gut verarbeitet beschrieben, ohne wiederkehrenden Fabrikationsfehler über die oben genannten Einzelfälle hinaus.
Der ernsthafteste Punkt bei der Zuverlässigkeit des Ökosystems betrifft eher ein zugehöriges Zubehörteil als das Panel selbst: das für die Verkettung mehrerer Nomad 100 nötige Kombinationskabel, 2025 wegen Brandgefahr zurückgerufen (siehe vorherigen Abschnitt). Das Panel allein ist von diesem Rückruf nicht betroffen, doch die Marke war im Lauf der Jahre auch bei anderen Produktlinien (Batterien, Solar Powerstations) bereits Gegenstand separater Rückrufe oder offizieller Hinweise. Das betrifft das Nomad 100 nicht direkt, verdient aber Beachtung, bevor man sein Yeti Ökosystem um weiteres Zubehör der Marke erweitert.
Im Vergleich zur Konkurrenz, und zu sich selbst
Im Vergleich zu den drei anderen bereits genannten faltbaren Panels ähnlicher Leistung (Jackery SolarSaga 100W, Bluetti PV120, EcoFlow 110W) nimmt das Nomad 100 eine eigentümliche Position ein: weder das leichteste, noch das leistungsstärkste auf dem Papier (100W gegenüber 110 bis 120W bei zwei der drei anderen), und schon gar nicht das günstigste, mit einem Preis von 399 Euro gegenüber 189 bis 279 Euro bei den anderen drei. Pro Watt Spitzenleistung gerechnet, schneidet es damit als das wirtschaftlich unvorteilhafteste der vier ab, ein Unterschied, der sich nur durch die Marke und die Einfachheit für Yeti Besitzer rechtfertigt.
Sein struktureller, aber echter Vorteil ist die direkte, adapterfreie Kompatibilität mit der gesamten Yeti X Reihe. Bei allen anderen Kriterien bietet ein Panel mit MC4 Stecker wie das Bluetti PV120 oder das EcoFlow 110W eine strukturell größere Flexibilität: es funktioniert mit so gut wie jedem Solarregler oder jeder Station auf dem Markt, während das Nomad 100 im Ökosystem einer einzigen Marke gefangen bleibt.
Goal Zero verkauft außerdem das Boulder 100, eine starre Version gleicher Nennleistung, mit eigenem integriertem Ständer und einem Schutzgehäuse. Der Kompromiss ist klar: das Boulder wiegt knapp 12 kg gegenüber 4,6 kg beim Nomad, mehr als das Doppelte, doch seine starre Bauweise übersteht eine halbfeste Installation (Vandach, feste Stellfläche) besser als der Stoff des Nomad, von dessen dauerhafter Nutzung im Freien der Hersteller selbst abrät. Das Nomad 100 richtet sich also an einen mobilen, gelegentlichen Einsatz, während das Boulder 100 auf eine Installation zielt, die länger an Ort und Stelle bleibt; beide teilen sich denselben 8mm Stecker und dieselbe Yeti X Kompatibilität.
Für wen sich das Nomad 100 wirklich eignet
Das Nomad 100 ergibt nur für ein bestimmtes Publikum Sinn: Besitzer, oder künftige Besitzer, einer Yeti X Station (500X, 1000X, 1500X, 3000X), die eine solare Ergänzung suchen, ohne Adapter oder zusätzliches Kabel suchen zu müssen. Für dieses Publikum ist die Einbindung echt, und der Gewinn an Einfachheit auch: anschließen, ausrichten, warten.
Außerhalb dieses Kreises kehrt sich die Rechnung völlig um: ohne USB Ausgang und ohne MC4 Anschluss nützt das Panel weder mit einer Powerbank noch mit einem Solarregler eines anderen Herstellers oder einer anderen Stationsmarke etwas, und sein Preis, der höchste der vier oben verglichenen faltbaren 100W Panels, rechtfertigt sich dann durch keinen entsprechenden technischen Vorteil. Auch für leichtes Wandern ist das Produkt nicht das ideale Terrain: 4,6 kg und ein Faltmaß von 52 x 39 x 5cm sind für einen Van oder einen festen Zeltplatz vertretbar, weniger angenehm am Boden eines Rucksacks über mehrere Wandertage.
Preis und Verfügbarkeit
In Deutschland findet sich das Nomad 100 meist über einen Marktplatz wie Amazon.de zu einem Preis um 399 Euro, mit einer Herstellergarantie von 2 Jahren. Dieser Preis platziert es deutlich über seinen direkten, leistungsmäßig vergleichbaren Konkurrenten, ein Unterschied, der sich nicht durch zusätzliche Leistung erklärt (100W ist der niedrigste Wert der vier verglichenen Panels), sondern durch die Marke und ihr Yeti Ökosystem.
In den USA liegt der Katalogpreis bei 399,95 US Dollar und findet sich regelmäßig um 300 US Dollar im Angebot bei allgemeinen Händlern. Goal Zero ist seit 2009 eine etablierte Marke auf dem nordamerikanischen Camping und Van Life Markt, ein Anhaltspunkt für die Langlebigkeit des Yeti Ökosystems für alle, die in mehrere kompatible Zubehörteile investieren.



