Was die angegebenen 74 Wh wirklich wert sind
Die auf dem Gehäuse angegebenen 20 000 mAh ergeben umgerechnet auf die Nennspannung der Zellen (3,7 V) 74 Wh, eine ehrliche und mit der angegebenen Li-Ion-Chemie stimmige Rechnung, anders als bei manchen Angeboten am Markt, die die Zahl aufblähen, indem sie Milliamperestunden so darstellen, als liefe der gesamte Akku mit der Spannung einer einzelnen Zelle. Diese Zahl bleibt aber eine Zellkapazität, keine abgegebene Energie: zwischen Zelle und Ausgangsanschluss verbraucht die Wandlerelektronik ihren Anteil, und dieser Anteil ändert sich mit der abgerufenen Leistung.
Der Unterschied zwischen den beiden Stufen ist keine Randnotiz: Ein Notebook mit voller Geschwindigkeit zu laden kostet anteilig mehr verlorene Energie als ein kleines Zubehörteil langsam nachzuladen. Die Ursache ist physikalisch, keine Eigenart eines einzelnen Exemplars: Je mehr Watt der Wandler liefert, desto heißer wird er und desto mehr Energie geht als Wärme verloren. Auf beiden Stufen bleibt die Baseus Blade dennoch deutlich über dem schwachen Ende ihrer Kategorie, wo manche ähnlich großen Akkus nur rund 65 % ihrer angegebenen Kapazität abgeben.
100 W an der Spitze, aber nicht dauerhaft
Der Haupt-USB-C-Anschluss liefert an der Spitze bis zu 99,9 W (20 V und 5 A), praktisch die vollen 100 W auf der Verpackung: Diese Zahl ist keine aufgeblähte Marketingangabe. Die Nuance liegt in der Dauer. Bei durchgehender Belastung nahe der Maximalleistung löst die Baseus Blade nach etwa neun Minuten ihren Hitzeschutz aus und drosselt danach die Ausgangsleistung, um Zelle und Elektronik zu schützen.
Die Oberflächentemperatur steigt sowohl bei Entladung mit 65 W als auch beim Schnellladen auf etwa 58 bis 59 °C, ein hoher Wert für die Handfläche, der aber im Bereich bleibt, in dem der Schutz normal eingreift, ohne abrupten Abbruch. Im Alltag bedeutet das: Die Blade eignet sich sehr gut für einen kurzen, kräftigen Leistungsabruf, etwa um ein fast leeres Notebook kurz vor einem Termin wiederzubeleben, aber ihr Dauerbetrieb bei langer, durchgehender Ladung liegt eher bei 65 W als bei den 100 W auf dem Gehäuse. Neun Minuten reichen locker, um ein Smartphone auf deutlich über die Hälfte zu bringen, aber deutlich weniger, um ein großes Notebook vollständig mit voller Geschwindigkeit zu laden.
Die Leistungsverteilung zwischen den vier Anschlüssen
Die beiden USB-C-Anschlüsse teilen sich ein gemeinsames Leistungsbudget, statt jeweils unabhängige 100 W bereitzustellen, eine bei diesem Format übliche Lösung. Die beiden USB-A-Anschlüsse sind auf je 30 W begrenzt und unterstützen die auf Android-Smartphones gängigsten Protokolle Quick Charge, AFC, FCP und SCP.
| Anschluss | Max. Leistung | Protokolle |
|---|---|---|
| USB-C 1 | 100 W | PD 3.0, PPS |
| USB-C 2 | 100 W (geteiltes Budget) | PD 3.0, PPS |
| USB-A 1 | 30 W | QC 2.0/3.0/4+, AFC, FCP, SCP |
| USB-A 2 | 30 W | QC 2.0/3.0/4+, AFC, FCP, SCP |
Der Punkt, auf den man achten sollte, ist die Gleichmäßigkeit der Aufteilung, sobald zwei anspruchsvolle Geräte gleichzeitig an den beiden USB-C-Anschlüssen hängen: Das Verhalten ist nicht immer vorhersehbar, ein Smartphone kann dabei auf nur 10 W zurückfallen, statt eine gleichmäßige Aufteilung der verfügbaren Leistung zu bekommen, während in anderen Fällen beide Geräte gleichzeitig eine ordentliche Geschwindigkeit erhalten. Das Display zeigt seinerseits nie eine klare Übersicht der aktuellen Aufteilung zwischen den vier Ausgängen: Schwer zu erkennen, warum ein Gerät langsamer lädt als erwartet.
Ein Notebook laden, ganz konkret
Das zentrale Verkaufsargument der Baseus Blade ist, in eine Notebooktasche zu passen und dabei ein anspruchsvolles Notebook zu laden. Der Hauptanschluss erreicht tatsächlich fast 100 W Ausgangsleistung, ein Wert, der über dem liegt, was viele Notebooks selbst überhaupt annehmen können. Bei einem Ultrabook, das an seinem Eingang nur 60 W akzeptiert, bleibt die Ladegeschwindigkeit zum Beispiel auf diese 60 W begrenzt, egal wie viel Leistung die Powerbank bereitstellen könnte: Die Grenze setzt dann der Rechner, nicht die Blade.
Diese Nuance sollte man vor dem Kauf im Hinterkopf behalten: Die 100 W der Blade nützen vor allem den anspruchsvollsten Notebooks (Workstations für Kreativarbeit, kompakte Gaming-Notebooks, manche mobilen Arbeitsstationen), nicht jedem Notebook gleichermaßen. Für ein Smartphone oder Tablet an den USB-A-Anschlüssen reichen die verfügbaren 30 W für ein klassisches Schnellladen ohne Besonderheiten.
Das Display: ein echter Pluspunkt, mit einer Einschränkung
Das integrierte LCD-Display zeigt live den verbleibenden Ladestand in Prozent, die aktuelle Leistung und eine geschätzte Restzeit an, eine Funktion, die bei dieser Kompaktheit noch immer selten ist und klar der Alltagsvorteil dieses Geräts: kein Rätselraten mehr, was vor einer langen Reise noch im Akku steckt. Die Lesbarkeit bleibt auch unter normaler Bürobeleuchtung gut.
Zwei konkrete Einschränkungen gibt es dennoch. Erstens: Die glänzende Oberfläche des Displays verkratzt beim Kontakt mit anderen Gegenständen in einer Tasche recht leicht, selbst mit der mitgelieferten Hülle; ein eigenes Fach ist auf Dauer empfehlenswert. Zweitens: Die Anzeige fasst die gesamte kombinierte Leistung nicht zusammen, wenn mehrere Geräte gleichzeitig an den vier Anschlüssen laden, sondern zeigt je nach Firmware-Version nur die Leistung des Hauptanschlusses oder wechselt zwischen den Anschlüssen durch.
Die Blade selbst aufladen
Der USB-C-Eingang akzeptiert bis zu 65 W. Mit einem Ladegerät, das diese Leistung wirklich durchgehend hält, dauert die vollständige Aufladung etwas weniger als eineinhalb Stunden: Ein Ladegerät mit 67 W Eingangsleistung füllte den Akku in 1h23 und nahm dabei insgesamt etwa 71 Wh auf, ein Wert, der leicht über den nominalen 74 Wh liegt, sobald die Wandlungsverluste am Eingang mitgezählt werden. Mit einem schwächeren oder in der Leistung weniger stabilen Ladegerät kann sich die vollständige Ladezeit deutlich über 90 Minuten hinaus verlängern.
Der Karton enthält kein Netzteil, sondern nur ein USB-C-auf-USB-C-Kabel mit 100 W und eine Tragetasche. Ohne ein bereits vorhandenes PD-Ladegerät mit mindestens 65 W lohnt es sich, dessen Anschaffung von Anfang an ins Budget der Blade einzuplanen.
Das Format: das Hauptargument gegenüber der Konkurrenz
Mit angegebenen 17,8 mm Dicke und einem Gewicht nahe 506 g, das durch mehrere unabhängige Wägungen auf wenige Gramm genau bestätigt wird (zwischen 488 und 511 g je nach Exemplar und verwendeter Waage), bleibt die Baseus Blade eines der flachsten Modelle ihrer Klasse mit 100 W und 20 000 mAh.
Gegenüber einer UGREEN Nexode 100W mit sehr ähnlicher Kapazität (72 Wh) ist der Unterschied von 8,7 mm in der Dicke in einer bereits vollen Tasche deutlich spürbar. Gegenüber einer Anker Prime 20000, die bis zu 200 W leistet, ist der Vergleich nicht ganz fair, da diese eine kräftigere Wandlerelektronik mitbringt, aber er zeigt gut den Kompromiss, den die Blade eingeht: weniger gleichzeitige Spitzenleistung über beide Anschlüsse, dafür ein Gehäuse, das sich deutlich leichter neben ein Notebook schieben lässt.
Kompatibilität und Ladeprotokolle
Die Baseus Blade erkennt über ihre vier Anschlüsse eine breite Palette an Schnelllade-Protokollen: Power Delivery 3.0 und PPS an beiden USB-C-Anschlüssen, Quick Charge 2.0, 3.0 und 4 Plus, AFC, FCP und SCP sowie den 2,4-A-Modus für ältere Apple-Geräte an den USB-A-Anschlüssen. Diese breite Kompatibilität deckt nahezu alle aktuellen USB-C-fähigen Smartphones, Tablets und Notebooks ab, unabhängig von der Marke.
In der Praxis reicht die Kompatibilität von klassischen Notebooks (Windows, Chromebook) über aktuelle Android-Smartphones bis zu USB-C-PD-fähigen Handheld-Konsolen. Pass-through, also das Laden der Blade bei gleichzeitigem Laden eines angeschlossenen Geräts, wird vom Hersteller angegeben: eine praktische Funktion für einen Schreibtisch oder ein Hotelzimmer mit nur einer verfügbaren Steckdose, auch wenn dies die eigene Aufladung des Akkus mechanisch verlangsamt.
Zuverlässigkeit, Garantie und Verfügbarkeit 2026
Die Herstellergarantie beträgt 24 Monate, ein Wert im oberen Bereich der Kategorie. Kein Sicherheitsmangel oder Rückruf ist mit diesem Modell verbunden. Die Schutzschaltung, die die Leistung nach einigen Minuten bei voller Ladung drosselt, statt das Gerät unbegrenzt heiß werden zu lassen, spricht eher für eine Schutzelektronik, die wie vorgesehen funktioniert.
Vereinzelte Fälle von Kapazitätsverlust oder vorzeitigem Verschleiß an einem der Anschlüsse werden nach mehreren Monaten sehr intensiver Nutzung gemeldet, ohne ein breites oder über die Zeit belegtes Muster zu bilden. Eher als angemessener Vorbehalt zu werten denn als erwiesener Mangel dieses Modells.
Bei der Verfügbarkeit hat Baseus dieses ursprüngliche Modell in Europa aus dem Direktvertrieb genommen, zugunsten neuerer und kompakterer Modelle (Blade HD, Blade H1) mit abweichenden Eigenschaften trotz des ähnlichen Reihennamens: Sie sollten nicht verwechselt werden, und die Zahlen dieser Einschätzung sollten nicht auf diese neueren Modelle übertragen werden. Manche Händler führen in Europa noch Restbestände, und in den USA bleibt das Modell zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Einschätzung verfügbar.
Für wen die Baseus Blade geeignet ist, und für wen nicht
Die Baseus Blade richtet sich zunächst an alle, die regelmäßig mit einem Notebook reisen und einen einzigen Akku wollen, der dieses Notebook, ein Smartphone und ein bis zwei kleine Zubehörteile versorgt, ohne einer bereits vollen Tasche spürbar mehr Volumen hinzuzufügen. Das integrierte Display und die breite Protokollunterstützung machen sie auch zu einer bequemen Wahl für alle, die Geräte mehrerer Marken gleichzeitig nutzen.
Weniger geeignet ist sie für alle, die eine stabile, dauerhafte Leistung von 100 W über lange gleichzeitige Ladesitzungen mehrerer anspruchsvoller Geräte suchen, oder die lieber ein Netzteil gleich beim Kauf dabei hätten. Das Budget sollte gegebenenfalls auch ein separates USB-C-Ladegerät mit 65 W sowie eine vorherige Prüfung der tatsächlichen Verfügbarkeit beim gewünschten Händler einplanen, da dieses ursprüngliche Modell in Europa nicht mehr direkt vom Hersteller vertrieben wird.


