140 W je Port: tatsächlich erreichbar, ohne proprietäre Sperre
Nach dem Präzedenzfall der bereits auf dieser Seite besprochenen Anker 737 Power Bank stellt sich die Frage direkt: Sind die beworbenen 140 W je Port wirklich erreichbar, oder nur unter nicht näher spezifizierten, einschränkenden Bedingungen? Bei der Prime 26250 fällt die Antwort anders aus als bei der 737. Die 737 kam in direktem USB-C-Betrieb nie über 90 bis 93 W hinaus, die 140 W waren nur mit einem MacBook Pro 16 Zoll über ein proprietäres MagSafe-Kabel erreichbar. Die Prime 26250 verfügt über keinen MagSafe-Anschluss: Alles läuft über USB-C PD 3.1 / PPS-Standard, und der gemessene konstante Wert liegt nahe bei 140 W mit einem über klassisches USB-C angeschlossenen MacBook Pro.
Die eigentliche Nuance ist also keine versteckte proprietäre Sperre, sondern zwei gewöhnliche Bedingungen des USB-C-PD-Standards: Es braucht ein Empfangsgerät, das wirklich 140 W anfordern kann (ein hochwertiges MacBook Pro 16 Zoll oder einige Gaming-Notebooks, aber kein Smartphone und kein kompaktes Notebook), sowie ein für mindestens 5 A zertifiziertes Kabel. Ein Gerät, das keine 140 W anfordert, etwa ein MacBook Pro 14 Zoll mit kleinerem Akku oder ein Smartphone, zieht logischerweise nicht mehr, als es braucht, was keine Einschränkung des Produkts darstellt.
Keine unabhängige Messung hat dagegen zeitlich erfasst, ob sich 140 W über die gesamte Dauer einer intensiven Arbeitssitzung (Videoschnitt, Kompilierung) hinweg halten lassen, dem Äquivalent der Messung, die bei der 737 die reale Obergrenze aufgedeckt hatte: Das Versprechen ist für eine punktuelle Ladung bestätigt, noch nicht für eine länger anhaltende Dauerlast.
Eine Ladung der Batterie, in der Praxis schneller als angekündigt
Der Hersteller gibt eine vollständige Ladung in rund 1 h 13 an, bei gleichzeitiger Nutzung beider USB-C-Ports mit bis zu 250 W Eingangsleistung. In der Praxis fällt die unabhängige Messung schneller aus als diese Angabe: 46 Minuten mit zwei für 140 W geeigneten Ladegeräten, 55 Minuten mit einem für 150 W geeigneten Ladegerät, 59 Minuten mit nur einem für 140 W geeigneten Ladegerät. Die Marke von 50 % wird nach 13 bis 15 Minuten erreicht. Die auf beiden USB-C-Ports gemeinsam gemessene Eingangsleistung erreicht 238 bis 246 W, nahe an der angegebenen Obergrenze von 250 W, ohne sie ganz zu erreichen.
Das ist eine recht seltene Konstellation: Die meisten Marketingangaben dieser Branche fallen im Vergleich zur realen Messung eher optimistisch aus. Hier dagegen läuft die unter guten Bedingungen gemessene vollständige Ladung schneller ab als der offizielle Wert.
80 bis 90 % realer Wirkungsgrad, ohne spürbaren Fortschritt gegenüber der vorigen Generation
Von den angegebenen 99,75 Wh liegt die tatsächlich abgegebene Energie, gemessen über mehrere vollständige Ladezyklen, zwischen 79,6 und 89,8 Wh, also bei 80 bis 90 % realem Wirkungsgrad. Das entspricht in etwa der Größenordnung, die bereits bei der Anker Prime 20000 (200 W), der vorigen Generation derselben Reihe, gemessen wurde: 82 % Wirkungsgrad, gemessen mit einem eigens dafür vorgesehenen Messgerät (70,72 Wh Energieaufnahme am Eingang für 58,18 Wh Energieabgabe am Ausgang). Trotz der von 100 auf 250 W angehobenen Eingangsleistung und der von 100 auf 140 W je Port angehobenen Ausgangsleistung macht der Gesamtwirkungsgrad von einer Generation zur nächsten also keinen spürbaren Fortschritt.
Ein real gemessenes Gewicht unter den angegebenen 600 g
Das offizielle Datenblatt gibt rund 600 g an. Mehrere unabhängige Wägungen stimmen auf einen niedrigeren Wert überein, zwischen 577 und 580 g, bei gemessenen Abmessungen von rund 160 x 63 x 38 mm. Die Abweichung von etwa 3 bis 4 % bleibt gering und spielt zugunsten der Käuferin oder des Käufers: Das ist einer der seltenen Fälle in dieser Einschätzung, in denen die gemessene Realität günstiger ausfällt als die Herstellerangabe, statt umgekehrt.
Sicherheit: Die Prime-Reihe fehlt in allen Anker-Rückrufen 2024-2025
Anker hat 2024 und 2025 mehrere Rückrufe externer Batterien durchgeführt: ein Rückruf im Juni 2025 für rund 1,15 Millionen Einheiten des PowerCore 10000, sowie ein Rückruf im September 2025 für rund 481000 Einheiten, der fünf Referenzen der Reihen Power Bank 10K, MagGo und Zolo betraf, wegen Überhitzungs- oder Brandrisiko. Die offizielle Rückrufseite des Herstellers listet diese Referenzen genau auf und erwähnt weder die Prime-Reihe noch das Modell Prime 26250. Auch sonst wurde kein spezifischer Rückruf für dieses Modell festgestellt.
Diese Feststellung beruht auf dem Fehlen in allen verfügbaren Listen und nicht auf einer ausdrücklichen Erklärung des Herstellers, die die Prime-Reihe explizit ausschließt: Das ist ein solides Indiz, keine formelle Garantie. Auch wurden bislang keine Meldungen zu Ausfällen, Überhitzung oder Materialfehlern für dieses genaue Modell festgestellt, ein noch vorsichtiges Urteil für ein Gerät, das erst seit November 2025 im Handel ist.
Im Vergleich zur Prime 20000 (200W): ein realer Fortschritt, aber auf die Leistung konzentriert
| Kriterium | Prime 26250 | Prime 20000 |
|---|---|---|
| Kapazität | 99,75 Wh | 72 Wh |
| Leistung je USB-C-Port | 140 W | 100 W |
| Gesamtleistung | 300 W | 200 W |
| Ladeeingang | 250 W | 100 W |
| Real gemessener Wirkungsgrad | 80 bis 90 % | 82 % |
| Gewicht | 577 bis 580 g gemessen | 544 g gemessen |
Der generationsbedingte Fortschritt ist real, konzentriert sich aber auf die verfügbare Leistung (140 W gegenüber 100 W je Port, auf beiden Seiten gemessen) und auf die Ladegeschwindigkeit des Packs selbst, dank der von 100 auf 250 W angehobenen Eingangsleistung. Der Wirkungsgrad dagegen stagniert bei rund 80 bis 90 %, und das Gewicht steigt folgerichtig mit der zusätzlichen mitgeführten Kapazität. Beide Generationen teilen zudem ein ähnliches thermisches Sicherheitsverhalten: Die Leistung wird bei anhaltender Volllast reduziert, ein Zeichen für eine konsistente Schutzpolitik statt eines radikalen Wandels.
PowerIQ 4.0 und ActiveShield 4.0: Marketingnamen ohne unabhängige Bestätigung
PowerIQ 4.0 bezeichnet laut Herstellerdokumentation eine dynamische Leistungsverteilung zwischen den Ports je nach Bedarf jedes angeschlossenen Geräts, die etwa alle 3 Minuten neu bewertet wird, zusätzlich zur Unterstützung von PD 3.1 und PPS bis 140 W. ActiveShield 4.0 steht für eine Temperaturüberwachung, die laut Hersteller 120 Mal pro Sekunde erfolgt. Keine bezifferte unabhängige Messung erlaubt es bis heute, einen echten Vorteil dieser Technologien gegenüber der vorigen Generation (PowerIQ 3.0) zu bestätigen: Es handelt sich um vom Hersteller dokumentierte Funktionsnamen, nicht um von Dritten überprüfte Ergebnisse.
Eine konkrete, unabhängig festgestellte technische Randbemerkung betrifft dagegen die Firmware: Sie unterstützt kein Adaptive Voltage Scaling (AVS), eine Funktion des USB-Power-Delivery-Standards, die manche hochwertigen Konkurrenzladegeräte bieten. Das ist ein technisches Detail, das in der Marketingsprache fehlt.
Der USB-A-Port, zweitrangig gegenüber den beiden USB-C-Ports
Der zusätzliche USB-A-Port liefert 22,5 W, wenn er allein genutzt wird. Werden beide USB-C-Ports gleichzeitig mit voller Leistung beansprucht, sinkt seine reale Leistung auf rund 20 W. Das steht im Einklang mit der insgesamt angegebenen Verteilung von 300 W auf die drei Ports, ist aber ein nützlicher Hinweis darauf, dass der USB-A-Port in dieser Verteilung nicht priorisiert wird.
99,75 Wh: knapp unter dem Kabinenlimit, aber nicht ganz reibungslos
Die Kapazität von 26250 mAh wurde so berechnet, dass sie unter der Schwelle von 100 Wh bleibt, oberhalb derer externe Batterien von den meisten Fluggesellschaften im Kabinengepäck untersagt werden (26250 mAh bei einer Nennspannung von 3,8 V ergeben 99,75 Wh). Diese Berechnung entspricht der geltenden Regelung, doch das wuchtige Format des Geräts kann trotz seiner rechtlichen Konformität dennoch Nachfragen des Sicherheitspersonals bei der Kontrolle auslösen.
Für wen sie geeignet ist, für wen nicht
Sie eignet sich für alle, die ein Notebook besitzen, das wirklich 140 W ziehen kann (insbesondere ein hochwertiges MacBook Pro 16 Zoll), und eine schnelle Zusatzladung dafür möchten, mit einer Kapazität nahe am für das Flugzeug-Handgepäck erlaubten Maximum.
Sie eignet sich nicht für alle, die vor allem einen Gewinn beim Wirkungsgrad gegenüber einem Einstiegsmodell derselben Marke suchen, denn der reale Wirkungsgrad bleibt trotz des höheren Preises nahe an dem der vorigen Generation, und auch nicht für alle, die nur ein Smartphone aufladen müssen, für die die 140 W je Port keinerlei Vorteil bringen.
