Die 10.000 mAh gibt es nicht
Die Aufschrift „10.000 mAh“ auf dem Gehäuse stimmt, und dennoch beschreibt sie nichts Brauchbares. Sie ist die rechnerische Summe zweier Zellen zu je 5.000 mAh. Diese beiden Zellen sind aber in Reihe geschaltet, nicht parallel: Der Pack liefert 5.000 mAh bei 7,2 Volt und nicht 10.000 mAh bei 3,6 Volt.
Die einzige Größe, die sich von einem Gerät zum anderen überträgt, ist die Energie in Wattstunden. Das vorgeschriebene Etikett des Produkts nennt sie unmissverständlich: 36 Wh. Es führt außerdem die zertifizierte Nennkapazität auf, jene Zahl, die den Hersteller rechtlich bindet, und die bei 5.900 mAh liegt. Diese beiden Zahlen sind es, die man von Powerbank zu Powerbank vergleichen muss, niemals die Zahl auf dem Deckel.
Aus diesen 36 Wh kommen keine 36 Wh heraus. Ein Wandler muss die 7,2 Volt des Packs auf die 5 Volt eines USB-Ports herunterbringen, und diese Umwandlung kostet. Unter einer Last von 5 V und 3 A gibt das Gerät 28,2 Wh ab, also 78 % dessen, was es enthält. Eine zweite Messreihe unter denselben Bedingungen ergibt 28,3 Wh: 0,1 Wh Abstand zwischen zwei Aufnahmen, und damit so nah an der Gewissheit, wie man bei dieser Art von Messung überhaupt herankommen kann.
Der gesamte Weg fällt noch härter aus. Um diese 36 Wh zu füllen, müssen 39,1 Wh aus der Steckdose gezogen werden. Zwischen dem bezahlten Strom und dem Strom, der beim Telefon ankommt, verschwinden knapp 28 % als Wärme. Das ist kein Mangel dieses Modells, das ist die Physik jeder Powerbank, nur schreibt es niemand auf die Verpackung.
Der Wirkungsgrad hängt von der Spannung ab, nicht nur vom Strom
Die Zahl 78 % ist nicht „der“ Wirkungsgrad dieses Geräts. Sie ist der ungünstigste Wert, und er trifft auf den häufigsten Fall zu. Bei geringeren Leistungen schneidet dasselbe Gerät deutlich besser ab.
| Last | Abgegebene Energie | Anteil der 36 Wh |
|---|---|---|
| 5 W | 30,4 Wh | 85 % |
| 9 W | 29,7 Wh | 83 % |
| 18 W | 28,9 Wh | 80 % |
| 20 W | 28,6 Wh | 79 % |
Die naheliegende Lesart lautet: Je schneller man zieht, desto weniger bekommt man zurück. Sie stimmt, ist aber unvollständig. Zwei weitere Punkte, nebeneinandergestellt, sagen etwas anderes: 28,2 Wh bei 5 V und 3 A, aber 29,6 Wh bei 9 V und 2 A. Dabei verlangt die zweite Messung mehr Leistung als die erste.
Die Erklärung liegt in der Spannung des Packs. Die beiden Zellen in Reihe arbeiten um 7,2 Volt herum. Der Weg hinunter auf 5 Volt zwingt dem Wandler ein härteres Übersetzungsverhältnis auf als der Weg auf 9 Volt, die viel näher liegen. Ein modernes Gerät mit 9 Volt oder mehr zu laden, bringt also mehr Energie als mit 5 Volt, bei gleicher oder höherer Leistung. Das läuft der Intuition zuwider, und es lässt sich nutzen: Ein aktuelles Telefon am integrierten Kabel handelt die günstigste Spannung von selbst aus, ein altes Zubehörteil mit 5 Volt nicht.
Wie viele Ladungen es wirklich sind
Die 28 nutzbaren Wh lassen sich schlecht in eine „Zahl der Ladungen“ übersetzen, denn auch das Telefon verliert Energie, während es sie aufnimmt. Rechnet man geräteseitig mit rund 90 % Wirkungsgrad, dem üblichen Wert, wird die Größenordnung greifbar.
Das Versprechen von „zwei bis drei vollen Ladungen“, das auf den Verkaufsseiten kursiert, hält nur bei kompakten Telefonen. Ein großes Gerät bleibt bei einer Ladung und einem Drittel stehen. Bemerkenswert dabei: Anker selbst nennt im Datenblatt keine Zahl von Ladungen, diese Behauptung stammt aus dem Handel.
Die 30 W gelten nur an einem Port zugleich
Drei Geräte lassen sich gleichzeitig anschließen: das integrierte Kabel, ein zweiter USB-C-Port und ein USB-A-Port. Bei einem Gerät dieser Größe ist das ein echter Vorteil. Die Leistung zieht allerdings nicht mit.
Allein angeschlossen, bekommt ein Gerät bis zu 30 W über das Kabel oder über den USB-C-Port und 22,5 W über USB-A. Sobald ein zweites Gerät hinzukommt, fällt das Ganze auf 5 Volt und 4,8 Ampere zurück, also 24 W insgesamt, die zu teilen sind. Ein Telefon, das mit 20 Volt lud, geht zurück auf 5 Volt, mit dem weiter oben beschriebenen Verlust an Wirkungsgrad. Das ist keine Fehlfunktion, sondern die Spezifikation, und der Hersteller veröffentlicht sie.
| Konfiguration | Leistung | Spannung |
|---|---|---|
| Ein einzelnes Gerät, Kabel oder USB-C-Port | 30 W | bis 20 V |
| Ein einzelnes Gerät, USB-A-Port | 22,5 W | bis 12 V |
| Zwei Geräte oder mehr | 24 W insgesamt | 5 V |
Bei einem Telefon der Oberklasse liegt die tatsächlich aufgenommene Leistung bei höchstens rund 23 W, ob über das integrierte Kabel oder über den Port. Die 30 W sind also eine Reserve, keine Dauerleistung. Und sie halten nicht endlos: Unter anhaltender Last bei 20 Volt schaltet das Gerät zum Abkühlen ab, während ihm noch etwa ein Drittel seiner Ladung bleibt, und läuft dann von selbst wieder an.
Die Oberflächentemperatur erreicht bei anhaltender Abgabe 43,9 °C. Das ist warm in einer Hosentasche, ohne beunruhigend zu sein.
Das integrierte Kabel: das echte Risiko und der falsche Vorwurf
Das ist das zentrale Verkaufsargument dieses Produkts, und zugleich der Punkt, an dem fast alles danebengreift, was darüber geschrieben wird. Das rund zwanzig Zentimeter lange USB-C-Kabel ist fest mit dem Gehäuse verbunden, endet in einem Metallclip und lässt sich nicht einziehen. Es bildet eine Schlaufe, die Anker als Tragegriff bewirbt.
Der übliche Vorwurf ist der des mechanischen Verschleißes: der Mantel, der an der Knickstelle ausfranst, das Kabel, das vom vielen Biegen bricht. Dieser Vorwurf hält nicht stand. Das Wort „ausgefranst“ kommt in dem, was über dieses Gerät geschrieben wird, nirgends vor, Bilder verschlissener Isolierung kursieren keine, und das integrierte Kabel gilt ganz überwiegend als Stärke und nicht als Schwäche.
Der wirkliche Ausfall sieht anders aus, und es gibt ihn: Das Kabel hört auf zu leiten, anfangs manchmal nur zeitweise und je nach Lage, während die Powerbank weiterarbeitet. Das ist ein elektrischer Defekt, kein Bruch. Die gemeldeten Fälle verteilen sich von einer Woche bis zu sechzehn Monaten Nutzung und bleiben in der Minderheit. Es kommt vor, dass auch ein Austauschgerät denselben Defekt zeigt.
An einem Exemplar, das seit Januar 2024 täglich als Hauptpowerbank dient, ständig mitgeführt und regelmäßig im Ablagefach des Autos liegen gelassen wird, zeigt das Kabel keinerlei Verschleiß: Der Mantel ist unversehrt, nichts hat Spiel bekommen, der Kontakt setzt nie aus. Der USB-C-Stecker rastet zudem deutlich satter ein als üblich, mit spürbarem Klick und ohne Wackeln, und genau das erhält einen Stecker über die Jahre.
Ein Detail zeigt die Zurückhaltung des Herstellers deutlicher als jede lange Erklärung: Für die Kabel anderer Modelle seiner Reihe veröffentlicht Anker Haltbarkeitswerte, in Zehntausenden von Biegungen. Für dieses hier ist keine Zahl veröffentlicht. Und im Support-Bereich liegt seit April 2025 ein Hinweis zu integrierten Kabeln, die nicht mehr laden, zwölf Artikelnummern zugeordnet, darunter diese. Er schlägt allein einen Reset vor, ohne je eine Ursache zu benennen.
Der Mangel, von dem niemand spricht
Eine Powerbank verbringt den größten Teil ihres Lebens damit, nichts zu tun. Genau darin enttäuscht dieses Modell, und genau darüber steht am wenigsten geschrieben.
Sie entleert sich im Ruhezustand. Der Verlust übersteigt ohne jede Nutzung 20 %, und es geht auch deutlicher: eine volle Ladung, die nach drei bis vier Tagen bei 80 % steht, ein Exemplar, das in einer Tasche in weniger als einer Woche auf null fällt. Das Farbdisplay, das einer der Trümpfe dieses Produkts bleibt, hat an diesem Restverbrauch vermutlich seinen Anteil.
Gleichzeitiges Laden und Entladen beherrscht sie ebenfalls nicht: Ein Telefon an die Powerbank zu hängen, während diese selbst lädt, ist nicht vorgesehen. Anker schreibt das für seine gesamte Reihe, mit wenigen Ausnahmen, zu denen dieses Modell nicht gehört.
Ihre eigene Ladung
Das Gerät nimmt am Eingang 30 W an, über das integrierte Kabel ebenso wie über den USB-C-Port. Die volle Ladung dauert 90 bis 100 Minuten, bei einer Eingangsspitze von 30,8 W. Die halbe Ladung ist nach etwa 35 Minuten wieder da, was besser ist als die angegebenen 45 Minuten.
Ein Hinweis für alle, die unterwegs laden: Sobald sich das Gerät erwärmt hat, geht der Eingang auf 20 W zurück. Die volle Ladung dauert dann spürbar länger. Nichts Ungewöhnliches, aber es nimmt dem kurzen Nachladen bei einem knappen Zwischenstopp einiges an Reiz.
Im Karton liegen weder ein Netzteil noch ein zusätzliches Kabel, nur die Powerbank und ihre Anleitung. Bei 40 Euro fällt das auf.
Ohrhörer und Uhren: eine versteckte Funktion
Eine Beschwerde kehrt regelmäßig wieder: Das Gerät weigert sich, Ohrhörer, eine Uhr oder einen smarten Ring zu laden, oder bricht nach rund dreißig Sekunden ab. Das ist keine Störung, sondern eine Schutzfunktion: Weil sie keine ausreichende Stromaufnahme erkennt, geht die Powerbank in den Ruhezustand.
Es gibt einen Ausweg. Ein Erhaltungsladen mit geregeltem Strom unter 0,5 A lässt sich durch zweimaliges Drücken der Taste einschalten und umgeht diese Abschaltung. Nach zwei Stunden endet es von selbst.
Was drinsteckt
Das Gerät ist sorgfältig aufgebaut: punktgeschweißte Fahnen auf Nickelbändern, Vulkanfiberpapier über den Elektroden, dämpfende Schaumstoffe, wärmeleitender Verguss als Füllung und ein Temperaturfühler. Nichts davon wirkt hingeschludert.
Die Elektronik wurde im Laufe der Serie neu aufgesetzt. Die erste Fassung setzte auf einen Wandler und einen getrennten Controller, die zweite fasst alles in einem einzigen Chip zusammen. Zwei Geräte, die im Abstand von einem Jahr gekauft wurden, tragen also nicht dieselbe Platine, was einen Teil der Abweichungen zwischen den veröffentlichten Messwerten erklärt.
Die Zellen dagegen bleiben gleich: zwei zylindrische 21700er eines chinesischen Herstellers, angegeben mit 500 Zyklen. Das ist der Einstiegswert des Marktes, während bessere Zellen das Doppelte nennen. Bei einer Powerbank, die zweimal pro Woche geladen wird, sind das rund fünf Jahre bis zu einem spürbaren Kapazitätsverlust, was zur erwarteten Nutzung passt. Das Gehäuse besteht zu 80 % aus recyceltem Kunststoff.
Auf Dauer hält die Konstruktion. Nach neunzehn Monaten intensiver Nutzung trägt das Gehäuse Kratzer, aber keine Verformung, der Aufbau hat kein Spiel bekommen, und das Display bleibt einwandfrei ablesbar, ohne den geringsten Anzeigefehler. Vier bis fünf Stürze auf harten Boden haben keine funktionalen Folgen hinterlassen.
Rückruf und Garantie: was man wissen muss
Anker hat 2025 mehrere Powerbanks zurückgerufen, darunter zwei Modelle mit 10.000 mAh, wegen fehlerhafter Zellen von einem einzigen Zulieferer. Die Frage stellt sich also zu Recht, zumal dieses Modell genau im selben Zeitraum und in derselben Preisklasse verkauft wurde.
Es ist von keinem Rückruf betroffen. Weder in den Vereinigten Staaten noch in Deutschland, im Vereinigten Königreich oder in Frankreich: Es steht in keinem amtlichen Register zurückgerufener Produkte, ebenso wenig auf den Seiten, die der Hersteller seinen eigenen Rückrufen widmet.
Die Herstellergarantie läuft bei dieser Reihe über 24 Monate und tritt neben die gesetzliche Gewährleistung. Normaler Verschleiß ist zwar ausgeschlossen, doch die Klausel nennt allein den Kapazitätsverlust und die Farbveränderung, nie das Kabel. In der Praxis ist der einzige wirklich vorkommende Ablehnungsgrund der fehlende Kaufnachweis: Bewahren Sie die Rechnung auf, sie wird ausnahmslos verlangt. Zuletzt noch wichtig zu wissen: Die Garantie gilt im Land des Kaufs.
Für wen sie taugt
Dieses Gerät zielt auf einen ganz bestimmten Menschen: auf den, der eine Powerbank will, die immer bereit ist und kein Kabelsuchen verlangt, für einen Tag unterwegs. Auf diesem Feld ist ihr kaum etwas vorzuwerfen. Das feste Kabel beseitigt das häufigste Vergessen, das Display liefert eine genaue Angabe statt vier Leuchtpunkten, und der Wirkungsgrad liegt über dem Marktdurchschnitt.
In drei Fällen passt sie nicht. Für alle, die das leichteste Gerät suchen: 215 Gramm, während die besten 10.000 mAh ohne Kabel mit 175 Gramm auskommen, also ein Fünftel weniger. Für alle, die zwei Geräte schnell laden wollen: Die 24 W, geteilt und bei 5 Volt, sind eine echte Grenze. Und für alle, die eine Notreserve zum Vergessen suchen: Die Selbstentladung schließt sie aus.
Bleibt der Preis. Bei rund 40 Euro, gegenüber deutlich günstigeren Konkurrentinnen mit integriertem Kabel, bezahlt man das Display, die Verarbeitung und die Marke. Das lässt sich vertreten, selbstverständlich ist es nicht.
Ihre Dicke verdient dagegen nicht das Misstrauen, das das Datenblatt weckt. Die 26 Millimeter liegen weit über den flachen Modellen, doch die abgerundeten Kanten sorgen dafür, dass sie ohne Störgefühl in der Tasche sitzt: Im Alltag fällt das Gewicht auf, nicht die Dicke.



