Was die angegebenen 154 Wh wirklich wert sind
Die Allpowers S200 gibt 154 Wh an, also 41600 mAh bei 3,7 V in einer NMC-Chemie. Diese Kapazität wird je nach genutztem Ausgang nicht gleich abgegeben, und dieser Unterschied ist der wichtigste Punkt vor dem Kauf.
Der Unterschied erklärt sich über die Dauer der Entladung: Bei geringer Leistung zieht sie sich über mehrere Stunden hin, und die festen Umwandlungsverluste der USB-Stufe fallen dann über die gesamte Bilanz deutlich stärker ins Gewicht als bei einer schnellen Entladung über die Steckdose. Für eine Nutzung, die vor allem auf das Laden kleiner Geräte (Smartphone, Kamera, E-Reader) statt auf die Steckdose setzt, ist dieser Wert im Hinterkopf zu behalten.
Laden: Das Versprechen von 1,5 Stunden hält
Allein über USB-C (60 W) sind es rund 2,5 bis 3 Stunden. Der Solareingang reicht bis 99 W über einen DC5521-Anschluss, kompatibel mit den faltbaren Panels der Marke (SP012 mit 100 W, SP020 und SP026 mit je 60 W); ein eigener MPPT-Regler ist in der S200 dagegen nicht verbaut, eine Grenze, um wechselndes Licht optimal zu nutzen, verglichen mit neueren Stationen, die einen solchen integrieren.
Eine Steckdose, die keinen echten Sinus liefert
Die Steckdose der S200 liefert eine modifizierte (näherungsweise sinusförmige) Wellenform, keinen echten Sinus. Für die allergrößte Mehrheit der elektronischen Geräte (Ladegeräte, Laptops, kleine Geräte mit Schaltnetzteil) macht das im Alltag keinen spürbaren Unterschied. Bei einer Minderheit von Geräten, die empfindlich auf die Stromqualität reagieren, kann es dagegen zu Problemen kommen: bestimmte hochwertige Audiogeräte, bestimmte Werkzeuge mit Universalmotor oder bestimmte medizinische Geräte, die dadurch stärker erwärmen, brummen oder nicht korrekt funktionieren können. Dieser Punkt taucht in keinem vom Hersteller veröffentlichten Datenblatt auf, obwohl er die Kompatibilität mit bestimmten Anwendungen direkt beeinflusst. Die Oberflächentemperatur steigt bei voller Ladung über die Steckdose auf bis zu 35 °C, bei einer Umgebungstemperatur von 20 °C: nichts Ungewöhnliches, aber ein Grund, das Gerät in dieser Phase nicht in einer vollständig geschlossenen Tasche zu verstauen.
Integriertes kabelloses Laden: das Argument, das die Kategorie abhebt
Auf der Oberseite des Gehäuses ermöglicht eine Qi-Ladefläche (5 V, bis zu 2,4 A), ein kompatibles Smartphone abzulegen, ohne nach einem Kabel zu suchen. Das ist in dieser Preis- und Formatklasse selten: Weder die Jackery Explorer 100 Plus noch die EcoFlow River 3 noch die Anker Solix C300, ihre drei nächsten direkten Konkurrenten nach Format oder Preis, bieten dies. Zusammen mit dem bidirektionalen USB-C-Anschluss mit 60 W und den beiden USB-A-Anschlüssen deckt die S200 den Ladebedarf mobiler Elektronik zuverlässig ab, ohne Kabel anzuhäufen.
Ein Hinweis: Die kabellose Ladefläche verlangt eine recht genaue Positionierung des Smartphones, damit die Ladung anspringt, eine Schwäche, die die meisten induktiven Einsteigerladegeräte teilen.
Display, Anschlüsse und Handhabung
Die Frontseite vereint das Wesentliche: die Steckdose, das LCD-Display, den Einschaltknopf und die beiden USB-A-Anschlüsse. Das Display zeigt übersichtlich den Akkustand in Prozent, die geschätzte verbleibende Laufzeit sowie die Leistung in Watt auf jedem der drei Pfade (Eingang, USB-Ausgang, Netzausgang), ein nützliches Detail, um eine laufende Ladung ohne App oder Bluetooth im Blick zu behalten. USB-C-Anschluss und Ladeeingang liegen an der rechten Seite des Gehäuses, die kabellose Ladefläche auf der Oberseite.
Das Gehäuse besteht aus Kunststoff, ohne Fernbedienung oder Fernsteuerung: Die gesamte Bedienung läuft über den einen Knopf, was für eine einfache Nutzung ausreicht, die Fernsteuerung per App mancher Konkurrenzstationen aber nicht bietet.
Laufzeit und reale Nutzung
An einem Laptop, dessen Netzteil 135 W erreicht, sinkt die Laufzeit auf rund 110 Minuten im Büroalltag (Textverarbeitung, Surfen, leichte Fotobearbeitung) und auf rund 75 Minuten beim Spielen, einer deutlich höheren Last. An einem genügsameren Laptop mit rund 45 W steigt die Laufzeit auf rund 3 Stunden. Eine kleine Eiswürfelmaschine mit 120 W läuft bei einer Vollladung 57 Minuten.
Diese Werte bestätigen die Positionierung der S200: eine Reserve für kleine elektronische Geräte über einige Stunden, keine Station für große Haushaltsgeräte (Kühlschrank, Wasserkocher, Kochplatte) und auch nicht für einen ganzen Tag intensives Homeoffice.
NMC-Chemie, Einstiegspreis: was das auf Dauer bedeutet
Die S200 setzt auf eine NMC-Batterie (Nickel-Mangan-Kobalt) statt auf die inzwischen bei neueren Stationen übliche LFP-Chemie (Lithium-Eisenphosphat). NMC bietet bei gleichem Gewicht eine höhere Energiedichte, was das sehr kompakte Format der S200 teilweise erklärt, altert dafür aber in der Regel schneller: einige hundert volle Zyklen, bevor ein spürbarer Teil der Kapazität verloren geht, gegenüber 2000 bis 3000 Zyklen, die für eine aktuelle LFP-Station häufig angegeben werden. Sie ist bei einem Stoß oder einer Beschädigung außerdem thermisch weniger stabil als LFP, ein bei den kompaktesten und leichtesten Formaten des Marktes üblicher Kompromiss. Der Hersteller nennt für die S200 keine Zyklenzahl, eine Angabe, die bei seinen eigenen neueren Modellen inzwischen üblich ist: Der S2000 Pro derselben Marke etwa gibt mehr als 2500 Zyklen bis 80 % Kapazität an.
Preislich liegt die S200 in Deutschland bei rund 114 Euro, eine Einstiegsposition im Segment der Mini-Stationen mit Steckdose. Zu diesem Preis liegt sie unter den meisten klassischen Stationen mit 250 bis 300 Wh im Katalog, allerdings bei deutlich geringerer Kapazität und Leistung: Das Verhältnis zwischen Preis und tatsächlich verfügbaren Wattstunden spricht also nicht zwangsläufig für sie gegenüber einer kapazitiveren Station, außer wenn Gewicht und kabelloses Laden in der Entscheidung mehr zählen als die reinen Kosten der gespeicherten Energie.
Verarbeitung, Zuverlässigkeit und Kundendienst
Die S200 wird seit April 2021 verkauft und bleibt im Katalog des Herstellers auf seinen wichtigsten Märkten (Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Japan, USA), auf einigen davon auch als zertifiziert generalüberholtes Gerät, ein Zeichen für Verkaufszahlen, die groß genug sind, um einen Rücknahmekreislauf zu tragen. Die Garantie beträgt 2 Jahre.
Der Kundendienst der Marke zeigt bei mehreren anderen Produkten seines Katalogs reale Schwächen: Ladevorgänge, die bei rund 85 % stehen bleiben, schriftlich zugesagte Garantieersatzlieferungen, die nie erfolgen, sehr lange Antwortzeiten nach Abschluss des Kaufs. Dieser Punkt betrifft die Produktreihe insgesamt und nicht speziell die S200: Die S200 weist bislang keinen ihr eigenen Sicherheitsvorfall auf, doch dieses Verhalten des Kundendienstes bleibt ein übergreifender Punkt, den man bei jeder Garantieanfrage im Hinterkopf behalten sollte.
Im Vergleich: innerhalb der Allpowers-Reihe und darüber hinaus
Die Produktseite der S200 vergleicht sie bereits mit der Jackery Explorer 100 Plus, der EcoFlow River 3 und der Anker Solix C300. Innerhalb des Allpowers-Katalogs selbst stellt sich die Frage auch anders: Bei der S200 bleiben, oder zu einer kapazitiveren Station derselben Marke wechseln?
| Kriterium | Allpowers S200 | Allpowers S300 Plus | Allpowers R600 |
|---|---|---|---|
| Kapazität | 154 Wh | 288 Wh | 299 Wh |
| Netzleistung | 200 W | 300 W | 600 W |
| Gewicht | 1,3 kg | 3,4 kg | 5,6 kg |
| Kabelloses Laden | Ja | Nein | Nein |
| Beobachteter Preis | ≈ 114 € | ≈ 171 € | ≈ 237 € |
Die S300 Plus und die R600 teilen dieselbe NMC-Chemie und dieselben Vorbehalte bei der fehlenden Zyklenzahl, bieten aber für das 2,5- bis 4-fache Gewicht deutlich mehr Leistung und Kapazität. Die Wahl hängt von der Nutzung ab: Rucksack oder Laptoptasche für die S200, Kofferraum oder Campingtasche für die anderen beiden. Wem Gewicht und kabelloses Laden am wichtigsten sind, findet nur bei der S200 beides vereint. Wer dagegen möglichst viele Watt und Wattstunden pro Euro sucht, liegt mit der R600 richtig, sofern 5,6 kg Gewicht kein Hindernis sind.
Für wen sich die S200 eignet, für wen nicht
Die S200 eignet sich für alle, die eine kompakte Energiereserve für kleine elektronische Geräte unterwegs suchen: Smartphone, Kamera, Tablet, kleiner Laptop, Beleuchtung, alles in einem Gehäuse, das in eine Laptoptasche passt. Das integrierte kabellose Laden und der USB-C-Anschluss mit 60 W machen sie zu einer praktischen Begleiterin für gelegentliches Homeoffice, ein Festival, ein leichtes Camping-Wochenende oder einen kurzen Stromausfall zu Hause.
Sie eignet sich nicht für alle, die große Haushaltsgeräte versorgen wollen (sie ist bei 200 W Dauerleistung gedeckelt), die eine automatische Umschaltung bei Stromausfall benötigen (keine USV-Funktion), die eine vollkommen saubere Sinuswelle für ein empfindliches Gerät suchen, oder die eine intensive tägliche Nutzung über mehrere Jahre planen, ohne auf die Zyklenzahl zu achten, die der Hersteller für dieses Modell nicht angibt. In all diesen Fällen leistet eine kapazitivere, leistungsstärkere Station auf Dauer bessere Dienste, auch wenn sie mehr wiegt.




