Warum überhaupt 100 W und mehr?
Jahrelang diente eine Powerbank dazu, ein Smartphone über den Abend zu retten. 18 W reichten dafür völlig aus. Seit USB-C auch Notebooks versorgt, hat sich die Rechnung geändert: Ein MacBook Pro mit 14 Zoll verlangt 96 W, um mit voller Geschwindigkeit zu laden, ein Windows-Ultrabook 65 W bis 100 W, eine Handheld-Konsole rund 45 W.
Unterhalb von 100 W lädt eine Powerbank einen Laptop zwar, aber langsam und oft langsamer, als das Gerät sich beim Arbeiten selbst entlädt. Genau das ist der Unterschied zwischen „kompatibel“ und „mit voller Geschwindigkeit“. Oberhalb von 100 W beginnt der Extended Power Range (EPR), eingeführt mit USB Power Delivery 3.1: Die Spannung darf bis auf 48 V steigen, ein einzelner Port bis zu 240 W übertragen.
Die europäischen Vorgaben haben die Entwicklung beschleunigt: Seit dem 28. April 2026 müssen auch in der EU verkaufte Notebooks einen USB-C-Ladeanschluss besitzen, nach Smartphones und Tablets im Dezember 2024. Diesen Zeitplan erläutern wir in unserem Beitrag zur USB-C-Pflicht in der EU.
So haben wir ausgewählt
Der Markt für Schnellladen ertrinkt in Marketingzahlen. Ein Modell, das mit 145 W wirbt, kann am Hauptport durchaus bei 65 W abriegeln, weil die 145 W nur bei drei gleichzeitig genutzten Ausgängen zustande kommen. Solche Angaben haben wir ignoriert und fünf Kriterien angelegt:
- Leistung an einem einzelnen Port: Sie bestimmt die Ladegeschwindigkeit eines Notebooks, nicht die Gesamtsumme.
- Tatsächliche Kapazität in Wattstunden (Wh), die einzige ehrlich vergleichbare Angabe.
- Ladegeschwindigkeit der Powerbank selbst: Ein 90-Wh-Speicher, der fünf Stunden zum Füllen braucht, ist ein falscher Freund.
- Flugtauglichkeit: Alle Modelle bleiben unter 100 Wh und dürfen damit ohne Formalitäten ins Handgepäck.
- Sinnvolle Ausstattung: integriertes Kabel, Display, Anzahl der Anschlüsse, Zellqualität.
Das Ergebnis: fünf Powerbanks von 60 € bis 180 €, die ihre Versprechen wirklich halten. Alle finden Sie in unserer Rubrik Powerbanks.
1. Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis: Ugreen Nexode 20000 145W
Diese Powerbank empfehlen wir mit Abstand am häufigsten. Für rund sechzig Euro bietet die Ugreen Nexode 20000 145W 20 000 mAh (72 Wh) und vor allem ein integriertes USB-C-Kabel mit 100 W. Dieses Detail verändert den Alltag: kein vergessenes Kabel auf dem Nachttisch, keine Zweifel an dessen Zertifizierung, und sofort 100 W für ein Ultrabook verfügbar.
Daneben erreicht ein zweiter USB-C-Port 45 W, ein USB-A rundet das Angebot ab, insgesamt 145 W für drei Geräte. Die Powerbank selbst nimmt 80 W auf und ist damit in anderthalb Stunden komplett gefüllt: einmal in der Mittagspause anstecken, und sie ist wieder voll.
Ihre Grenzen sind ehrlich: 72 Wh Reserve entsprechen einer vollen Ladung eines MacBook Air und nicht viel mehr, und pro Port sind 100 W das Maximum. Für die allermeisten mobilen Arbeitssituationen reicht das völlig.
2. Die vielseitigste: Anker Prime 20000 (200 W)
Gleiche Kapazität wie zuvor (72 Wh), aber Elektronik einer anderen Liga: Die Anker Prime 20000 liefert 100 W an jedem ihrer beiden USB-C-Ports, und zwar gleichzeitig, macht mit dem USB-A zusammen 200 W. In der Praxis lädt sie zwei Notebooks parallel mit voller Geschwindigkeit, was in dieser Bauform selten bleibt.
Sie nimmt ebenfalls 100 W auf und ist in 1 h 15 wieder voll. Das kleine Display zeigt die aktuelle Leistung, den Ladestand und die Restzeit an, was beim Verstehen enorm hilft: Man sieht sofort, wenn ein Kabel die Ladung auf 60 W drosselt.
Rechnen Sie mit etwa 115 €: Der Aufpreis gegenüber der Ugreen lohnt sich, wenn Sie mehrere stromhungrige Geräte gleichzeitig laden oder Wert auf Display und App legen.
3. Die ausdauerndste: EcoFlow Rapid Pro 27K
Mit 27 650 mAh, also 99,54 Wh, kratzt die EcoFlow Rapid Pro 27K bewusst an der gesetzlichen Grenze von 100 Wh, die ohne vorherige Genehmigung der Airline ins Handgepäck darf. Mehr Energie lässt sich legal nicht in einem Rucksack transportieren, und genau darauf baut EcoFlow sein Argument.
Sie liefert dank PD 3.1 140 W an einem einzelnen USB-C-Port und insgesamt 300 W über vier USB-C-Anschlüsse. Ein 140-W-Kabel ist im Gehäuse integriert, das LCD informiert über den Ladestand, und die EcoFlow-App erlaubt eine feinere Überwachung.
Das ist das Modell für alle, die lange Flüge oder ganze Tage ohne Steckdose überstehen müssen: zwei volle Ultrabook-Ladungen oder eine Laptop-Ladung plus eine Woche Smartphone. Der Preis dafür sind Gewicht und rund 165 €.
4. Die langlebigste: Aferiy Nano100 (LiFePO4)
Hier liegt die eigentliche Besonderheit dieser Auswahl. Während alle anderen klassische Lithium-Ionen-Zellen nutzen, setzt die Aferiy Nano100 auf LiFePO4, die Chemie der Powerstations: über 2 000 Ladezyklen laut Hersteller, gegenüber 500 bis 800 bei einer gewöhnlichen Powerbank.
Konkret heißt das: Wo eine klassische Powerbank nach zwei bis drei Jahren täglicher Nutzung schwächelt, ist diese auf ein Jahrzehnt ausgelegt. LiFePO4 ist zudem thermisch deutlich stabiler, ein Punkt, den wir in unserem Beitrag Li-Ion gegen LiFePO4 ausführlich behandeln.
Bei der Leistung muss sie sich nicht verstecken: 99 Wh (31 000 mAh), zwei USB-C-Ports mit 100 W, 145 W insgesamt, ein einziehbares integriertes USB-C-Kabel und eine volle Ladung in anderthalb Stunden. Der Kompromiss zeigt sich auf der Waage, denn LiFePO4 ist weniger energiedicht als Lithium-Ionen. Für etwas mehr als 90 € ist sie die vernünftige Wahl für alle, die nur einmal kaufen wollen.
5. Die stärkste: Anker Prime 26250 (300 W)
Die Oberklasse dieser Kategorie. Die Anker Prime 26250 kombiniert 99,75 Wh Reserve (erneut knapp unter der Fluggrenze) mit 140 W an einem USB-C-Port, insgesamt 300 W. Sie lädt ein MacBook Pro mit 16 Zoll mit maximaler Geschwindigkeit, was keine 100-W-Powerbank schafft.
Ihre wahre Besonderheit ist der Eingang: Sie nimmt 250 W beim Laden auf und ist nach 13 Minuten wieder zu 50 % gefüllt. Auf einer Messe, zwischen zwei Terminen, ist dieses Tempo bares Geld wert. Farbdisplay und Anker-App runden ein sehr ausgereiftes Paket ab.
Für 180 € richtet sie sich an alle, die wirklich den ganzen Tag mobil arbeiten. Für gelegentliche Nutzung leistet die Ugreen für 60 € dasselbe, nur langsamer.
Der Vergleich auf einen Blick
| Modell | Kapazität | Ein Port | Gesamt | Aufladen | Preis |
|---|---|---|---|---|---|
| Ugreen Nexode 20000 145W | 72 Wh | 100 W | 145 W | 80 W (1 h 30) | ca. 60 € |
| Anker Prime 20000 | 72 Wh | 100 W (x2) | 200 W | 100 W (1 h 15) | ca. 115 € |
| EcoFlow Rapid Pro 27K | 99,5 Wh | 140 W | 300 W | 140 W | ca. 165 € |
| Aferiy Nano100 | 99 Wh (LiFePO4) | 100 W | 145 W | 100 W (1 h 30) | ca. 92 € |
| Anker Prime 26250 | 99,75 Wh | 140 W | 300 W | 250 W (50 % in 13 min) | ca. 180 € |
Eine Lesehilfe: Die Spalte „ein Port“ zählt für Notebooks, die Spalte „gesamt“ ergibt nur dann Sinn, wenn Sie wirklich drei oder vier Geräte gleichzeitig anschließen.
Schnellladen: Worauf Sie vor dem Kauf achten sollten
Das Kabel zählt so viel wie die Powerbank
Das ist die häufigste Enttäuschung. Oberhalb von 60 W braucht ein USB-C-Kabel einen Identifikationschip (man spricht von einem „E-Marker“), der seine Strombelastbarkeit meldet. Für 100 W brauchen Sie ein für 5 A zertifiziertes Kabel, für 140 W und mehr eines mit 240 W / EPR. Ein dem Smartphone beiliegendes Ladekabel überschreitet nie 60 W, selbst an einer 300-W-Powerbank. Die Modelle mit integriertem Kabel umgehen dieses Problem elegant.
Auf Wattstunden achten, nicht auf mAh
Zwei Powerbanks mit jeweils 20 000 mAh können je nach Zellspannung unterschiedlich viel Energie speichern. Nur Wattstunden (Wh) erlauben einen ehrlichen Vergleich, und es ist zugleich die Einheit, mit der Airlines rechnen. Dem Unterschied zwischen aufgedruckter Zahl und tatsächlich abgegebener Energie haben wir einen eigenen Beitrag gewidmet: die echte Kapazität einer Powerbank.
Wärme, der stille Schiedsrichter
Schnell laden heißt Wärme abführen. Ein Anstieg um wenige Grad ist gegen Ende der Ladung normal; ab etwa 10 °C Erwärmung bei moderatem Ladestrom stimmt etwas mit der Schutzelektronik oder den Zellen nicht. Alle Powerbanks dieser Auswahl drosseln ihre Leistung bewusst, wenn sie warm werden: Wenn 140 W nach zwanzig Minuten auf 90 W fallen, ist das kein Defekt, sondern das BMS, das die Zellen schützt.
Die 100-Wh-Grenze im Flugzeug
Eine Powerbank reist immer im Handgepäck, nie im Frachtraum, und ist bis 100 Wh genehmigungsfrei. Genau deshalb stoppen die kapazitätsstärksten Modelle bei 99,x Wh. Die vollständigen Regeln, einschließlich der neuen Nutzungsbeschränkungen an Bord, finden Sie in unserem Ratgeber Powerbank im Flugzeug.
Fazit: Welche sollten Sie nehmen?
Wenn Sie unterwegs ein Ultrabook und ein Smartphone laden, deckt die Ugreen Nexode 20000 145W den Bedarf für rund sechzig Euro ab, Kabel inklusive. Teilen sich zwei Personen eine Powerbank, ist die Anker Prime 20000 mit ihren zwei gleichzeitigen 100-W-Ports die Antwort.
Für lange Tage ohne Steckdose bietet die EcoFlow Rapid Pro 27K die maximal legal transportierbare Energiemenge. Die Aferiy Nano100 richtet sich dank LiFePO4 an alle, die lieber einmal für zehn Jahre kaufen. Und die Anker Prime 26250 bleibt die einzige, die 140 W Ausgang mit 250 W Eingang verbindet, für wirklich intensive Nutzung.
Noch unsicher bei Kapazität oder Anschlüssen? Unser Ratgeber Powerbank auswählen erklärt alles von Grund auf. Zählt für Sie eher das Gewicht als die Leistung, geht es hier entlang zu unserer Auswahl der besten Powerbanks für Reisen. Denken Sie schließlich an das passende Netzteil, sonst bleibt das schnelle Aufladen graue Theorie: alles dazu in der Rubrik Ladegeräte.




