Auf dem Papier: ein Hub, keine klassische Powerstation
Der Zendure Ace 1500 ist ein tragbarer Energie-Hub, der ausschließlich die Umwandlung und Verteilung von Energie übernimmt: Serienmäßig enthält er keinerlei Batterie. Seine Kapazität stammt vollständig von den zusätzlichen AB1000- (960 Wh) oder AB2000-Paketen (1920 Wh), die man ihm zuordnet, bis zu 4 Einheiten und insgesamt 7680 Wh. Er liefert bis zu 1500 W kontinuierlich (3000 W Spitze), mit zwei Netzsteckdosen, einem USB-C-Anschluss mit 65 W, einem USB-A-Anschluss und einem bidirektionalen XT60-Anschluss für Solarmodule. Kompakt (4 kg, 326 x 200 x 108 mm), wird er über Wi-Fi und Bluetooth per Zendure-App gesteuert.
On-Grid: eine USV-Funktion, keine Netzeinspeisung
Der On-Grid-Modus des Ace 1500 sorgt leicht für Verwirrung: Anders als bei einem klassischen Balkonkraftwerk speist er nichts ins Hausnetz ein. On-Grid bedeutet hier lediglich, dass sich der Hub über das Stromnetz aufladen lässt (bis zu 900 W) und bei einem Stromausfall automatisch auf Batteriebetrieb umschaltet, eine klassische USV-Funktion mit einer Umschaltzeit von rund 20 ms über seine eigenen integrierten Steckdosen. Die Energie wird dabei stets über die Steckdosen und Anschlüsse des Hubs selbst abgegeben, nie über den Sicherungskasten der Wohnung. Für eine echte Netzeinspeisung nach Art eines Balkonkraftwerks braucht es ein anderes Produkt aus der Zendure-Reihe, das einen anderen Hub mit einem separaten Mikrowechselrichter kombiniert.
1500 W: eine Leistung, die von der Anzahl der Batterien abhängt
Die angegebene kontinuierliche Leistung von 1500 W ist keine feste Eigenschaft des Hubs allein: Sie hängt direkt von der Anzahl angeschlossener Batterien ab. Mit einer einzelnen AB1000 liegt die Obergrenze der kontinuierlichen Leistung bei 960 W, mit einer einzelnen AB2000 bei 1200 W. Erst ab zwei Batterien werden die angegebenen 1500 W erreicht. Wer mit nur einer Batterie startet, sollte seine Erwartungen an die Leistung entsprechend nach unten korrigieren.
| Konfiguration | Kontinuierliche Leistung |
|---|---|
| 1x AB1000 | 960 W |
| 1x AB2000 | 1200 W |
| 2 Batterien oder mehr | 1500 W |
6000 Zyklen: ein Marketingeffekt, den man einordnen sollte
Die zugeordneten Batterien (der Hub selbst hat keine eigenen Zyklen, er speichert nichts) werden mit 6000 Zyklen bei 70 % Restkapazität angegeben, eine Zahl, die auf den ersten Blick beeindruckt. Es handelt sich dabei jedoch um dieselbe Batterie, die andernorts mit 3000 Zyklen bei 80 % bewertet wird, dem Schwellenwert, den die meisten Konkurrenten dieser Gruppe verwenden. Bei gleichem Vergleichsschwellenwert (80 %) liegt die angegebene Lebensdauer im oberen Durchschnitt des Marktes, ohne außergewöhnlich zu sein: Die Zahl von 6000 Zyklen gewinnt ihre werbewirksame Aussagekraft vor allem dadurch, dass ein großzügigerer Messschwellenwert gewählt wird als der andernorts üblicherweise verwendete.
Ein asymmetrischer Wirkungsgrad zwischen Laden und Entladen
Der gemessene Wirkungsgrad ist nicht symmetrisch. Bei der Entladung erreicht die Energieabgabe rund 92 % der gespeicherten Energie, ein gutes Ergebnis. Bei der Netzladung dagegen steigt der Verlust auf rund 30 %, was einem Wirkungsgrad von nur rund 70 % entspricht. Die USB-C- und XT60-Ausgänge erreichen ihrerseits einen Wirkungsgrad von nahezu 97 %. Dieser stärkere Ladeverlust steht nicht allein da: Eine frühere Generation derselben Produktreihe zeigte dasselbe Verhalten, wobei der Wechselrichter bei Teillast besonders ineffizient arbeitete.
Garantie: 5 Jahre für den Hub, 10 Jahre für die Batterien
Die Garantie fällt für den Hub und für die Batterien unterschiedlich aus: 5 Jahre für den Ace 1500 selbst (1 Jahr auf Zubehör), aber 10 Jahre für die zugeordneten AB1000-/AB2000-Batterien, eine in dieser Kategorie bemerkenswerte Dauer. Ein weiterer Punkt, den man kennen sollte: Die ursprünglichen AB1000-/AB2000-Batterien werden derzeit aus dem Zendure-Katalog genommen und durch eine neuere Generation mit integriertem Aerosol-Löschsystem ersetzt. Das beim Kauf tatsächlich gelieferte Batteriemodell kann daher von dem hier beschriebenen abweichen.
IP31 und Kunststoffgehäuse: die eigentlichen Grenzen des Gehäuses
Das Gehäuse des Hubs ist nur nach IP31 zertifiziert, ein bescheidenes Schutzniveau gegen Witterungseinflüsse: Der Hersteller selbst rät von der Nutzung bei starkem Regen, Schnee oder Gewitter ab. Die zugeordneten AB1000-/AB2000-Batterien sind dagegen nach IP65 zertifiziert und damit deutlich widerstandsfähiger. Die Verarbeitung des Hubs ist komplett aus Kunststoff statt aus Aluminium, was als weniger hochwertig als beim Rest der Produktreihe eingestuft wird, und beim Auspacken ist ein Kunststoffgeruch wahrnehmbar.
Softwarezuverlässigkeit: Signale, die man kennen sollte
Mehrere Signale, mit der gebotenen Vorsicht zu bewerten, deuten auf Probleme bei der Softwarezuverlässigkeit im SolarFlow-Ökosystem hin: App-Updates, die die Kontrolle über die Betriebsmodi eingeschränkt haben, WLAN-Verbindungsprobleme sowie in Einzelfällen unerklärte Ausgangsunterbrechungen beim Ace 1500 selbst. Die meisten der ausführlichsten Vorfälle betreffen jedoch ein anderes Produkt der Reihe, den Hub 2000, der mit denselben Batterien kombiniert wird: Leistungseinbrüche, Nichterkennung von Batterien und Überhitzung zählen zu diesen Vorfällen, mit einem langsamen, nach Eskalation aber letztlich wirksamen Kundensupport. Diese Angaben erlauben keine Bestimmung einer Ausfallquote, verdienen aber vor dem Kauf Beachtung.
Die Zahl 1707 W erklärt
Die manchmal für den Ace 1500 genannte Zahl von 1707 W addiert die Maximalwerte aller gleichzeitig genutzten Ausgänge: 1500 W am Netzausgang, 65 W über USB-C, 12 W über USB-A und 130 W am als Ausgang genutzten XT60-Anschluss. Das ist keine tatsächlich kumulierbare kontinuierliche Leistung, denn allein der Netzausgang liegt bereits bei maximal 1500 W. Der XT60-Anschluss ist zudem bidirektional: Er akzeptiert bis zu 400 W Solareingang, kann aber auch bis zu 130 W bei 12 V für ein kompatibles Zubehörteil abgeben, eine nützliche Information, die in der üblichen Produktpräsentation fehlt. Im Gegenzug bietet der Ace 1500 keinen klassischen 12-V-Zigarettenanzünderanschluss.
Für wen er geeignet ist, für wen nicht
Er eignet sich für alle, die ihre eigene Speicherkapazität in ihrem eigenen Tempo aufbauen möchten, mit einer echten automatischen USV-Funktion bei Stromausfall, ohne bei jeder Erweiterung die Umwandlungselektronik neu kaufen zu müssen.
Er eignet sich nicht für alle, die eine klassische, sofort einsatzbereite Powerstation suchen (der Preis des Hubs allein umfasst keinerlei Laufzeit), die Energie wie bei einem Balkonkraftwerk ins Hausnetz einspeisen möchten, oder die einen dauerhaften Außeneinsatz mit Witterungseinfluss benötigen.
