Was die angegebenen 288 Wh wirklich wert sind
Die C300X DC setzt auf einen LiFePO4-Akku mit 288 Wh (90000 mAh), eine Chemie, die eher für ihre Sicherheit und Langlebigkeit als für maximale Energiedichte bekannt ist. Die tatsächlich zurückgewonnene Kapazität, vollständige Entladung über mehrere Anschlüsse, liegt bei 272,9 Wh, rund 95 % des angegebenen Werts. Das ist ein sehr gutes Ergebnis: Die Differenz von 5 % entspricht den üblichen Mess- und Batteriemanagementverlusten (BMS), nicht einer als optimistisches Marketing getarnten Unterversorgung, einem bei dieser Art von Produkt sonst durchaus verbreiteten Mangel.
Diese Treue zum angegebenen Wert erklärt sich teilweise durch die Architektur des Produkts selbst: Ohne Wechselrichter gibt es eine elektronische Umwandlungsstufe weniger zwischen der Zelle und dem angeschlossenen Gerät, also weniger Gelegenheiten, unterwegs Energie zu verlieren. Das ist der rote Faden dieser gesamten Einschätzung.
Der wahre Gewinn der 100 % USB-C/DC-Architektur
Das ist der interessanteste und am besten belegte Aspekt dieses Produkts. Die C300X DC hat bei Akku und Elektronik ein baugleiches Schwestermodell, die Anker Solix C300, die lediglich eine 230 V-Steckdose und den dafür nötigen Wechselrichter ergänzt. Bei diesem AC-Schwestermodell sind für eine Vollladung 351 Wh aus dem Netz nötig, und nur 240 Wh kommen über die 230 V-Steckdose wieder heraus: Das ergibt einen Wirkungsgrad vom Netz bis zur Steckdose von 69 %. Bei genau demselben Gerät steigt dieser Wirkungsgrad auf bis zu 85 % bei den Gleichstrom-Ausgängen (USB-C, 12 V), die ohne Wechselrichter auskommen.
Der physikalische Mechanismus ist einfach: Jede elektronische Umwandlungsstufe verwandelt einen Teil der Energie in Wärme. Ein direkter USB-C- oder 12 V-Ausgang braucht nur eine einzige Umwandlungsstufe ab der Zelle. Ein 230 V-Ausgang muss den Gleichstrom des Akkus erst über einen Wechselrichter in Wechselstrom umwandeln, eine zusätzliche Stufe, die viel Wirkungsgrad kostet. Mit dem Verzicht auf die Steckdose spart die C300X DC nicht nur Gewicht: Sie bietet von vornherein nur Gleichstrom-Ausgänge und liegt damit in diesem oberen Bereich, ohne je den Preis des Wechselrichters zu zahlen, was die weiter oben genannte, selbst gemessene Kapazität von rund 95 % bestätigt.
Vier USB-C-Anschlüsse, aber nicht viermal 140 W
Die Produktseite und ein Teil der Kommunikation rund um dieses Modell sprechen von „vier USB-C-Anschlüssen mit 140 W“, was den Eindruck erweckt, jeder der vier Anschlüsse könne diese Leistung liefern. Das stimmt nicht. Von den vier USB-C-Anschlüssen sind zwei bidirektional und erreichen wirklich 140 W (sie dienen auch zum schnellen Laden des Geräts selbst), ein dritter ist bei 100 W gedeckelt, der vierte bei 15 W. Dazu kommen eine USB-A-Buchse (12 W) und ein 12-V-Ausgang mit rund 120 W.
| Anschluss | Maximale Leistung | Bidirektional (lädt die Station) |
|---|---|---|
| USB-C Nr. 1 | 140 W | Ja |
| USB-C Nr. 2 | 140 W | Ja |
| USB-C Nr. 3 | 100 W | Nein |
| USB-C Nr. 4 | 15 W | Nein |
| USB-A | 12 W | Nein |
| 12-V-Ausgang | 120 W | Nein |
In der Praxis bleibt das eine großzügige Anschlussausstattung: ein Notebook am einen 140-W-Anschluss, ein Smartphone am anderen 140-W-Anschluss, ein Tablet am 100-W-Anschluss und ein kleines Zubehörteil am 15-W-Anschluss, vier Geräte gleichzeitig versorgt, wie angegeben. Die Nuance betrifft nur die pro Anschluss verfügbare Leistung, nicht die Zahl der gleichzeitig anschließbaren Geräte.
Ladezeit: 2 h 21 über einen Anschluss, 1 h 30 über zwei
In diesem Punkt halten Ankers Angaben stand. Eine Vollladung über einen einzigen USB-C-Anschluss mit 140 W dauert in der Praxis 2 h 21, gegenüber rund 2,3 h, die Anker Japan offiziell unter denselben Bedingungen angibt, zwei übereinstimmende Werte. Bei kombinierter Nutzung der beiden bidirektionalen Anschlüsse (rechnerisch 280 W) nennt Anker Japan rund 1 h 30 für eine Vollladung; in der Praxis werden mit zwei gleichzeitig genutzten Ladegeräten tatsächlich 270 W erreicht, ebenso wie eine Ladung auf 80 % in rund 1 Stunde.
Der 12-V-Ausgang liegt stabil bei rund 13,2 V, der vom Hersteller angegebene Betriebstemperaturbereich reicht von -20 °C bis 40 °C.
Was das Fehlen einer Steckdose wirklich kostet
Das ist die Kehrseite des Wirkungsgradgewinns und zugleich der mit Abstand am häufigsten genannte Kritikpunkt an diesem Konzept: Ohne 230-V-Steckdose bleibt jedes Gerät, das weder USB-C noch 12 V akzeptiert, außer Reichweite. Konkret fallen damit ein kleiner Ofen, ein klassischer Wasserkocher, ein altes Notebook-Netzteil (ohne USB-C) oder jedes andere haushaltsübliche Elektrogerät von vornherein weg. Diese Entscheidung ist bewusst getroffen und passt zur nomadischen Ausrichtung des Produkts, verdient aber vor dem Kauf Klarheit: Diese Station ist kein universeller Ersatz für einen Stromerzeuger oder eine klassische Station mit Wechselrichter.
Eine weitere Behauptung, die einer Korrektur bedarf: Der Begriff „USV“ (unterbrechungsfreie Stromversorgung, automatische Umschaltung bei einem Stromausfall) kursiert zu diesem Modell. Das kann hier nicht zutreffen: Eine USV-Umschaltung dient per Definition dazu, eine 230-V-Versorgung ohne spürbare Unterbrechung aufrechtzuerhalten, und genau dieses Gerät hat keinerlei Netzausgang. Diese Verwechslung scheint eher aus der allgemeinen Marketingsprache der Anker-Solix-„X“-Reihe zu stammen, die auch Modelle mit Steckdose umfasst, als aus einer tatsächlichen Eigenschaft dieser genauen Referenz.
Reale Laufzeit je nach Einsatz
Ein MacBook Pro M1 wurde von 27 % auf 80 % geladen, wofür nur rund 15 % des eigenen Ladestands der Station nötig waren, im Einklang mit dem hohen Wirkungsgrad am direkten USB-C-Ausgang. An einem kleinen 12-V-Kompressorkühlschrank mit 30 W Verbrauch zehrten 24 Stunden Dauerbetrieb 77 % der Gesamtladung auf, was eine Gesamtlaufzeit von rund 31 Stunden an genau diesem Gerät ergibt, also gut einen vollen Tag.
| Gerät | Verbrauch | Ergebnis |
|---|---|---|
| MacBook Pro M1 | Ladung 27 % → 80 % | ~15 % der Stationsladung verbraucht |
| 12-V-Kühlschrank | 30 W Dauerbetrieb | 77 % verbraucht in 24 h (~31 h Gesamtlaufzeit) |
Dieser letzte Wert zeigt die bereits angesprochene Kapazitätsgrenze ganz konkret: 288 Wh reichen für eine kühle Nacht an einem kleinen Campingkühlschrank, aber nicht für ein ganzes Wochenende ohne zwischenzeitliches Nachladen. Für einen solchen Einsatz über mehrere Tage bleiben eine Solarnachladung (max. 100 W, MPPT) oder eine größere Kapazität notwendig.
C300 DC oder C300X DC: zwei Namen für dasselbe Produkt
Ein Punkt, auf den man beim Kauf achten sollte, ohne Einfluss auf die technischen Eigenschaften: Anker vertreibt dieses Produkt je nach Markt, und sogar je nach eigenem offiziellem Kanal, unter zwei unterschiedlichen Bezeichnungen. Der japanische Markt verwendet ausschließlich „SOLIX C300 DC“ (Referenz A1726), während die offizielle deutschsprachige europäische Website „SOLIX C300X DC“ (Referenz A1728) für eine ansonsten inhaltsgleiche Seite verwendet. Diese Uneinheitlichkeit geht auf Anker selbst zurück, nicht auf eine von Drittanbietern gestiftete Verwechslung.
Alle Spezifikationen unter diesen beiden Referenzen, gemessen oder vom Hersteller angegeben, sind vollkommen identisch: Kapazität, Gewicht, Abmessungen, Anschlusskonfiguration, Einführungspreis. Es handelt sich also tatsächlich um dasselbe Produkt unter zwei Handelsnamen, nicht um zwei unterschiedliche Versionen. Wer andere Einschätzungen oder Vergleiche im Netz findet, die „C300 DC“ ohne das X nennen, hat es aller Wahrscheinlichkeit nach mit genau dieser Referenz zu tun.
Im Vergleich zur direkten Konkurrenz
Im Segment der kompakten, vorwiegend USB-C- und DC-basierten Stationen tauchen im Vergleich am häufigsten drei Referenzen auf: die EcoFlow TRAIL 200 DC (kleiner und günstiger), die Anker Solix C300 mit Steckdose (gleiche Akku-Plattform, mit Wechselrichter) und die EcoFlow RIVER 2 (Allrounder mit Steckdose).
| Kriterium | Anker Solix C300X DC | EcoFlow TRAIL 200 DC | Anker Solix C300 (Steckdose) | EcoFlow RIVER 2 |
|---|---|---|---|---|
| Kapazität | 288 Wh | 192 Wh | 288 Wh | 256 Wh |
| 230-V-Steckdose | Nein (100 % USB-C/DC) | Nein (reines DC) | Ja (300 W) | Ja (300 W) |
| USB-C | 4 Anschlüsse (2×140 W + 100 W + 15 W) | 140 W + 100 W | 140 W | 100 W |
| Gewicht | 2,8 kg | ~2,3 kg | ~2,9 kg | ~3,3 kg |
| Marktpreis | ≈ 199 € | ≈ 149 € | ≈ 230 € | ≈ 249 € |
Die C300X DC positioniert sich in diesem Vergleich als die Station mit der großzügigsten USB-C-Anschlussausstattung, zu einem mittleren Preis. Die TRAIL 200 DC teilt dieselbe 100-Prozent-DC-Philosophie zu einem günstigeren Preis, aber mit weniger Kapazität und weniger Anschlüssen. Die C300 mit Steckdose bietet bei gleicher Akkukapazität die Vielseitigkeit von 230 V, allerdings zum Preis des weiter oben gezeigten geringeren Wirkungsgrads. Die Wahl läuft damit auf eine einfache Frage hinaus: Wird eine klassische Steckdose gebraucht oder nicht.
Zuverlässigkeit: was man weiß, was man nicht weiß
Die verwendete LiFePO4-Chemie ist für ihre Langlebigkeit und thermische Sicherheit bekannt, eine Wahl, die zum Rest der Anker-Solix-Reihe passt. Über diesen strukturellen Punkt hinaus muss man ehrlich mit den Grenzen der verfügbaren Informationen umgehen: Kein unabhängiges Testlabor mit vollständigem Protokoll (kalibrierter Lade-/Entladeprüfstand, Schallpegelmesser, beschleunigte Zyklen) wurde für dieses genaue Produkt gefunden. Der von Anker angegebene Schalldruckpegel von 25 dB wurde nie von unabhängiger Seite gemessen. Zum Geräuschverhalten gibt es zudem in Japan keine einheitliche Einschätzung: Mal ist von einem wahrnehmbaren Lüftergeräusch die Rede, mal wird das Gerät als geräuschlos beschrieben.
Auch keine unabhängige Zerlegung wurde gefunden, was es unmöglich macht, die genaue Zellmarke oder den Batteriemanagementschaltkreis zu bestätigen. Das sind keine negativen Signale, nur blinde Flecken, die nicht durch Vermutungen gefüllt werden sollten: Bis heute deutet nichts auf einen besonderen Zuverlässigkeitsmangel bei dieser Referenz hin, aber ebenso wenig bestätigt etwas das Gegenteil unabhängig über die vom Hersteller angegebenen 4000 Zyklen hinaus.
Für wen die C300X DC geeignet ist
Dieses Produkt eignet sich besonders gut für den mobilen Einsatz rund um tragbare Elektronik: Homeoffice im Van oder im Freien, das Laden von Smartphones, Tablets, Notebooks und kleinem Foto- oder Videoequipment, wo sich der Wirkungsgradgewinn bei gleicher Kapazität direkt in einer real längeren Laufzeit niederschlägt. Das geringe Gewicht (2,8 kg) und die integrierte Zusatzlampe machen sie auch zu einer guten leichten Notlösung für zu Hause, um einen Stromausfall für einen Abend zu überbrücken, ohne eine deutlich schwerere Station zu bemühen.
Umgekehrt eignet sie sich nicht für alle, die auch nur gelegentlich ein klassisches 230-V-Elektrohaushaltsgerät versorgen müssen, noch für alle, die eine mehrtägige Autonomie ohne Nachladen an einem energiehungrigen Verbraucher wie einem Kühlschrank oder einer Zusatzheizung suchen. In diesen Fällen bleiben die Version mit Steckdose derselben Reihe oder eine größere Kapazität die passendere Wahl.
